Seit dieser Saison spielt Christian Gentner für den Schweizer Erstligisten FC Luzern. Zwar läuft es sportlich noch nicht nach Plan – doch der ehemalige VfB-Kapitän schmiedet bereits Pläne für die Zukunft.
Luzern/Stuttgart - Er ist noch immer bis in die letzte Faser seines Körpers austrainiert. Doch irgendetwas ist anders bei Christian Gentner, dem langjährigen Kapitän des VfB Stuttgart, der nach zwei Jahren Bundesliga beim 1. FC Union Berlin nun in der Schweizer Super League sein Glück gefunden hat. Der Mann, der in seinen 373 Pflichtspielen für den VfB vor allem in der Schlussphase so oft den Mangel zu verwalten hatte, der als Spielführer den Reportern sportliche Missstände beim Absteiger von 2016 und 2019 erklären musste, die eigentlich nicht mehr wegzumoderieren waren, er ist im Gespräch viel offener geworden.
„Ich bin mit dem Wechsel in die Schweiz bewusst ein wenig aus dem öffentlichen Fokus rausgegangen. Privat weiß ich das sehr zu schätzen“, sagt Christian Gentner, der seit dem Sommer beim FC Luzern unter Vertrag steht. Zwar haben sie es beim Schweizer Pokalsieger noch nicht geschafft, die Euphorie der Vorsaison mitzunehmen, denn nach einem Viertel der Saison wartet das Team vom Vierwaldstättersee bei fünf Unentschieden und vier Niederlagen noch immer auf den ersten Saisonsieg – aber Christian Gentner genießt seine neue Rolle dennoch. Denn neben dem Fußball ist jetzt auch mehr Zeit für die Familie angesagt.
Zwei tolle Jahre bei den Eisernen
„Ich hatte zwei sportlich tolle Jahre bei Union, die ich in Berlin aber getrennt von der Familie verbracht habe. Meine Frau und die Kinder haben in Nürtingen gelebt, wo wir zu der Zeit ein Haus gebaut haben“, erzählt Gentner: „Diese Trennung wurde in der Corona-Hochphase ziemlich zäh, weil irgendwann kein Flieger mehr nach Stuttgart ging.“
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Während Corona hat der zweifache Familienvater daher sehr viele Kilometer auf der Autobahn verbracht. „Für einen Sportler ist das schon allein wegen der Regeneration schwierig“, sagt Gentner: „Deshalb wollten wir als Familie etwas Neues machen.“ Auch ein Engagement in den USA hätte sich der 36-Jährige vorstellen können. Doch da lagen die formellen Hürden in der Pandemie nach dem Geschmack der vier Gentners zu hoch.
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„Luzern bietet eine malerische Kulisse. Wir hatten hier ein paar schöne Spätsommertage. Da war ich mit der Familie auch in den Bergen – das ist einfach traumhaft“, erzählt Gentner, der neben dem aktiven Fußball auch den neu geschaffenen Kurs „Führungskräfte im Profifußball“ des DFB besucht. „Der Kurs bietet mir auch eine Orientierung, wo ich mich einmal im Profifußball wiederfinden könnte“, sagt Gentner, der so erste Einblicke ins Fußballmanagement gewinnt: „Ich will mich da aber noch nicht festlegen – und möchte auch nicht ausschließen, dass ich mal etwas in Richtung Trainer mache.“
Den VfB behält Gentner im Auge
Sportlich will Gentner mit dem FC Luzern noch zulegen: „Wir haben zu Beginn ein wenig wild gespielt. Die Balance im Team hat gefehlt. Aber wir haben klar den Ehrgeiz, am Saisonende deutlich besser dazustehen“, sagt der Mittelfeld-Dauerläufer, der von der Schweiz aus natürlich auch den VfB im Auge behält. „Sie haben sich trotz des finanziellen Sparkurses gut stabilisiert. Ich gehe davon aus, dass der VfB souverän die Klasse halten wird“, sagt Gentner – und ergänzt: „Ich finde es sympathisch, wenn man den Weg mit jungen Spielern geht. Noch schöner wäre es natürlich, wenn mehr eigene Talente den Sprung zu den Profis schaffen würden.“