Nicht nur die Erlöserkirche war das Beet, in dem Pfarrer Christoph Fischer in seinen fünf Jahren in Tailfingen geblüht hat. Sie ist inzwischen von der Stadt gekauft worden und wird vermutlich Wohnbauten weichen. Foto: Karina Eyrich

Pfarrer Christoph Fischer verlässt das Triumvirat der evangelischen Kirchengemeinde Tailfingen – ersatzlos. Auf seiner befristeten Stelle hat der sympathische Vater dreier Töchter mitgeholfen, dass Kirche nicht ab-, sondern im neuen Kleid auftaucht.

Seine Schneefräse hat er verkauft. In Gäufelden-Nebringen, wo Christoph Fischer künftig ständiger Pfarrer sein wird, ist es wärmer als in Tailfingen. Wenngleich der Empfang für ihn, seine Frau Rebecca, die Töchter Ann-Céline und Emma sowie Adoptivtochter Pia im August 2018 kaum wärmer hätte ausfallen können: „Unsere Mädels hatten wir vorher schon fürs Waldheim angemeldet, das war der perfekte Start“, sagt Fischer, der aus Freudenstadt kam, und betont: „Albstadt darf man nicht klein machen. Die Menschen sind hier viel offener als im Schwarzwald, und sehr offenherzig sind wir auch empfangen worden.“

Dass seine erste Pfarrstelle im Dienst der evangelischen Landeskirche als „unständiger“ Pfarrer bis 2024 befristet sein und die Erlöserkirche auf Langenwand als Gebäude aufgegeben würde, stand schon fest, als Fischer dort Pfarrer wurde. „Das macht den Abschied jetzt etwas leichter“, sagt der 45-Jährige, der „Veränderungen grundsätzlich als Chance“ begreift. Zudem freut es ihn, dass es ihm und seinen Kollegen Gottfried Engele und Johannes Hartmann, der kurz nach ihm kam, gelungen sei, „Strukturen zu schaffen, die auch künftig tragen“.

Die fetten Jahre sind vorbei

In den „fetten Jahren“ – ein Bild aus der biblischen Josefsgeschichte – mit drei Pfarrern. Künftig sind es nur noch zwei, doch unterstützt von einem „tollen Mitarbeiterteam“, Vikarin Mareike Lasi, Diakonin Annika Pagano und einem Kirchengemeinderat, den Fischer in den höchsten Tönen lobt: Als die Coronavirus-Pandemie die ganze Kreativität der Gemeindevertreter forderte, habe das Gremium „ganz toll mitgemacht“ und die Pfarrer ausprobieren lassen.

Für den experimentierfreudigen, technikaffinen Christoph Fischer war es ein Beet, in dem er blühen konnte. Getreu seinem Credo „Wenn Kirche jetzt abtaucht, braucht sie hinterher nicht wieder aufzutauchen“, wurde er zum Regisseur und Kameramann der Video-Übertragungen aus der Pauluskirche, startete mit seiner künstlerisch begabten Frau Projekte wie den Osterweg am Braunhartsberg und andere mehr: Zwei DinA4-Seiten füllt die Liste der Ideen, die in der evangelischen Kirchengemeinde Tailfingen umgesetzt wurden. „Da ist Kirche von unten gewachsen, so wie es eigentlich sein soll.“

Foto: Eyrich

Dass es nicht gelungen sei, auch weiter in die Region hineinzuwirken, bedauert Fischer freilich, und das Zukunftsmodell für den Kirchendistrikt stehe auch noch nicht. Dabei werde der Pfarrplan, der den Bezirk wohl 8,5 Stellen kosten werde, ab 2025 umgesetzt. Auch manches Projekt hätte Fischer, dem die Aufgabenteilung die Kinder- und Jugendarbeit und das Thema Kirchenmusik zugespielt hatte, noch gerne umgesetzt, etwa ein Jahr lang nur Musik aus dem 21. Jahrhundert zu spielen: „Für uns ist ‘Neues geistliches Lied‘ etwas, was 1965 komponiert wurde“, sagt der fortschrittliche Pfarrer, der einfach ein Computerprogramm schreibt, wenn er sich Arbeit erleichtern will, und Seelsorge auch mal via Facebook-Messenger betreibt, wenn Anfragen kommen.

Die Zelttage im Sommer 2023 waren ein Höhepunkt in Christoph Fischers Zeit in Tailfingen (im Bild mit Zeltmeister Michael Möck). Foto: Eyrich

Über Soziale Medien will Christoph Fischer auch die Kontakte zu Albstadt-Tailfingen weiterpflegen, wenn er in den Gäufelder Teilorten Nebringen und Tailfingen Pfarrer ist. Wobei ihm bewusst ist, wie wenig Zeit ihm dafür bleiben wird, ist er doch dort geschäftsführender Pfarrer.

Pia bekommt das größte

„Für die administrative Arbeit bin ich nicht Pfarrer geworden, aber sie schreckt mich nicht“, sagt der ehemalige Generalsekretär der „Volksmission“. Zudem freut es ihn und seine Frau, die als Buchautorin und Psychologin örtlich flexibel ist, dass sie für ihre Adoptivtochter mit Down-Syndrom, die elfjährige Pia, eine ähnlich gute Schule wie die Truchtelfinger Rossentalschule gefunden haben. „Pia ist ganz stolz, dass sie jetzt das größte Kinderzimmer bekommt“, sagt Fischer verschmitzt, denn seine leiblichen Töchter sind zur Ausbildung schon aus dem Haus. Und die Schneefräse muss ja nun auch nicht mehr in den Umzugslaster.

Der Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Christoph Fischer und seine Familie beginnt am Sonntag, 22. Oktober, um 10.30 Uhr in der Pauluskirche.