Gestenreich und mit einer furiosen Klartext-Rede überzeugt CDU-Legende Günther Oettinger im ahg-Autohaus in Horb. Foto: Juergen Lueck

Der Ex-MP und EU-Kommissar Günther Oettinger spricht Klartext bei ahg in Horb. BMW sei seine viertliebste Automarke. Er sagt, wie er die letzte Merkel-Regierung findet und warum er Merz als nächsten Kanzler sieht.

Er gilt als der letzte legendäre CDU-Ministerpräsident des Landes: Günther Oettinger (69). Schnellsprecher und -denker. Und die CDU in Horb holt ihn als letzten Schub für den EU- und Kommunalwahlkampf ins Autohaus ahg.

 

CDU-Ortsverbands-Vorsitzender Gerhard Fassnacht, auch Präsident des hiesigen Bauernverbands, führt gut gelaunt vor gut 80 Zuhörern ein: „Die ahg ist aus der Baywa entstanden. Ich habe mehr zu Traktoren eine Beziehung.“

Oettinger verzichtet auf das Pult und aufs Mikro. Legt gleich los in seiner unnachahmlichen Art. Ein furioser Mix. Die Lokalen vor Ort einfangen. Deutliche Worte. Blick auf die Weltpolitik mit selbstironischen und scharfzüngigen Einordnungen, die an die Emotionen der Zuhörer appellieren.

Kommentar zu Xi Jinping

Günther Oettinger startet neben dem BMW-Roll-Up von ahg: „Ich erinnere mich noch, wie wir vor 20 Jahren über die Ortsumfahrung Horb geredet haben. Ich bin gerne bei BMW. Das ist meine viertliebste Marke – weit vor Tesla und BYD. Davor kommen Audi, Porsche und Mercedes.“

BYD – einer der chinesischen Autokonzerne, die (nicht nur) Europa erobern wollen. Oettinger: „Der Autokrat Xi Jinping ist in Europa. Seine Mission: Divide und impera. Er will unsere Industrie, und wir gendern vor uns hin. Wir haben keine Strategie. Punkt. Niemand.“

Horbs OB Peter Rosenberger (CDU) kündigt in der Anmoderation mit Ortsverbands-Vorsitzenden Gerhard Fassnacht an, was im nächsten Gemeinderat auf der Tagesordnung steht: Wo kommt die Stadionsporthalle hin? Foto: Jürgen Lück/Juergen Lueck

Oettinger: „Eigentlich hilft nur noch Cannabis“

Er geht kurz auf den CDU-Parteitag ein: „Ich war nicht da. Ich muss ja arbeiten. Merz wird Kanzler. Mit zwei glänzenden Türmen auf dem Schachbrett: Carsten Linnemann und Thorsten Frei. Habeck ist am Ende, Linnemann kommt. Seid dankbar dafür.“

Warum der Wechsel so wichtig ist, fasst Oettinger kurz und knapp zusammen: „Deutschland ist wirtschaftlich am Abstieg. Wo es im Kampf der Systeme weltweit auf Stärke ankommt. Wir sind gepampert.“

Dann ein Schwenk in die Innenpolitik. Oettinger sagt: „Die Demokratie ist in Gefahr, schaut man sich die Umfrage zu den Landtagswahlen im Osten an. Eigentlich hilft da nur noch Cannabis. Ein paar Pflänzchen auf dem Balkon.“ Macht blitzschnell die Rauch-Geste. Gelächter unter den Zuhörern.

Die FDP sei auch keine Lösung. Oettinger meint: „Lindner ist eine One-Man-Show. Mein Freund Michael Theurer geht jetzt auch noch zur Bundesbank. Er war noch der beste der Landes-FDP.“

Nach der Furios-Rede: Günther Oettinger philosophiert kurz mit ahg-Autohaus-Chef Bernd Gall und Mahir Savranlioglu (Ex-Stuttgarter Kickers) über Rote und Blaue. Oettinger: „Ich war immer VfB – doch der verstorbene Kickers-Präsident Dünnwald-Metzler war mein Freund.“ Foto: Jürgen Lück

Derzeit werden die Bürger ärmer

Es muss endlich besser regiert werden, fordert der Ex-MP: „Die letzte Merkel-Regierung war mäßig gut. Die jetzige Regierung ist die Schlechteste. Wo wir im Kampf der Systeme leben, wo die Industrie in Teilen geht und Wohlstandsverluste drohen. Die Menschen merken das. Der Deutsche Bank-Chef hat mir anonymisiert seine Bankkunden vorgestellt. 60 Prozent können seit zwei Jahren nicht mehr ansparen. Die Hälfte davon brauchen auch noch das Sparbuch für die Ausgaben. Derzeit werden wir ärmer.“

Dann fährt Oettinger die nächste, deutliche Attacke: „Unsere Migration wird gesteuert von Verbrechern wie Erdogan oder Lukaschenko (Präsident von Belarus, d. Red.).“

Doch warum steht der Dax so hoch? Oettinger sagt: „Die Gewinne der DAX-Unternehmen werden nicht in Stuttgart oder Wolfsburg gemacht, sondern in Übersee. Wenn man dann glaubt, es gibt ein Recht auf Home-Office, eine vier-Tage-Woche. Geht’s eigentlich noch? Wo ist Eure Reaktion? Ihr nehmt das resigniert fröhlich zur Kenntnis!“

Unter den Zuhörern: Freudenstadts Noch-OB Julian Osswald und Thilo Schreiber, Ex-Bürgermeister von Weil der Stadt. Foto: Jürgen Lück

Deutschlands liebster Vierbeiner ist die Couch

Doch Oettinger legt noch einen nach: „Des Deutschen liebster Vierbeiner ist die Couch. Fassnacht hat keine 40 Stunden-Woche – er steht im Stall oder ackert auf dem Feld.“

Der Abstieg Deutschlands – für Oettinger braucht es eine neue „Agenda 2030.“ Klimaschutz und Wirtschaft müssen neu aufgestellt werden. Oettinger sagt: „Von der Leyen schätze ich eingeschränkt sehr.“ Gelächter.

Oettinger weiter: „Es war der übertriebene Green Deal der EU. Wir alle haben auf die grünen Schwiegertöchter Rücksicht genommen und nicht protestiert.“ Schmunzeln.

„Wollen wir Industrieland bleiben?“

Oettinger fordert das Aus des Verbrennerverbots: „Wir brauchen die E-Fuels – so helfen wir dem Klima und unserer Industrie. Nicht mit All-Electric. Wir müssen entscheiden: Wollen wir Industrieland bleiben? Wollen wir uns unseren Vorsprung durch Technik erhalten? Wollen wir unseren Kindern gerecht werden? Unseren Standort so aufstellen für die nächsten Jahrzehnte, das Investitionen zu uns kommen?“

Zum Schluss verteidigt er noch den CDU-Beschluss, die Wehrpflicht wieder einzuführen: „Du brauchst Männer und Frauen an den Waffen. Damit sich der Drecksack Putin nicht traut, Europa und Deutschland anzugreifen.“

Eine furiose Rede. Definitiv der richtige Motivationsschub für die CDU und deren Wähler. Oettinger ist nicht nur Legende, sondern steht auch für Attacke.