Bei Effata Eutingen sind die beiden Syrer Hadi Al Asafeen und Eyad Asmar aus Weitingen schon voll integriert. Foto: Feinler Foto: Schwarzwälder-Bote

Soziales: Christen in ihrer Heimat feiern ähnlich Ostern

Von Alexandra Feinler

Eutingen. "Es ist fast wie zu Hause", erklärt Eyad Asmar aus Weitingen nach dem Gottesdienst am Ostermontag. Der Katholik aus Syrien sang zusammen mit Hadi Al Asafeen zum ersten Mal bei der Eutinger Kirchenband Effata mit.

"Wir haben uns gedacht, die singen so gut, da fragen wir mal nach", erklärt Beatrix Oberle, wie der Kontakt zu den beiden Syrern aus Weitingen zustande kam. "Schnell fragen, bevor sie woanders singen, war unsere Devise", sagt das Effata-Mitglied lachend. Also fragten zwei Helfer vom Arbeitskreis Asyl bei den in Weitingen lebenden Flüchtlingen an. Chorleiter Matthias Heid komme auf seinem Weg nach Eutingen durch Weitingen und hätte die beiden mitgenommen. "Die standen pünktlich an der Straße", freut sich Beatrix Oberle über die Zuverlässigkeit. Am Dienstag vor einer Woche war die erste Probe für den Gottesdienst am Ostermontag. "Es hat uns gut gefallen", meint Eyad Asmar, der schon einiges versteht und auf Deutsch antwortet. "Die Sprache ist nicht ganz einfach", holt er die deutschen Notenblätter hervor. Er zeigt auf die umfangreichen Liedtexte. Wenn diese schnell gesungen werden, würde er nicht mehr mitkommen. Doch die erfahrenen Sänger würden ihm immer wieder mit dem Finger auf die aktuelle Zeile hinweisen. Bei lateinischen Kirchenliedern wie "Jubilate" komme der Katholik jedoch gut mit, da er sie aus seiner Heimat Syrien kenne.

Unterschiede zwischen armenischen, lateinischen und arabischen Christen

Es komme darauf an, welchem katholischen Stamm man in Syrien angehöre. Es gebe große Unterschiede zwischen armenischen, lateinischen und arabischen Christen. "Ich komme aus einem Dorf namens Feiyuza und bin armenischer Christ", meint er. Sein Heimatdorf wäre nicht sehr groß. Etwa 25 000 Christen würden dort leben. In Syrien hätten vor dem Krieg seines Wissens nach über zwei Millionen Christen gelebt. "Da sind wir nur ein kleines Dorf", lacht er. Das Christentum ist jedoch tief verankert. "Wir lebten mit Menschen anderer Religionen zusammen", so der in Weitingen lebende Syrer. Das zeigt auch, dass Eyad Asmar und Hadi Al Asafeen mit Mouhamad Alnatur, einem Moslem zum Gottesdienst gekommen sind. "Wir leben in Frieden zusammen", erklären die beiden Christen. Mouhamad Al Natur geht lieber in die Kirche, als in eine Moschee. "Ich verstehe deutsch, aber in der Moschee sprechen alle türkisch. Das verstehe ich nicht", erklärt Mouhamad Alnatur.

Der deutsche Gottesdienst sei ganz anders als der in der Moschee. "Wir feiern kein Ostern", meint Mouhamad Alnatur. Dagegen würden die Christen in Syrien ähnlich Ostern feiern wie die Deutschen. "Wir haben keinen Karsamstag", meint Eyad Asmar. Aber an Karfreitag würden die syrischen Christen ebenso wie deutsche in die Kirche gehen. "Die Christen müssen an Ostermontag nicht arbeiten, die Moslems aber schon", sagt Eyad Asmar und fügt hinzu: "Wir feiern aber am 1. Mai noch mal Ostern mit den Orthodoxen." In der Kirche werde dann viel gesungen und gebetet. Das Grundgerüst sei ähnlich wie das Deutsche, jedoch gebe es kleine Abweichungen im Liedgut und in den Gebeten. Genau beschreiben kann er das nicht, denn dafür reichen die Deutschkenntnisse noch nicht aus. "Aber ich lerne", beschreibt Eyad Asmar, der bereits bei einigen Veranstaltungen bewiesen hat, wie gut er singen kann. Mit den beiden Syrern zählt Effata momentan 28 Sänger. "Wir haben mehr Männer als Frauen", sagen die die Chormitglieder lachend. Matthias Heid freut sich, dass Effata dadurch ein breites Repertoire singen kann und das kommt auch den beiden in Weitingen lebenden Syrern zugute. Denn auch dann werden englische Lieder wie "Holy, Holy, Holy" oder lateinische Lieder singen. "Das fällt uns momentan noch leichter", lachen sie und freuen sich auf die nächste Effate-Probe, bei der sie wieder einiges lernen werden.

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