Vor 175 Jahren wurden wurde der Grundstein für die Eutinger Friedhofskapelle gelegt. Foto: Hermann Nesch

Die Eutinger Friedhofskapelle wurde 1851 von Clara Seele gestiftet. Sie verlor ihre drei Töchter bereits im Kindesalter und ihren Mann im Alter von nur 47 Jahren.

Drei Jubiläen stehen für den Eutinger Friedhof dieses Jahr an: 200 Jahre „Gottesacker“-Verlegung, 175 Jahre Grundsteinlegung für die Friedhofskapelle und 100 Jahre Stiftung deren neuen Fenster. Die Stiftung der Friedhofskapelle geht auf die 1798 geborene Clara Seele, geborene Lipp zurück. Aus ihrer Ehe mit dem 1799 geborenen Jacobus Seele gingen drei Töchter hervor, die alle schon Kindesalter starben. Auch ihr Mann wurde lediglich 47 Jahre alt und folgte 1846 den drei Töchtern. Clara Seele selbst starb am 16. Dezember 1877.

 

Pfarrer Alois Volz, von 1837 bis 1870 in Eutingen, notierte in seinen „geschichtlichen Bemerkungen“: „Im Jahre 1851 wird auf dem Gottesacker dahier eine schöne Kapelle im gothischen Style erbaut, deren Gründerin die ehrenwerthe Wittfrau Clara Seele, geb. Lipp, ist und woran besonders auch ihr Schwager, Johann Seele, Schreiner, Antheil nehmen wird.“ Im August 1855 stiftete Clara Seele zudem zwei Jahrtagsmessen, wovon ein Seelenamt in der Gottesackerkapelle zu lesen war.

Den Plan zur Erbauung genehmigte der Kirchenstiftungsrat am 7. Juni 1850. Ein Jahr später, am 16. Mai 1651, erteilte das bischöfliche Ordinariat in Konstanz die Erlaubnis zur Grundsteinlegung. Der „Grundstein gelegt am 21. Mai 1851“ ist heute noch an der Nordseite der Kapelle links des Portals zu sehen.

Bauplan und Rechnungen

Im Herbst 1997 erhielt das Gemeindearchiv Eutingen vom Stadtarchiv Horb sämtliche Pläne mit dem Genehmigungsvermerk vom 7. Juni 1850. Im Pfarr- und Gemeindearchiv befindet sich auch „ein ordentlicher Bestand an Rechnungsakten“ über die geleisteten Arbeiten und entstandenen Kosten, wie Willi Schaupp dokumentiert. Der Mauer- und Steinhauermeister Gsell erstellte den Kostenvoranschlag und führte die Bauarbeiten aus.

Grundstein im Sockel links neben dem Kapelleneingang. Foto: Hermann Nesch

Der Maler und Bildhauer Johann Nepomuk Meintel aus Horb erhielt den Auftrag zur Ausmalung der Kapelle. Meintel schuf auch den Altar mit einer Madonnenfigur in der Hauptnische und den Heiligen Josef und Jakobus, dem Namenspatron des verstorbenen Ehemanns der Stifterin. Der mit Blech beschlagene Turm musste bereits 1872 von Grund auf erneuert von Zimmermeister Johann Sökler erneuert werden. Immer wieder fielen auch andere Reparaturen an. So wurde 1892 und 1893 das Dach neu gedeckt und vom Horber Altarbauer Peter Paul Hausch die Marienfigur (mit Sternenkranz) und die Josefsstatue auf dem Altar renoviert.

Im Jahr 1896 entschloss sich der Kirchenstiftungsrat unter Pfarrer Eiberger zu einer Renovierung des gesamten Innenraums der Kapelle. Dabei wurden auch ein Holzgetäfer, ein Chorgitter, die Bänke und 14 Kreuzwegstationen von Eutinger Handwerkern neu geschaffen, zeitgleich mit der Errichtung der von Pfarrer Volz‘ Schwester gestifteten Lourdesgrotte. Größter Kostenpunkt mit 469 Mark war die neue Fassung der Altarfiguren mit reicher Vergoldung und weiterer Malerarbeiten durch den Rottenburger Kunstmaler Dehner.

Neue Fenster vor 100 Jahren

Schultheiß Daniel Seele und seine Gattin stifteten 1926 neue Fenster für die gesamte Kapelle, die 1927 eingebaut wurden. Sie und ihre jeweils eingelassenen Symbole wurden im Kloster Beuron entworfen und von Kunstglasmaler Wilhelm in Rottweil hergestellt. Über den Preis der Fenster ist laut Willi Schaupp nichts Genaues zu erfahren, denn der stiftende Schultheiß habe die Zahlen nie genannt. Die Schätzung beläuft sich jedoch auf „weit über 1000 Mark“.

Eines der vor 100 Jahren gestifteten Kapellenfenster. Foto: Willi Schaupp

Weitere Renovierungen folgten 1964 unter Pfarrer Georg Vogel, wobei auch der Altarraum neugestaltet und der Fußbodenbelag erneuert wurden. Bei der nachfolgenden Renovation unter Mithilfe zahlreicher ehrenamtlicher Helfer in den Jahren 1998/1999 erhielt der Chorraum eine neue farbliche Fassung. Dabei wurden an verschiedenen Stellen die ursprüngliche Bemalung aus der Bauzeit als „Fenster in die Vergangenheit“ freigelegt. Pfarrer Karl Haas ließ im Jahr 1981 den Dachreiter sanieren. Dabei wurde die bisherige Blechverschalung durch Holzschindeln ersetzt.

Die Pieta im Schiff der Kapelle wurde vom Horber Bildhauer Anton Leins geschaffen und stand früher in der Kirche in der Nische auf der Nordseite des Kirchenschiffs. Nach der Renovierung der Kirche in den Jahren 1909/1910 kam sie in die Friedhofskapelle und später aufgrund einer Spende der Eutinger Vereinsgemeinschaft erneut renoviert werden.

Die Glocke im Turm

Im Dachreiter der Kapelle hängt die bis zum Bau der Aussegnungshalle als „Sterbeglocke“ bezeichnete Glocke aus dem Jahr 1741 aus einer Villinger Glockengießerei. Sie zeigt im barocken Stil die Gottesmutter Maria mit Jesu-Kind und ein Kreuz. Nach dem Text am oberen Rand war auch diese eine Stiftung durch die Eutinger Bürger „Von der Lob. Congretation der Herren und Bürger“. Von ihr ist bekannt, dass sie nach der Ablieferung der Kirchturmglocken während des Zweiten Weltkriegs als einzig verbliebene Glocke im Turm der Pfarrkirche hing.