Pfarrer Johannes Hartmann und Kirchengemeinderatsvorsitzender Andreas Mader blicken in die Zukunft. Susanne Grimm Foto: Susanne Grimm

Die evangelische Erlöserkirche auf Langenwand ist an die Stadt verkauft; diese will Gotteshaus und Gemeindesaal abreißen lassen und stattdessen Wohnhäuser bauen. Die Kirchengemeinde nimmt derzeit Abschied – und sieht ihre Zukunft auf Stiegel.

Dass die Kirchengemeinde die Erlöserkirche aufgeben würde, war schon vor fünf Jahren nach einem intensiven Selbstverständigungsprozess innerhalb der Kirchengemeinde beschlossen worden – allein die Substanzerhaltung der Kirche hätte die Gemeinde laut Pfarrer Johannes Hartmann zwei Millionen Euro gekostet – das wäre bei schrumpfenden Gemeindegliederzahlen weder zwingend notwendig noch machbar gewesen.

 

Der Gemeinde bleiben nun die Peters- und die Pauluskirche, das Gemeindebüro im Pfarramt der Pauluskirche und vor allem das Gemeindezentrum Stiegel, wo ein „ganz stark am Gemeinwohl orientiertes Familienzentrum“ – so Hartmann – schlagendes Herz des künftigen Gemeindelebens werden soll.

„Aus der Start-up-Phase sind wir schon heraus“

Mit ihm und der Kindertagesstätte – „unseren Standbeinen“ – wollen Tailfingens evangelische Christen künftig in die Gesellschaft hineinwirken. Zugleich soll Stiegel Schwerpunkt des gottesdienstlichen Lebens werden. „Aus der Start-up-Phase sind wir schon heraus“, versichert der Kirchengemeinderatsvorsitzende Andreas Mader, „die Angebote sind gut besucht“.

Die von Pfarrer Hartmann demonstrierte Entschlossenheit, in einer veränderten Welt „mit ganzer Kraft den Raum für Morgen zu gestalten“, kann einerseits buchstäblich verstanden werden: Das Gemeindehaus auf Stiegel wird saniert und dergestalt modernisiert, dass Energiegesetze und Umweltauflagen „locker bis 2040 erfüllt werden können“.

Der Grundstein der Erlöserkirche Tailfingen ist im Altarraum zu sehen. Foto: Susanne Grimm

Die Gemeinde wird aber auch im übertragenen Sinne „umgebaut“. Hartmann sieht den Fortgang von Langenwand und den Neubeginn auf Stiegel als „echten Meilenstein“: Und als Herausforderung: „Einerseits reduzieren wir unsere ’Hardware’, andererseits weiten wir unseren Aktionsradius aus.“ Die Zeiten der Selbstbeschränkung aufs vertraute Wohnquartier und die zeitlich fixierten Rituale seien endgültig vorbei; mit ihnen könne man heute keine jungen Leute mehr binden. Deshalb müssten neue Wege gefunden werden. „Wir sehen in diesem Ende auch einen Neuanfang, der uns einen Modernisierungsschub bringen wird.“

Nichtsdestoweniger will die Gemeinde angemessenen Abschied von der Erlöserkirche nehmen: Gottesdienste werden aufgezeichnet und via Internet für diejenigen öffentlich gemacht, die nicht dabei sein können.

Die Zahlen werden es zeigen

Wird das Angebot wahrgenommen? Johannes Hartmann ist zuversichtlich: „Wir werden es am Ende an den Nutzerzahlen ablesen.“ Und: „70 Jahre Erlöserkirche haben den Stadtteil geprägt. Klar, dass die eine oder andere Träne verdrückt wird – aber wir sind auch unendlich dankbar für das, was war.“

Bis Ende 2024 kann die Gemeinde die Kirche noch nutzen, und das tut sie derzeit auf besondere Weise. Etwa mit Public Viewing während der Fußball-EM: „Beim Spiel Deutschland-Ungarn war die Kirche so voll wie lange nicht mehr!“, konstatiert Hartmann launig. Die Fußballabende sind Teil des Abschiedsprogramms „GutTrauf Final Countdown“, das in die zweite von insgesamt vier Festwochen geht und unter anderem Waldbaden, „Kirche kunterbunt“, eine House-Party der Jugend, gemeinsames Essen und einen Flohmarkt zu bieten hat.

Am Dienstag, 25. Juni, macht Jürgen Kohnert ab 14.30 Uhr den Anfang mit einer Informationsveranstaltung. „Sicherheit für Senioren“ heißt der Vortrag, den der Polizeibeamte im Ruhestand und Sicherheitsberater für Senioren in der Erlöserkirche hält und in dem er erläutert, wie man sich vor Straftaten – Stichwort Enkeltrick – schützen kann.

Frauentreff besichtigt Hechinger Synagoge

Am Mittwoch, 26. Juni, ist Café Klatsch mit Elternbegleiterin Gabi Maihöfer. Es beginnt um 14 Uhr; auf dem Programm steht ein „Internationaler Staffelwettbewerb“. Um 17 Uhr beginnt die Kinderdisco für die jüngsten Gäste des Festivals; ebenfalls um 17 Uhr bricht der Frauentreff auf dem Thalia-Parkplatz zu einem Stadtspaziergang in Hechingen mit dem Schwerpunkt „Jüdisches Leben“ und dem Besuch der Synagoge auf.

Am Donnerstag, 27. Juni, ist Kinderkirche – sie beginnt um 10 Uhr. Am Freitag, 28. Juni, um 19.30 Uhr übernimmt die Partyband „Süd Style“ die Bühne; die Woche beschließt am Sonntag, 30. Juni, um 10.30 Uhr ein Tauferinnerungsgottesdienst, zu dem alle eingeladen sind, die in der Erlöserkirche getauft wurden. Danach gibt es Mittagessen, und Zauberer Matthias Schwarz aus Meßstetten tritt auf.

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