Ein Mann schlägt seine ehemalige Lebenspartnerin mit einem Wäscheständer. (Symbolfoto) Foto: Strobel

Weil sie Nachts das Licht im Bad angemacht hatte, ist ein Streit mit ihrem ehemaligen Lebenspartner eskaliert. Dieser schleuderte unter Alkoholeinfluss einen Wäscheständer auf sie. Jetzt ist der Fall vor dem Hechinger Amtsgericht verhandelt worden.

Hechingen - Der Angeklagte antwortet ruhig und gelassen, als ihn die Richterin nach der Tatnacht fragt. Gestritten habe man sich, aber dass er handgreiflich geworden sein soll, sei gelogen. Nichtsdestotrotz endet die Verhandlung am Dienstag im Hechinger Amtsgericht mit einer Verurteilung: 4500 Euro Geldstrafe.

Der Angeklagte und seine ehemalige Lebenspartnerin wohnen auch nach ihrer Trennung noch im gleichen Haus. "Wegen unserem Sohn, bis er auszieht", erklärt der 55-Jährige. Man habe nur noch nebeneinander hergelebt. Gemeinsame Unternehmungen oder gar Annäherungen habe es seit der Trennung vor fünf Jahren nicht mehr gegeben.

Über den Strafbefehl, gegen den der Angeklagte im Vorfeld Einspruch eingelegt hatte, habe er sich sehr gewundert. Ihm sei in der Nacht zwar aufgefallen, dass seine Ex-Partnerin an der Lippe geblutet habe, aber er konnte sich das nicht erklären.

Mittlerweile leben die beiden nicht mehr zusammen. Die Frau, die bei diesem Prozess die einzige Zeugin darstellt, möchte bei der Angabe ihrer Personalilien nicht ihre neue Adresse vor dem Angeklagten preisgeben – wohl aus Angst vor ihrem ehemaligen Partner.

Dass sie sich heftig streiten würden, sei keine Seltenheit, berichtet die Frau. "Er kann der liebste Mensch der Welt sein, aber sobald Alkohol im Spiel ist, ist es vorbei." In den Streitigkeiten würde er auch häufiger derbe Beleidigungen wie "Schlampe, Hure, Drecksau" verwenden. "Ich habe immer Angst vor ihm gehabt, wenn er besoffen war", murmelt die Zeugin.

In der Tatnacht habe sich der Angeklagte darüber echauffiert, dass die Geschädigte nachts im Bad das Licht angemacht hatte. Dieses schien in das Schlafzimmer und weckte den Angeklagten. In der darauffolgenden Auseinandersetzung schob die Geschädigte aus Angst vor ihrem Ex-Partner einen aufgeklappten Wäschestände zwischen die beiden.

Wunde und mehrere Hämatome

Wutentbrannt soll der 55-Jährige Hechinger anschließend den Ständer "in ihr Gesicht geschleudert" haben. Die Folge: Eine Wunde an der Lippe, mehrere Hämatome im Gesicht und eine Bisswunde an der Zunge. Da die Verletzungen mittels einem Gegenstand zugefügt wurden, handelt es sich um gefährliche Körperverletzung.

Trotz der ausführlichen Schilderungen der Frau, welche die Richterin als durchaus glaubhaft wahrnimmt, bleibt der Angeklagte bei seiner Position, dass er unschuldig sei. Das Vorstrafenregister bringt zu Tage, dass der Mann bereits wegen einer brutalen Körperverletzung an einer anderen Frau vorbestraft ist.

Schlussendlich folgt die Richterin dem Plädoyer des Staatsanwaltes und verurteilt den 55-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 4500 Euro. Der Mann kündigt nach der Verhandlung an, in Berufung gehen zu wollen.

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