Colin Pöstgens (links), Mitorganisator der Cargobike Roadshow, animiert Bürgermeister Detlev Bührer (Mitte) und den Mobilitätsbeauftragten der Stadt VS, Ansgar Kundinger, zum Probefahren der Lastenräder, die auf dem Marktplatz gezeigt werden. Foto: Kratt

Veranstaltung: Cargobike-Roadshow zeigt Lastenräder-Vielfalt als Trend zur umweltfreundlichen Mobilität

Radfahren macht Spaß ­– so lautete am Donnerstag die Devise auf dem Marktplatz. Dort wurde aber nicht mit jedem beliebigen Rad gefahren, sondern mit dem Lastenrad, das im Rahmen der Cargobike- Roadshow vorgestellt und fleißig getestet wurde.

VS-Schwenningen. Das Thema autofreie und klimaneutrale Mobilität – egal ob mit Elektromotor oder ohne – ist derzeit in aller Munde, und so war es für die Stadt VS keine Frage, sich um die Teilnahme bei der vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg geförderten Cargobike-Road-show der Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen (AGFK-BW) zu bewerben.

Mobilitätsbeauftragter holt noch andere Teilnehmer mit ins Boot

"Wir sind froh, dass wir den Zuschlag bekommen haben", sagt Bürgermeister Detlev Bührer, der sich am Donnerstagnachmittag einen Eindruck von der gut besuchten Veranstaltung rund um das Lastenrad, genannt Cargobike, machte. Die Organisation lag nämlich im Zuständigkeitsbereich seines Dezernats: Ansgar Kundinger, Mobilitätsbeauftragter der Stadt und beim Grünflächen- und Tiefbauamt (GuT) angestellt, hatte neben dem Roadshow-Team noch weitere Teilnehmer gewinnen können. So war auch der Rad-Check der Initiative RadKultur ebenso vertreten wie die Polizei, die zur präventiven Beratung vor Ort war.

Im Rahmen der Roadshow, die in diesem Jahr Halt in 35 Kommunen, 14 davon in Baden-Württemberg, macht, wurden zwölf Lastenrad-Modelle präsentiert und zum Probefahren bereitgestellt. "Es ist ein guter Gesamtüberblick für Interessierte, weil hier eigentlich alles vertreten ist", findet Bührer.

Und das genau ist die Intention des Projektes, das von vier radbegeisterten Machern 2016 ins Leben gerufen wurde: "Wir stehen unabhängig und neutral für die Beratung zur Verfügung, um den potenziellen Käufern einen barrierefreien Zugang zu gewähren. Ein einzelnes Geschäft kann das gesamte Cargobike-Portfolio gar nicht abdecken", erklärt Mitbegründer und Projektleiter Colin Pöstgens. Der Bezug zum lokalen Fachhandel sollte mit dem Villinger Fahrradhändler Tour dennoch hergestellt werden.

Warum boomt das Lastenrad eigentlich gerade? "Weil die Städte immer voller werden", meint Colin Pöstgens, daher finde auch in den Köpfen der Menschen ein Umdenken statt. Er stellt zwar sofort klar: "Nicht jeder braucht ein Lastenrad", nennt aber gleichzeitig die Vorteile dieses Fortbewegungstrends, der vor allem bei jungen Familien und auch bei Gewerbetreibenden gut ankommt. Denn hier finden nicht nur – mit entsprechender Sicherung – Kinder, sondern auch Gepäck und Lasten jeglicher Art Platz.

Im Gegensatz zum bekannten Anhängersystem hätten die Kinder den besseren Blick nach vorne, und das Fahrrad sei direkt für diesen Transport ausgerichtet und gebaut worden. Pöstgens zeigt die unterschiedlichen Modelle, die überwiegend mit Elektromotor ausgestattet sind: Da ist das Urlastenrad Christiana und seine Weiterentwicklung mit mehr Fahrkomfort, da ist die Radkutsche Rapid aus dem schwäbischen Mössingen, da ist ein weiteres Lastenrad aus Österreich, das von der belgischen Post eingesetzt wird.

Für Warenauslieferungen sowie Kinder-Bringdienste perfekt geeignet

Auch in Villingen-Schwenningen ist das Cargobike schon fleißig im Einsatz: Sowohl das Amt für Gebäudewirtschaft und Hochbau (GHO) als auch die Technischen Dienste (TDVS) sind damit ausgestattet, weiß Ansgar Kundinger, der überzeugt davon ist, dass das Fortbewegungsmittel in der Doppelstadt auch künftig noch mehr benutzt wird. "In VS könnte man vieles gut damit erledigen", sagt er nicht nur im Hinblick auf Warenauslieferungen und natürlich auf Kindergarten-Bringdienste, um die klassischen Elterntaxis zu reduzieren. Und genau das wünscht sich auch der Bürgermeister: Bei den drei Säulen ÖPNV, Radverkehr und motorisierter Individualverkehr wolle man immer weiter weg vom Autofahren kommen. Der permanente Ausbau des Radwegenetzes sei dafür unentbehrlich.

Wer bei der Roadshow keine Gelegenheit hatte, ein Cargobike zu testen, hat über den Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Schwarzwald-Baar, der ebenso vor Ort war, stets die Möglichkeit dazu: Seit drei Jahren gibt es laut Wolfram Fackler sowohl in Villingen als auch in Schwenningen jeweils ein Lastenrad kostenlos im Verleih.