Stein für Stein nimmt ein Bauwerk bei den Lego-Tagen im evangelischen Gemeindehaus in Winterlingen Gestalt an. Die Kinder arbeiten dabei zusammen und tauschen sich aus. Foto: Kuster

In zwei Tagen eine ganze Stadt entstehen lassen? Was augenscheinlich unrealistisch klingt, wurde bei den Lego-Tagen im evangelischen Gemeindehaus mit Jörg Bartoß – und Kindern und Jugendlichen als „Baumeister“ – von Freitag an Realität.

Im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Winterlingen herrschte am vergangenen Freitag reges Treiben, denn: Am Wochenende standen die Lego-Tage mit dem Evangelisten und Spielpädagogen Jörg Bartoß ins Haus. Kinder und Jugendliche standen grüppchenweise um mehrere Tische und diskutieren, was wie gebaut werden soll. „Das darfst du da nicht hinbauen“, sagt ein Mädchen zu einem anderen. „Sonst kommt man ja gar nicht mehr zum Eingang!“ Zu viert bauten sie ein Schloss.

 

„Das Ziel ist, dass die Kinder am Ende eine ganze Stadt aus Lego errichten“, erklärt Alina Rempp, Mitarbeiterin der evangelischen Kirchengemeinde. „Gleichzeitig sollen die Kinder so lernen, im Team zusammenzuarbeiten und gemeinsam Entscheidungen zu treffen.“ Das Programm sei dabei in mehrere Phasen unterteilt: In den Bauphasen erstellen die Kinder verschiedene Gebäude und andere Dinge, die ihnen einfallen. Zwischendurch werden Lieder gesungen, Spiele gespielt und etwas gegessen und getrunken.

Zwei Häuschen, die am Freitagnachmittag entstanden sind. Foto: Kuster

Die Kreativität der Kinder hat für Bartoß Vorrang

„Ich möchte die Kreativität der Kinder fördern. Das hat für mich Vorrang.“

Die Idee zu den Lego-Tagen kamen Bartoß während seines Theologiestudiums am Bibelseminar in Wuppertal: „Vor 25 Jahren habe ich zum ersten Mal die Projektidee gesehen und seitdem hat sie mich nie mehr losgelassen.“ Ein paar Jahre später setzte er die Idee in die Tat um und ist seit 15 Jahren mit einer eigenen Lego-Stadt unterwegs – und stolzer Besitzer von rund 25 000 Lego-Steinen und -Bauteilen.

Wohin die Reise in diesem Boot wohl gehen mag? Foto: Kuster

Bei den Lego-Tagen ist es Bartoß ganz wichtig, dass die Kinder absolut frei sind in dem, was sie wie bauen. „Ich möchte die Kreativität der Kinder fördern. Das hat für mich Vorrang“ Zudem sind der Kreativität der Kinder keine Grenzen gesetzt: So befindet sich unter den vielen kleinen Häuschen auch ein riesiges Aquarium, ein Geschäft für Autos – und sogar ein Vulkan. Aus diesem Grund finden sich auf den Tischen auch kistenweise Steine und Zubehör, wie zum Beispiel Fenster, und keine abgepackten Bausets.

Keine Lego-Stadt gleicht der anderen – seit zehn Jahren

Seit zehn Jahren hält Bartoß Lego-Tage ab – und jede Stadt sieht anders aus

„Solche Lego-Städte gibt es auch, aber das Konzept hat mir nicht so gut gefallen“, sagt Bartoß. Auch sein Stadtbrett ist flexibel gestaltet: Die Kinder können nach Belieben um eine der Bodenplatten bitten, um auf ihr etwas zu bauen. „Seit zehn Jahren veranstalte ich diese Lego-Tage und jedes Mal kommt eine eigene Stadt dabei heraus“, sagt Bartoß fasziniert.

Dieses elektrisch betriebene Riesenrad hat Jörg Bartoß für die Lego-Stadt selbst gebaut. Foto: Kuster

Eine Vorgabe gibt es jedoch: Die Stadt muss ein bewegliches oder mechanisches Bauwerk beinhalten. Weil dieses meist sehr komplex ist, baut das Bartoß vorab zusammen. Dieses Mal hat er ein elektrisch betriebenes Riesenrad gebaut. „Es macht mir selbst großen Spaß, immer wieder neue Sachen auszuprobieren“, sagt er. Zudem lässt er die Kinder am ersten Tag nur Gebäude bauen; Menschen, Tiere und Fahrzeuge kämen erst tags darauf. „Sonst konzentrieren sie sich nur noch darauf.“

Geschichten von, mit und über den großen Baumeister persönlich

In den „Baupausen“ spricht Jörg Bartoß über den „großen Baumeister“ Gott und erzählt den Teilnehmern die eine oder andere Baugeschichte aus der Bibel: Zum Beispiel die von Noah, als er seine Arche baut – weit entfernt von jedem Gewässer, worüber seine Zeitgenossen nur den Kopf schütteln können.

In der Bibel gibt es die eine oder andere Baugeschichte – zum Beispiel die über die Arche Noah. Foto: Kuster

Nach der Geschichte geht es zurück ans Werk – und Stein für Stein entsteht eine Stadt, wie sie sich die Kinder und Jugendlichen vorstellen.