Spricht auch mit den Händen: Körpersprachefachmann Thorsten Havener Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Erst war er Zauberer, dann Gedankenleser. Neuerdings versucht er sich darin, die Körpersprache der Menschen zu lesen. Aber in erster Linie, sagt Thorsten Havener, sei er Unterhalter. Am Donnerstag, 14. Januar, tritt der Entertainer in der Liederhalle auf.

Stuttgart - Herr Havener, muss ich bei Ihnen als Gedankenleser meine Fragen überhaupt stellen? Sie kennen Sie ja eh schon.
Es ist sehr viel einfacher, wenn wir miteinander reden.
Kein origineller Einstieg?
Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich das schon recht häufig gehört.
Sind Sie beleidigt, wenn man Sie als Zauberer bezeichnet?
Nö, wieso denn? Zaubern ist was Tolles. Da komm ich her. Zaubern ist immer noch Bestandteil meiner Show, wenn auch die Zauberei eine untergeordnete Rolle spielt.
Zaubern gehört zum Bühnenhandwerk?
Absolut. Was ich heute mache, wäre unmöglich, wenn ich nicht jahrzehntelang als Zauberkünstler gearbeitet hätte.
Würden Sie mir Ihre Handynummer geben?
Nein, warum?
Weil ich gehört habe, Sie könnten Geheimnummern erraten. Ich vergesse meine oft. Dann könnte ich Sie anrufen.
Ich könnte Ihnen beibringen, wie Sie sich die Nummern merken können. Da gibt es Methoden, die erkläre ich Ihnen in zwei Minuten – und Sie vergessen die Nummern nie wieder.
Als was würden Sie sich heute bezeichnen?
Als Unterhalter. Ich sehe mich da in einer großen Tradition. Wir haben entweder in Deutschland Comedians oder Musiker. ­Dazwischen gibt es nicht viel. Das Publikum lacht bei mir, aber ich bin kein Comedian. Natürlich arbeite ich auch mit Illusionen, aber ich bin kein klassischer Zauberer. Ich mag diese Schubladen nicht.

„Comedian oder Musiker? Ich mag diese Schubladen nicht.“

Als was würden Sie sich heute bezeichnen?
Als Unterhalter. Ich sehe mich da in einer großen Tradition, die wir in Deutschland leider kaum noch haben. Wir haben Comedians oder Musiker. Dazwischen gibt es nicht viel. Das Publikum lacht bei mir viel, aber ich bin kein Comedian. Natürlich arbeite ich auch mit Illusionen, aber ich bin kein Zauberer. Ich mag diese Schubladen nicht.

Sind Sie Menschenverblüffer?

Ja, das ist der Kern. Darum geht es mir. Wir lassen uns viel zu wenig verblüffen. Schauen Sie: Wir können etwa von jedem Punkt der Erde aus sämtliche Informationen abrufen, die wir brauchen. Das heißt, wir sind umgeben von Dingen, die unglaublich sind, realisieren das aber gar nicht mehr. Da geht die Fähigkeit zum Staunen verloren. Deshalb finde ich, es ist eine schöne Form der Unterhaltung, Menschen dazu zu bringen, dass sie hinterher sagen: „War das jetzt echt? Oder war das ein Trick?“
Eines Ihrer Bücher heißt „Ich weiß, was Du denkst“. Ist das überhaupt erstrebenswert?
Kommt auf die Situation an. Es geht mir darum, wie ich herausfinden kann, was einer denkt. Und darum, wie ich meine eigenen Gedanken in die richtige Richtung lenken kann. In meinem neuen Buch „Ohne Worte“ und in meiner Show geht es mehr um Körpersprache. Also darum, wie sich meine Gedanken auf meine Körpersprache auswirken. Noch viel spannender ist: Wie wirkt sich meine Körpersprache auf das aus, was ich denke?

