Thorsten Frei wird Minister und Kanzleramtschef. Von 2004 bis 2013 war er OB in Donaueschingen. Was sagen seine alten Weggefährten dazu?
Bad Säckingen, Donaueschingen, Berlin. Viel besser kann man eine politische Karriere auch am Reißbrett nicht entwerfen. Aus dem Bad Säckinger Gemeinderat ging es für Thorsten Frei an die Rathaus-Spitze der Quellstadt und schließlich in den Bundestag. Jetzt bekommt der 52-Jährige einen Ministerposten im Kabinett des designierten Bundeskanzlers Friedrich Merz.
Keine Überraschung
Seit Wochen wird bereits über die Position des ehemaligen Oberbürgermeisters von Donaueschingen in der kommenden Bundesregierung gemunkelt. Wirklich überraschend kommt die Entscheidung nicht, doch jetzt hat es die Union offiziell gemacht: Frei soll Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes werden. Der CDU-Politiker und bisherige erste Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag soll dem Kanzler dabei helfen, die Zusammenarbeit mit den einzelnen Ministerien zu koordinieren und die Interessen innerhalb der Regierung zusammenzubringen.
Vom Hochrhein an die Spree
„Ich kenne Thorsten Frei als meinen Fraktionssprecher im Kreistag und würde mir wünschen, dass jeder Bundespolitiker auch nur annähernd so viel Erfahrung aus der Kommunalpolitik mitbringt, wie er“, sagt Erik Pauly, Freis OB-Nachfolger in Donaueschingen. Dass er für den Job als Kanzleramtschef geeignet ist, steht für Pauly außer Frage. Frei kenne die Fraktionsarbeit schon durch seine Erfahrung auf kommunaler Ebene aus dem Effeff und bringe viel mit, um Interessen zu einen und Verbindungen herzustellen.
Für Erik Pauly ist der Weg von Thorsten Frei vom Hochrhein an die Spree beispielhaft: „Das ist eine phänomenale Karriere. Es ist beeindruckend, aus der Kommunalpolitik in so eine Position zu kommen. Aber nicht überraschend, wenn man ihn kennt.“ Einer, der Frei sehr gut kennt und viele Jahre mit ihm zusammengearbeitet hat, ist Bernhard Kaiser. 36 Jahre lang war Kaiser Bürgermeister von Donaueschingen, auch unter dem damaligen Oberbürgermeister Frei: „Ich freue mich für ihn. Es ist ein Resultat seiner hervorragenden politischen Arbeit, seit er in Berlin ist.“
Die Position des Kanzleramtsministers sei immens wichtig für Deutschland. „Ich bin mir sicher, dass er der richtige Mann an der richtigen Stelle ist“, erklärt Bernhard Kaiser. Überraschend kommt Freis Aufstieg in die Bundespolitik auch für seinen alten Weggefährten nicht. „Das war schnell zu spüren. Er hat sich mit unendlichem Einsatz für Donaueschingen eingebracht.“ Dieses Engagement, so Kaiser, zeige er nun auch in anderen Positionen. Und Kaiser dachte sich auch bereits, dass der Schritt in den Bundestag 2013 nicht der letzte in der Karriere von Thorsten Frei bleiben würde. „Mir war klar, dass er nicht nur Abgeordneter bleibt, sondern weiter wachsen wird.“
Auch Marcus Greiner, CDU-Fraktionssprecher im Gemeinderat, ist voller Lob für den neuen Kanzleramtschef: „Ich zweifle nicht daran, dass er der richtige Mann am richtigen Ort ist.“ Bereits in seiner Zeit als Oberbürgermeister sei Frei allseits beliebt gewesen. Greiner, der seinen Parteikollegen zwischen 2009 und 2013 im Gemeinderat erlebt hatte, hebt vor allem seine Geradlinigkeit hervor. Diese habe sich insbesondere in den finanziell schwierigen Jahren gezeigt, als Frei sofort erkannt habe, was nötig ist, wie Greiner betont. Dies könne angesichts des klammen Bundeshaushalts nur von Vorteil sein.
Als CDU-Mitglied hofft Marcus Greiner vor allem, dass Thorsten Frei möglichst viele Forderungen seiner Partei aus dem Wahlkampf umsetzen kann. „Es ist klar, dass er nicht alles umsetzen kann, was man sich wünscht. Aber eine Handschrift sollte schon erkennbar sein.“ Greiner sieht dem jedoch positiv entgegen: „Frei ist einer, der integrieren kann, der Probleme erkennt und widerstrebende Auffassungen zusammenbringen kann, aber trotzdem kommunikativ ist. Man muss lange suchen, um so jemanden zu finden.“
Auch Michael Blaurock, der als langjähriger Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Gemeinderat einige Bürgerentscheide gegen Frei geführt hat, freut sich für den ehemaligen OB. „Thorsten Frei ist sehr präzise, arbeitet sich schnell in Themen ein und auf seine Aussagen ist zu 100 Prozent Verlass.“ Er sei ein Homo politicus aus dem ländlichen Bereich, der sehr begabt sei.
Kritiker sehen Rechtsruck
Dennoch: Blaurock, der Freis Nominierung zum Bundestagskandidaten damals selbst beiwohnte, kritisiert den CDU-Mann auch. Er sieht bei Frei einen „Rechtsruck in den vergangenen zwei, drei Jahren“. Zu Beginn der neun Jahre, in denen die beiden zusammenarbeiteten, habe Blaurock Frei als jugendlichen OB erlebt, der Charme und Ausstrahlung hatte. „Diese Eigenschaften hat er noch heute.“ Schnell habe der CDU-Politiker die Führungsposition eingenommen und auch unpopuläre Entscheidungen getroffen. „Ich habe ihn immer als John Wayne beschrieben: Vorn auf dem Pferd mit der Trompete und der Fahne sitzend und dem Motto: Mir nach! Er hat die Bereitschaft, vorzugeben, wo es langgeht.“
Sein Weg nach Berlin
Thorsten Frei
Von Oktober 1973 an war Bernhard Everke Bürgermeister der Stadt Donaueschingen. Nach Erhebung zur Großen Kreisstadt 1993 wurde Everke zum Oberbürgermeister gewählt. 2004 trat er in den Ruhestand, Thorsten Frei folgte. Mit 56,7 Prozent der Erststimmen zog er dann 2013 in den Bundestag ein, wofür er sein Amt als Oberbürgermeister aufgab. Seinen Wohnsitz in Donaueschingen behielt er bei. Bei der Bundestagswahl 2017 erlangte Frei mit dem zweitbesten Stimmenergebnis in Baden-Württemberg erneut das Direktmandat im Wahlkreis Schwarzwald-Baar. Bei der Bundestagswahl 2021 erhielt Frei in seinem Wahlkreis erneut die meisten Erststimmen (36,4 Prozent) und damit wieder ein Direktmandat, ebenso bei der vergangenen Bundestagswahl: Mit 42,3 Prozent der Stimmen holte er sich das vierte Mal in Folge das Direktmandat.