Nach einer bewegten Laufbahn als Spitzensportlerin im Springen und in der Nordischen Kombination beendet Svenja Würth ihre Karriere. Nun ist sie auf neuen beruflichen Wegen.
Svenja Würth war jahrelang – erst als Skispringerin dann als Nordische Kombiniererin – erfolgreich. Die Sportlerin des SV Baiersbronn beendete im Frühjahr ihre Karriere. Derzeit ist die 32-Jährige mitten drin im Studentenalltag. Doch dem nordischen Skisport ist sie noch immer verbunden – als Zuschauerin, aber aktuell zum Beispiel auch als Betreuerin.
Wie sieht Ihr berufliches Leben nach ihrem Karriereende aus?
Seit April befinde ich mich über die Bundespolizei in einem polizeilichen Aufstiegsstudium mit Fokus auf Kriminal- und Rechtswissenschaften. Aktuell bin ich im zweiten Semester an einer Hochschule in Wiesbaden. Anfangs stand schon sehr viel Hörsaal und Lernen auf dem Programm, aber so langsam wird es auch immer praktischer. Insgesamt ist es aber echt spannend, viele nette Leute um mich herum, ich bin sehr zufrieden damit.
Was steht bei Ihnen derzeit sonst an?
Ich habe jetzt die letzte Prüfung vor Weihnachten geschrieben und werde am Wochenende als Betreuerin mit den Sportlerinnen aus der Zweiten Mannschaft zum Alpencup nach Seefeld fahren. Dort darf ich den Trainer Björn Kircheneisen etwas unterstützen und kann dem Nachwuchs hoffentlich ein paar Tipps geben. Ich freue mich, soweit es die Zeit zulässt, im Sport mal eine andere Perspektive einzunehmen.
Nicht mehr der ständige Leistungsdruck
Vermissen Sie die Wettkämpfe beziehungsweise den professionellen Leistungssport?
Ein Stück weit schon. Sport war bisher mein Leben. Es war sehr ungewohnt, zu Beginn des Studiums Sport zu machen, ohne einen Trainingsplan zu haben, ohne Trainingsprogramme und ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen, auf das man hintrainiert. Aber ich habe mich daran gewöhnt. Ich versuche mich nach wie vor sportlich viel zu betätigen und genieße auch den ein oder anderen Vorteil. Man hat den ständigen Leistungsdruck nicht mehr. Ich mache einfach immer das an Sport, auf das ich gerade Lust habe und bei schlechtem Wetter, gerade um die Jahreszeit, bin ich ab und zu schon auch froh, einfach mal drinnen im Warmen bleiben zu können.
Wie haben den Start Ihres ehemaligen Teams verfolgt?
Da war ich gerade am Lernen für eine Prüfung. Das Tablet stand mit Live Stream aber natürlich immer auf dem Schreibtisch. Ich habe nach wie vor Kontakt zu meinen ehemaligen Teamkolleginnen und verfolge natürlich alles und drücke ihnen die Daumen.
Wie nehmen Sie die Entwicklung der Kombiniererinnen wahr?
Ich glaube man hat auch im Trondheim wieder gesehen, dass das Niveau weiter steigt. Zudem gibt es vorne wieder ein paar Überraschungen und noch mehr Athletinnen, die um die vorderen Plätze kämpfen. Ich denke, es tut der Sportart insgesamt gut, dass die Wettkämpfe bis zum Ende spannend waren, es wieder neue Gesichter und noch mehr Nationenvielfalt auf dem Podium gab.
In der Sportart einiges getan
Während die Männer im nächsten Jahr in Italien bei den Olympischen Spielen antreten, müssen die Frauen das Ganze vom Fernseher aus verfolgen. Glauben Sie, die Nordische Kombination der Frauen wird jemals Olympisch?
Ja, es wird höchste Zeit, dass den Kombiniererinnen diese Plattform gegeben wird. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Entscheidung wieder schlecht ausgeht. Die letzten Jahre hat sich in dieser Sportart einiges getan, ich hoffe, das wird von den Verantwortlichen gesehen und auch endlich belohnt.
Ein paar Worte zu Nathalie Armbruster, Ihrer früheren Teamkollegin. Was trauen Sie ihr für ihre Karriere noch zu?
Ich denke, wenn die Olympische Entscheidung zugunsten der Kombiniererinnen ausgeht, kann sie in Zukunft noch viele große Erfolge feiern und mit Sicherheit noch die ein oder andere Medaille bei Großereignissen sammeln. Sie ist unglaublich konstant und auch in diesem Jahr wieder ganz vorne dabei. Ich bin mir sicher, dass sie sich dort weiterhin festsetzen kann und wahrscheinlich in jedem Wettkampf ums Podest mitkämpft. Ihre Beständigkeit ist sehr beeindruckend.
Halswirbelbruch und Kreuzbandriss
Wenn Sie auf Ihre eigene Karriere zurückblicken, wie zufrieden sind Sie?
Sehr zufrieden. Ich habe alles gegeben und auch viel für den Sport geopfert und untergeordnet. Ich denke ich habe das Maximum herausgeholt. Gerade die schweren Verletzungen mit Halswirbelbruch und Kreuzbandriss haben mich leider immer wieder weit zurückgeworfen. Während der Karriere ist man sehr perfektionistisch und gibt sich selten zufrieden, weil es immer etwas gibt, das man noch besser machen kann. Wenn man mit etwas Abstand aber zurückblickt, wird einem manchmal erst bewusst, was man tatsächlich alles erreicht hat. Vor allem habe ich viel gelernt und viel erlebt, das mich geprägt hat und mir auch jetzt nach dem Sport sehr weiterhilft. Der Leistungssport ist schon eine gute Schule fürs Leben.
Gibt es etwas, das Sie anders machen würden?
Darüber denke ich sehr selten nach. Spontan fällt mir keine Entscheidung ein, die ich im Nachhinein bereut habe. Ich hatte im Leistungssport eine unglaublich schöne Zeit. Ich durfte viele tolle Leute kennenlernen, habe viel von der Welt gesehen, Erfolge gefeiert und aus Rückschlägen gelernt. Auch jetzt nach der sportlichen Karriere habe ich bei der Polizei einen super Weg gefunden und ein stabiles Standbein, das neue Herausforderungen für mich bereithält – darauf freue ich mich.