Mieterin einiger Räume bleibt die evangelische Kirchengemeinde Ebingen nach dem Verkauf im Gemeindehaus Spitalhof. Foto: Martin Kistner

Die größten Schritte in der Umsetzung des Immobilienkonzepts hat die evangelische Kirchengemeinde mit dem Verkauf dreier Gebäude getan. Wo investiert sie das Geld?

Drei Gebäude hat die evangelische Kirchengemeinde Ebingen verkauft: Am 13. Juli feiert sie Abschied von der Thomaskirche in der Oststadt – die serbisch-orthodoxe Gemeinde Schwarzwald hat sie erworben.

 

Im Juli 2024 hatten sich die Protestanten von der Friedenskirche im Ebinger Westen verabschiedet, die kürzlich die Tosun GmbH erstanden hat. Die Firma ist auch Käuferin des Gemeindehauses Spitalhof im „Hufeisen“. 1,29 Millionen Euro hat die evangelische Kirchengemeinde für den Verkauf aller drei Gebäude erhalten.

Thomas Soffner, geschäftsführender Pfarrer, und der gewählte Kirchengemeinderatsvorsitzende Thorsten Rach verrieten nun im Gespräch mit unserer Redaktion, wie es weiter geht. Bei einer Versammlung am Freitagabend beantworten sie Fragen der Gemeindemitglieder und wollen ihnen mögliche Sorgen nehmen – die sind mitunter groß. „Wir wollen den Menschen vermitteln, dass wir nach wie vor genug Raum für religiöse Zwecke haben“, betont Soffner. Doch nun stellen sich die Fragen, wie kreative Prozesse in Gang gesetzt werden, die das moderne Gemeindeleben erfordert. Und nicht zuletzt: Wer kümmert sich darum? „Ohne Gemeinde geht es nicht“, so der Pfarrer.

Von der Friedenskirche hatte sich die Gemeinde im Juli 2024 verabschiedet. Foto: Karina Eyrich

Soffner und Rach wollen zeigen, wie die Kirchengemeinde nach dem Verkauf dasteht und welche Aufgaben auf sie zukommen. Zehn Millionen Euro – unter Berücksichtigung der Inflation sogar elf Millionen Euro hätte die Kirchengemeinde in den nächsten 15 Jahren investieren müssen, um all ihre Gebäude in Schuss zu halten. Durch den Verkauf hat sich diese Summe auf rund zwei Millionen Euro reduziert. Wie steht es um die verbleibenden Gebäude?

Friedenskirche: Durch den Verkauf fallen Investitionskosten von 2,16 Millionen Euro weg. Die Chorraumfenster werden demnächst abmontiert, für sie soll ein „hübscher Platz“, gefunden werden. Die Glocken werden ausgebaut und zum Verkauf angeboten, die Orgel soll ebenfalls sinnvoll woanders verwendet werden. Zudem werden alle Kirchenkreuze abmontiert.

Thomaskirche: 1,1 Millionen Euro für eine Sanierung sind durch den Verkauf hinfällig. Die Thomasskulptur zieht in die Martinskirche um, das Baugerüst wird verkauft.

Der Abschied von der Thomaskirche steht unmittelbar bevor. Foto: Martin Kistner

Gemeindehaus Spitalhof: Ohne energetische Ertüchtigung hätte die evangelische Kirchengemeinde 1,28 Millionen Euro in die Sanierung stecken müssen. Doch weil die Landeskirche das Ziel gesetzt hat, dass alle Gebäude bis 2040 klimaneutral sein sollen, wären weitere hohe Kosten zu erwarten gewesen. „Das Gebäude ist energetisch ungünstig und übergroß“, erklärt Soffner.

Obwohl es nun verkauft ist, verabschiedet sich die Kirchengemeinde nicht ganz davon: Im Erdgeschoss mietet sie Büros an für den Kantor und die Leiterinnen der Hospizgruppe. Die Sozialstation, derzeit im Untergeschoss daheim, zieht in die Emmauskirche um. Für Proben der Kantorei wird der große Saal angemietet, ebenso wie für den Kirchenbezirk, dem mehr Aufgaben übertragen werden. Laut Rach will der neue Eigentümer Veranstaltungs- und Tagungsräume in den beiden Obergeschossen einrichten, eventuell auch Wohnungen.

Am 10. Oktober verabschiedet sich die evangelische Kirchengemeinde vom Gebäude – in welcher Form, das wird derzeit geklärt.

Emmauskirche: Sie wird derzeit für den Einzug der Sozialstation Ende des Jahres hergerichtet. In den nächsten 15 Jahren müssen 353 000 Euro in die Ertüchtigung investiert werden.

Jugendhaus: Viel Geld kostet die Kirchengemeinde der Erhalt des Jugendhauses. Das bisherige Investitionsvolumen für Fassadensanierung und Fenster liegt bei 605 000 Euro, die energetische Ertüchtigung kostet 1,3 Millionen Euro. Daher ist die Zukunft des Gebäudes nach 2040 ungewiss. Doch im Jugendhaus befinden sich Räume, die laut Rach nach dem Verkauf des Spitalhofs intensiver genutzt werden.

Kapellkirche: „Wir wollen die Kapellkirche für kulturelle Nutzung herrichten“, so Rach. Im Herbst werden die Kirchenbänke entfernt, um den Raum für Konzerte und Lesungen mit den Stühlen aus der Friedenskirche flexibel einrichten zu können. Das älteste Gebäude im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde mitten in der Stadt benötigt in den kommenden 15 Jahren 518 000 Euro an Investitionen.

Martinskirche: Die größte Kirche im Kirchenbezirk erhält ein neues Dach. Dank Spenden und den Einnahmen aus den Gebäudeverkäufen kann die Kirchengemeinde an Eigenkapital jene zwei Drittel zur Verfügung stellen, die Voraussetzung sind für Zuschüsse. Neben der Dachsanierung soll der Konfirmandenraum hergerichtet werden, damit weitere Gruppen und Kreise ihn nutzen können. Zudem werde geprüft, welche Räume abgetrennt werden können, um künftig nicht mehr das gesamte Kirchenschiff heizen zu müssen. Die Anträge zur Sanierung der Außenfassade und des Dachs werden Anfang 2026 gestellt.

Weitere Immobilien: Über die Zukunft weiterer Immobilien wie etwa der Kita in der Danneckerstraße werde der neue Kirchengemeinderat, der Ende des Jahres gewählt wird, entscheiden. Doch Soffner betont auch: „Eine Kita kann betrieben werden, ohne dass man Besitzer des Gebäudes ist.“