13 Kandidaten sind es, die sich am Sonntag für den evangelischen Kirchengemeinderat in Schwenningen zur Wahl stellen – in Zeiten, die von Umbrüchen geprägt sind.
Erstmals ist Britta Mann-Horváth, Pfarrerin für den Kirchenbezirk Johannes West, mit für die Organisation der diesjährigen Kirchengemeinderatswahl in Schwenningen zuständig.
Beim Blick Richtung kommendem Wahlsonntag ist sie froh, dass dann auch die Vertreter des Wahlausschusses, allen voran der Vorsitzende Rütger Conzelmann, gleichzeitig bisheriger Vorsitzende des Kirchengemeinderats, vor Ort im Wahllokal im Muslenzentrum sein und die Wahl durchführen werden.
Gleich zwei Wahlen
Viel zu tun gibt es dann für die Auszähler, werden am 30. November nicht nur ein neuer Kirchengemeinderat für Schwenningen gewählt, sondern auch die Vertreter für die Landessynode. „Die Landessynode scheint super weit weg, ist aber in vielen Fällen das gesetzgebende Gremium für uns“, macht die Pfarrerin deutlich, dass die Stimmabgabe für das Gremium ebenso wichtig ist.
Vier verschiedene Gruppierungen, die sogenannten Gesprächskreise, sind in der Synode, die zu 60 Prozent aus Laien und zu 30 Prozent aus Theologen besteht, vertreten. Bei der Wahl können vier Stimmen für die Laien, zwei für die Theologen abgegeben werden.
13 Kandidaten gibt’s
Zwölf Stimmen haben die 6668 Wahlberechtigten – von insgesamt 7600 Gemeindemitgliedern – hingegen für den Schwenninger Kirchengemeinderat zur Verfügung. 13 Kandidaten haben sich für die kommende Wahlperiode, die immer sechs Jahre lang geht, aufstellen lassen.
Acht Kandidaten sind davon „alte Hasen“, der Rest ist erstmals mit dabei – das ist „eine gute Mischung“, findet Britta Mann-Horváth.
Suche nach Vorsitz
Schwierig wird es sein, für den bisherigen Vorsitzenden Rütger Conzelmann, den es aus privaten Gründen aus der Gemeinde wegzieht, Ersatz zu finden. Der scheidende Vorsitzende, der vor der Amtsübernahme vor sechs Jahren bereits zwölf Jahre „normales“ Mitglied war, beschreibt seine verantwortungsvolle und umfangreiche Aufgabe, durch die er in vielen Prozessen und Entscheidungen schon in der Vorbereitung mit einbezogen war.
Auch überregionale Aufgaben hätten zu seinem zusätzlichen Arbeitsgebiet gezählt, so die Mitgliedschaft im monatlich tagenden Kirchenbezirksausschuss, im Diakonieausschuss, dem Ausschuss für allgemeine Verwaltung und dem Gemeinsamen Ausschuss mit der evangelischen Kirchengemeinde Villingen.
Viele Hürden gemeistert
Beim Rückblick auf die vergangene Amtsperiode fallen Britta Mann-Horváth und Rütger Conzelmann viele Themen und Herausforderungen ein, die der Kirchengemeinderat mitbegleitet und gemeistert habe. Da war neben der Corona-Krise die langjährige Vakanz im Pfarrteam, durch die der Ratsvorsitzende auch zahlreiche Unterschriften leisten musste, da war auch die anhaltende Vakanz beziehungsweise der personelle Wechsel im Gemeindebüro.
Ebenso haben die Verwaltungsreform der Landeskirche und damit strukturelle Änderungen Auswirkungen auf die Schwenninger Gemeinde gehabt. Dazu zählte auch, so Conzelmann, das Umgehen mit der überregionalen Kirchenbürokratie und die Zusammenarbeit im neuen Kirchenbezirk Rottweil. Mitbegleitet habe das Gremium aber auch die Immobilienprojekte der Gemeinde, etwa die Schließung der Wilhelmspflege oder die Vermietung des Wohn- und Geschäftshauses In der Muslen 8.
Immobilien im Fokus
Noch intensiver mit den bestehenden Immobilien beschäftigen müssen wird sich der neue Kirchengemeinderat auch in den kommenden Jahren im Zuge eines landeskirchlichen Prozesses, der Einsparungen vorsieht. Die Kirchen, Gemeindezentren sowie Pfarrhäuser der evangelischen Gemeinde in Schwenningen seien bereits begutachtet worden. Allen Verantwortlichen sei dabei klar: „Es muss etwas geschehen, denn wir haben nicht mehr die nötigen finanziellen Mittel, um weiterhin alles zu unterhalten“, so die Pfarrerin.
Um Reduzierungen und Synergieeffekte wird es auch beim sogenannten Pfarrplan 2030 der Landeskirche gehen. Auch mit Blick auf die sinkenden Mitgliederzahlen sowie Finanzen müsse man als Gemeinde überlegen, wo die Prioritäten liegen und wie neu strukturiert werden kann.
Entscheidung im Team
Alles in allem seien es schwierige Prozesse und Entscheidungen, die auf den neuen Kirchengemeinderat zukämen. Britta Mann-Horváth sieht sie aber auch als Chance, neu entstehende Kapazitäten zu nutzen – und findet dabei: „Gut, dass wir nicht nur als Pfarrteam entscheiden müssen, sondern unterschiedliche Perspektive und Kompetenzen der Kirchengemeinderäte miteinfließen lassen können.“
Das Ziel: gemeinsam zu schauen, wie sich die Kirche positiv entwickeln, wie sie vor Ort relevant bleiben und wie sie die Menschen ansprechen kann, sagt die Pfarrerin.
Viele Prozesse und Projekte liefen in der Gemeinde aber bereits sehr gut – „und werden sicherlich gut weiterlaufen“, ist sich Rütger Conzelmann, der dem neuen Kirchengemeinderat ein konstruktives und möglichst harmonisches Miteinander wünscht, mit Blick auf Kirchenmusik, Jugendarbeit oder Vesperkirche sicher.
Rund um die Kirchengemeinderatswahl in Schwenningen
Der Wahltag
Das Wahllokal im Muslenzentrum hat am Sonntag, 30. November, von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Während hier vor Ort gewählt werden kann, können die ausgefüllten Wahlunterlagen, die den Gemeindemitgliedern in den vergangenen Wochen zugeschickt worden sind, auch in die Wahlbriefkästen an allen evangelischen Kirchen sowie Pfarrämtern in Schwenningen eingeworfen oder per Post geschickt werden. Wahlberechtigt sind alle Gemeindemitglieder bereits ab 14 Jahren.
Die Kandidaten
Für den neuen Kirchengemeinderat in der evangelischen Kirchengemeinde Schwenningen stehen zur Wahl: Annette Diepolder, Olaf Genserich, Petri Golde-Kiehl, Katja Hendrischke, Gerlinde Kaiser-Horstmann, Ulrich Merz, Ulrike Muff, Stephan Neidhardt, Doris Ruf, Gerhard Schilling, Birgit Schneider, Martin Seeger und Nadine Wittner.
Die Einführung
Der Einführungsgottesdienst für den neuen Gemeinderat findet am Sonntag, 11. Januar, in der evangelischen Stadtkirche statt. Wann die konstituierende Sitzung, in der auch der neue Vorsitzende, die Delegierten sowie die Vertreter für die Ausschüsse gewählt werden, sein wird, steht laut Pfarrerin Britta Mann-Horváth derzeit noch nicht fest.