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Ex-Junkie packt aus So schlimm ist die Drogenszene in Horb

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Die Bahnhofsgegend ist ein Treffpunkt für Drogenkosumenten. Foto: Hopp

Horb/Rottenburg - "Ich bin weg von Horb. Das ist meine Rettung." Das sagt ein heute 26-Jähriger, der schon mit 15 in die lokale Drogenszene geschlittert ist. Und er sagt: "Horb ist ein hartes Pflaster." Nicht nur am Bahnhofsvorplatz werde gedealt und konsumiert. Lesen Sie mehr in unserem (SB+) Beitrag.

Sie nennen sich zum Beispiel "Gang 72". Die Szene in Horb. Meistens Jungs, die mit 15 da reingeraten. Brennende Stadtdekoration, Randale-Nächte, Prügeleien, die Drogenbande im Keller auf dem Haugenstein und der Umschlagplatz am Heizkraftwerk dort. Fälle, die schon ans Tageslicht gekommen sind.

Doch was geht in der Szene von Horb wirklich ab?

Der Schwarzwälder Bote hat einen Aussteiger getroffen. Nennen wir ihn Karsten K. (26, Name geändert). Geboren in Horb. Am Dienstag war er wegen einer Kneipenschlägerei vor dem Amtsgericht Horb angeklagt.

Er sagt: "Ich bin nach dem Gefängnis im April 2019 wieder zu meinen Eltern nach Rottenburg gezogen. Da ging es wieder los mit den Drogen. Auf der Straße hat es wieder angefangen. Da heißt es dann: "Du bist wieder da. Ich konnte nicht nein sagen!"

"Rottenburg heißt Drogenburg"

Und damit führte ihn der Weg direkt wieder nach Horb. Karsten K.: "Rottenburg heißt in der Szene inzwischen Drogenburg. Die versorgen inzwischen Horb. Damit schwappt das Meiste rüber nach Horb. Klar, dass ich auch jahrelang in der Horber Szene war. Jeder Junge ab 15 Jahren ist da drin. Spätestens nach ein paar Tagen bekommst du dann auch Drogen angeboten. Die Szene hier in Horb ist stolz auf ihren Ruf. Das Motto: Keiner fickt Horb! Das ist schon ein hartes Pflaster."

Doch warum gerade im beschaulichen Horb?

Karsten: "Das liegt einmal am Sozialviertel mit den Russen (gemeint: Haugenstein, d. Red.). Dazu wird für die Jugend absolut nichts geboten – seit Jahren. Hier gibt es als Einziges das Bowling-Center. Und wer geht schon mit 15 ins Jugendhaus? Und die Streetworker kommen auch nur am Bahnhofsvorplatz angelascht. Fragen dich, wie es geht. Und das war es dann. Und das führt dazu, dass es in der Szene richtig abgeht. Inzwischen ist die Kaserne der neue Treffpunkt. Klar: Die Polizisten sind ja meistens am Bahnhofsvorplatz unterwegs."

Karsten K., der nach mehreren Gefängnisaufenthalten inzwischen einen Ausbildungsvertrag hat und eine Freundin, sagt: "Ich bin weg von Horb. Das ist meine Rettung."

Und er sagt Richter Albrecht Trick: "Einem Stadtverbot für Horb würde ich zustimmen. Ich will mich der Szene nicht mehr nähern."

"Morgens am Bahnhof auf Szene gewartet"

Der Aussteiger weiter: "Seit zehn Monaten war ich nicht mehr in Horb. Das bringt mich nur in die Scheiße. Ich stand morgens um 8 Uhr am Bahnhof und habe auf Kollegen gewartet. Das war kein Leben, kein Tagesablauf."

Und was hat der Aussteiger in der Horber Szene so an Drogen konsumiert?