„Mit motivieren habe ich ein Problem“

Wie darf man sich das in der Show vorstellen?
Wenn ich herausfinde, wo jemand aus dem Publikum eine Stecknadel versteckt hat, gelingt mir das über Körpersprache, da steckt kein Zaubertrick dahinter. Ich muss mich dabei konzentrieren. Und ich brauche dazu die Konzentration eines Zuschauers, wenn der sich nicht konzentrieren kann, funktioniert es nicht. Auch das ist für mich Gedankenlesen. Näher als das kommen wir nicht ran. Ich will den Leuten zeigen: Schau mal, in euren Gedanken ist echt Wucht drin.
Also sind sie eine Art Motivator?
Mit motivieren habe ich ein Problem. Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Augenarzt und können die Buchstaben auf einer Tafel nicht erkennen. Der Arzt sagt: „Du kannst das. Du musst es nur wollen.“ Das ist natürlich Quatsch, Sie brauchen eine Brille. Wenn jemand etwas kann, er aber keine Lust dazu hat, kann ich ihn motivieren. Aber nicht, wenn er es nicht kann.
Sie gaben schon Seminare für Wirtschaftsführer, in denen Sie denen erklärten, wie man Menschen manipuliert.
Ich habe nicht Leuten beigebracht, wie man andere Leute beeinflusst, was ein besseres Wort wäre für Motivation. In diesen Tagesseminaren, die ich seit Jahren nicht mehr mache, habe ich gezeigt, wie man sich besser vor Leuten präsentiert. Ich habe dabei meine Erfahrung als Zauberkünstler eingebracht. Es ging etwa um die Frage: Wie kann ich gut vor Leuten stehen, obwohl es mir privat gerade gar nicht so gut geht?

„Sie wissen, wie man auf nette Art Gäste rausschmeißt?“

Was erwartet Ihr Publikum bei der Show?
Ich will natürlich nicht zu viel verraten. Ganz grob geht um gute Laune und darum, den Menschen Dinge zu zeigen, die sie vorher so noch nicht gesehen haben. Mein großes Thema ist wie gesagt die Körpersprache. Es geht etwa darum: Was kann ich beim ersten Date richtig machen, was falsch? Aber das Ganze ist kein Seminar, sondern eine Unterhaltungsshow.
Stimmt es, dass Sie wissen, wie man auf nette Art Gäste rausschmeißt?
Das Prinzip ist, dass Sie Ihr Gegenüber dazu bringen, nein zu denken. Wenn er nein denkt, sagt er kaum ja. Das ist gar nicht so kompliziert, wie man gemeinhin denkt. Es kommt nur auf die richtig Wortwahl an.
Im Schwäbischen würde man sagen: „Gell, ihr wellat jetzt hoim?“
Wenn es funktioniert, ist es okay. Aber noch besser ist es, wenn der andere nicht merkt, wie Sie es gemacht haben. Ich würde also fragen: „Wollen Sie noch was trinken, oder?“ Wenn Sie nein denken, ist die Wahrscheinlich groß, dass Sie auch nein sagen.
Ihr Stuttgarter Magier-Kollege Topas hat mal gesagt, Zauberer seien eigentlich Autisten.
Da ist was dran. Ich kenne keinen Zauberer, der Mannschaftssportler ist. Das sind alles Leute, die viel Zeit mit sich verbringen – bis ein Trick klappt. Aber dann müssen sie vor Publikum auftreten. Musik kannst du für dich machen, als Zauberer brauchst du Menschen, die du verblüffen kannst.
Mit seiner Show „Der Körpersprache-Code“ tritt Thorsten Havener am 14. Januar, 20 Uhr, in der Liederhalle auf.

Zur Person:

1972 in Saarbrücken geboren. Studiert Sprachwissenschaften in Saarbrücken und Monterey/Kalifornien, Abschluss als Übersetzer in Englisch und Französisch. 1986 erster Auftritt als Zauberer. Wendet sich 2001 von der Zauberei ab und beschäftigt sich mit Gedankenlesen und ­Hypnose. Bekommt auf Sat  1 eigene Show, „Der Gedankenleser – ein Mann sieht alles“.

Thorsten Havener ist auch als Autor ­erfolgreich. Bücher wie „Ich weiß, was Du denkst“ (2009) oder „Ohne Worte. Was andere über dich denken“ (2014) landen auf den Bestsellerlisten.

Derzeit ist Thorsten Havener mit seinem Programm „Der Körpersprache-Code“ auf Tournee. Es lebt mit seiner Familie in der Nähe von München. (StN)