Bei der Verabschiedung vom Hasler Pfarrer Ickelheimer vor der Kirche in Hasel (von links): Werner Bühler, Liane Klingler, Esther Philipps, Thomas Blecker, Clemens Ickelheimer, Karl-Heinz Jäger, Bärbel Schäfer, Doris Schwind, Steffen Mahler, Ursula Moosdorf und Elisabeth Kautz Foto: Wolfgang Grether

Clemens Ickelheimer, Pfarrer in Hasel und Dossenbach, wurde in den Ruhestand verabschiedet.

Gleich zwei Dekaninnen verabschiedeten ihren ehemaligen Stellvertreter Clemens Ickelheimer in den Ruhestand. Dekanin Esther Philipps als Dienstvorgesetzte und Dekanin Bärbel Schäfer, mittlerweile Pensionärin, wirkten im Abschiedsgottesdienst in Hasel mit. Dazu Steffen Mahler, Pfarrer, Freund und Weggefährte im Kirchenbezirk Markgräflerland.

 

Im Jahr 2009 berief die Badische Landeskirche Clemens Ickelheimer zum Pfarrer in Dossenbach. Fünf Jahre später übernahm er auch die Pfarrstelle in Hasel und betreute damit die evangelischen Christen zweier Kirchengemeinden. Im Jahr 2020 erweiterte sich sein Auftrag um die Stellvertretung der Dekanatsleitung.

Suche nach Alternativen

Der Weg von Clemens Ickelheimer im Dienst der Kirchen, eigentlich sind es mehrere, ist untypisch, wie er in seiner sehr persönlichen Predigt preisgab. Sein Pfad des Glaubens gleicht der Straße zum himmlischen Verständnis des Völkerapostels Paulus. Auch dieser erfand sich nicht selbst, sondern hat sich bestimmen lassen.

Passend dazu der Predigttext aus dem zweiten Korintherbrief als Beschreibung.

Genau wie Paulus, so fühlte und fühlt sich Pfarrer Ickelheimer. Clemens Ickelheimer, von seiner Mutter anhand der Kinderbibel mit dem katholischen Glauben vertraut gemacht, entfremdete sich mit seiner kleinen Familie im Nachgang des Zweiten Vatikanischen Konzils von der römisch-katholischen Kirche und schickte sich auf die Suche nach Alternativen. Diese fand er in der pfingstlichen Freikirche. Durch das Bibellesen vernahm er dort bewusst und persönlich das Wort des Herrn, seines Gottes.

Akribisch schaffte er gleich mehrere Bibelübersetzungen durch, unterstrich Wörter, kritzelte neben den Texten und wollte so seinen entdeckten christlichen Glauben neu erkunden, denkerisch durchdringen und später theologisch studiert erfassen. Die Vertrautheit mit der Bibel erleichterte das Theologiestudium, der für ihn komplizierte Hintergrund der Organisation Kirche erschwerte ihm die Identifikation mit der römisch-katholischen Kirche. Ausweg war der Unterrichtsauftrag einer pfingstkirchlichen Bibelschule in Dogmatik und damit der wissenschaftlichen Auslegung christlicher Tradition über die Erkundung der Bibel.

Die Fügung: Ickelheimer logierte bei einem Studienfreund, selbst Pfarrer, der ihn zu Vertretungsgottesdiensten überredete. Thomas Bleher, bei der Verabschiedung anwesend, überzeugte ihn ein zweites Mal und damit wurde aus dem Pfingstkirchler Ickelheimer ein evangelischer Pfarrvikar in Thüringen.

Liberale Landeskirche

Über die Herrenhuter Gemeinde öffnete sich die Tür in die Evangelische Landeskirche Baden. Diese war und ist liberal genug, um den „gewachsenen Ökumeniker“ mit seinen Eigenheiten zu beheimaten, wofür er sehr dankbar ist.

Zentral für ihn ist das Verständnis von Jesus Christus als Verbindung zwischen Gott und dem Heiligen Geist. Seine Erkenntnis: „Wo Christus Jesus ist, da ist die allgemeine Kirche“, hinweg über alle Konfessionen und alle real existierenden Christengemeinden, die oft um sich selbst kreisen und die tragende Christologie damit im Hintergrund lassen.

Die neu gewählte Dekanin Esther Philipps entpflichtete Ickelheimer aus seinem Dienst. Er wird, nach eigenem Bekunden, auch im Ruhestand Gottesdienste in der Region feiern, Konfirmandinnen und Konfirmanden betreuen und sich gerne zu kirchlichen Diensten rufen lassen. I.R., die bekannte Abkürzung steht nicht für „im Ruhestand“, sondern „in Rufbereitschaft“. Persönlich die Abschiedsbotschaft der langjährigen Dekanin Bärbel Schäfer, die seinen Weg als Labyrinth empfand, im Gegensatz zum Irrweg, mit gutem Ausgang.

Dorfpfarrer

Was es bedeutet, Dorfpfarrer zu sein, wurde bei der Verabschiedung in Hasel deutlich: Auch in moderner und postmoderner Zeit gibt es menschliche Anerkennung in der Gemeinde und der Bevölkerung. Sichtbar, hörbar, greifbar und erlebbar durch die Mitwirkung von Musik- und Gesangverein beim Gottesdienst in der Kirche und den guten Wünschen der Vorstände Albert Senger für den Musikverein und Werner Grether für den Gesangverein beim Abschiedsempfang im Rathaus. Der Kirchengemeinderat Dossenbach verabschiedete sich mit Liane Klingler und einem Lied begleitet auf einer für den Anlass angefahrenen Truhenorgel. Doris Schwind ging als Vertreterin der Kirchengemeinde Hasel ging mit viel Empathie und bedachtsam klug gewählten Worten auf die gemeinsamen Aufgaben ein, die in beiden Kirchengemeinden erfolgreich gemeistert wurden.

Das bestätigten die anwesenden Bürgermeister Frank-Michael Littwin für Hasel und Fabio Jenisch, Rathauschef in Schwörstadt.

Ohne Worte aber durch gute Gaben verabschiedete der Frauenverein Hasel ihren Pfarrer. Die Damen sorgten für das leibliche Wohl beim Empfang.

Pfarrer Clemens Ickelheimer war Teil der „Dienstgruppe Mittleres Wiesental“. Pfarrerin Ulrike Krumm bedankte sich für diesen Teil seiner Arbeit.

Vorgänger Wolfgang Kammerer hatte eine besondere Überraschung. Bob Dylan: Mit neuen Texten auf „Die Antwort mein Freund“ ging er auf die liebenswerten Besonderheiten von Pfarrer Clemens Ickelheimer und den Angewohnheiten in den Kirchengemeinden ein.