Karsten K. sagt vor Gericht: "Inzwischen habe ich mit Kokain und Pep (Amphetamin) und den anderen Drogen aufgehört. Nur mit Marihuana bin ich noch dran – das nehme ich nur noch gelegentlich am Wochenende. Doch ich werde jetzt eine Drogentherapie beginnen!"

Der Aussteiger. Er bereut sichtlich seine bisherige kriminelle Karriere. Dazu zählen Verurteilungen wegen Vergewaltigung, Körperverletzung, Leistungserschleichung, Diebstahl und Körperverletzung.

"Kokain, Pep und andere Drogen"

Jetzt steht Karsten K. wegen einer Kneipenschlägerei vor Gericht. Am 23. Februar 2020 hatte er vor dem Hirsch in Waldachtal den 56-jährigen Bernd B. (Name geändert) niedergeschlagen. Der Aussteiger – er gibt gleich alles zu. Sagt: "Ich war mit Kumpels unterwegs. Die wollten dort was mit Rollo klären. Als wir ankamen, machte der Hirsch gerade zu. Bernd stand davor und sagte: "Verpiss dich. Rollo ist seit einer dreiviertel Stunde weg." Da hab ich ihm ins Gesicht geschlagen. Und noch ein paar mal mehr." Getreten haben will Karsten den am Boden liegenden B. nicht: "Ich trete keinen, der am Boden liegt. Ich war schon vor Gericht und weiß seitdem: Tritte bringen eine viel höhere Anzeige."

Und was sagt Bernd B.? Das Opfer: "Er gab mir Schlag um Schlag. Als ich am Boden war, gab es wohl auch einen Tritt. Das kann ich aber nicht beschwören."

Täter-Opfer-Ausgleich hat stattgefunden

Auf Nachfrage von Richter Trick sagt das Opfer: "Ich lag am Boden, habe mich geschützt. Ob es Tritte waren, weiß ich nicht. Es können auch Schläge gewesen sein. Es war so dumpf."

Anhand der ärztlichen Diagnose des Opfers waren ein Nasenbeinbruch und Schlagspuren im Gesicht eindeutig. An Armen und Beinen gab es keinerlei Prellmarken, die von Tritten stammen können, betont Verteidiger Dieter Schnabel.

Karsten K. hat auch schon dem Opfer 1000 Euro Schmerzensgeld angeboten und 500 Euro bezahlt. Der Angeklagte: "Ich will mich bei dir entschuldigen. Mein Vater hat mir immer beigebracht, Respekt vor den Alten zu haben. Sorry."

Das Opfer sagt: "Ich nehme die Entschuldigung an."

Richter Trick gibt noch den rechtlichen Hinweis, dass ein Täter-Opfer-Ausgleich stattgefunden hat.

Der Staatsanwalt fordert dann sieben Monate auf Bewährung. Und schlägt eine Zahlung von 720 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung vor.

Die letzte Chance: der Ausbildungsvertrag

K.s Verteidiger Schnabel plädiert auf zwei Monate: "Für mich ist die Tat ein pubertäres Gehabe. Er wollte sich Großmachen vor den Kumpels. Mein Mandant ist in sofern ein Phänomen, dass er sich nicht um Halbstrafen bemüht hat, sondern die Endstrafen im Gefängnis abgesessen und verbüßt hat. Das hat offenbar gut getan, denn seitdem haben sich seine Lebensverhältnisse geändert."

Dann hat der Angeklagte das letzte Wort: "Für jemanden wie mich mit meinen Vorstrafen ist ein Ausbildungsvertrag die letzte Chance. Die muss und werde ich jetzt nutzen."

Dann spricht Richter Trick das Urteil: Drei Monate auf Bewährung. Trick: "Der Angeklagte hat die Zeit genutzt, sich am Riemen gerissen und ist dabei, sich ein neues Leben aufzubauen nach einem langen Vollzug. Weiter so. Und denken Sie daran, wir können auch anders. Sie sind eingefahren, Sie kennen die ganze Bandbreite!"

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