Der Bahnhaltepunkt Eutingen-Nord ist erst seit wenigen Tagen eröffnet und schon gibt es beim Fahrplan und den Fahrpreisen Probleme. Foto: Herfurth

Fahrpläne und Preise sind fehlerhaft. Fahrkarte nach Ergenzingen soll 21 Euro kosten. Mit Kommentar

Eutingen - Welche Zug hält nun in Eutingen-Nord und welcher nicht? Und warum kostet die Fahrt vom Eutinger Bahnhof weniger, obwohl beide Haltepunkt im selben Ort liegen. Vor diesen Fragen stehen momentan viele Fahrgäste, wenn sie von dem neuen Bahnhaltepunkt abfahren wollen. Der Schwarzwälder Bote hat sich auf Antwortsuche begeben.

Etwa 17 Jahre hat es gedauert, bis der Bahnhaltepunkt Eutingen-Nord vor Kurzem in Betrieb genommen werden konnte. Aber anstatt damit eine Last von den Schultern der Bürger und Gemeinde fiel, sind alle einfach nur verwirrt.

Der Fahrpreis

Den Schwarzwälder Bote haben viele Leser mit der Frage kontaktiert, was es mit den enorm unterschiedlichen Fahrpreisen vom Bahnhof Eutingen und Eutingen-Nord auf sich hat. Zur Erklärung: Eine Fahrt vom Eutinger Bahnhof nach Nagold kostet 3,50 Euro, eine Fahrt von Eutingen-Nord nach Nagold 18,60 Euro. Und das obwohl die Bahnhaltepunkte gerade einmal knapp drei Kilometer auseinander liegen. Noch besser, die Fahrt nach Ergenzingen. Die eine Haltestelle kostet vom Bahnhof 1,60 Euro und von Eutingen-Nord 21 Euro. Das da was nicht stimmen kann, ist klar. Aber was ist passiert? Ein Bahnsprecher bestätigt uns den Fehler und sagt: "Wir tun unserer möglichtes, den Fehler so schnell wie möglich zu beheben." Wann genau das sein wird, darauf will er sich nicht festlegen. Fahrgäste, die trotzdem ab Eutingen-Nord abfahren wollen, können sich am Automaten vor Ort einfach eine Fahrtkarte mit "Abfahrt: Eutingen Bahnhof" kaufen. "Die Kontrolleure vor Ort sind informiert", sagt der Bahnsprecher.

Die Fahrpläne

Laut Falt-Fahrplan der Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) hält der RE 14b, die schnelle Verbindung in die Landeshauptstadt, nicht am neuen Bahnhaltepunkt Eutingen-Nord. Die App der Deutschen Bahn und der Aushängefahrplan vor Ort versprechen aber etwas anderes. Suchen Reisende auf der Webseite der AVG nun direkt nach einer Verbindung zwischen Eutingen-Nord und Stuttgart werden online die selben Möglichkeiten wie bei der DB angegeben. Was ist also schief gegangenen, dass die gedruckte Version fehlerhaft ist? Auf eine Anfrage unserer Zeitung reagiert die AVG bislang aber nicht.

Doch wie halten die Bahnen in Eutingen-Nord nun? Bis auf zwei Linien halten die Züge des Regionalexpresses nach Stuttgart in Eutingen-Nord. Eine der beiden Fahrten ist die Fahrt des RE 14b, der um 6.10 Uhr in Freudenstadt startet und um 7.42 Uhr in der Landeshauptstadt ankommt. Dieser Zug hält um 6.40 Uhr in Hochdorf, überspringt Eutingen-Nord und stoppt wieder um 6.52 am Eutinger Bahnhof. Vor allem für Pendler wäre diese Verbindung ideal gewesen. Sie könnten mit Arbeitsbeginn um 8 Uhr pünktlich in Stuttgart ankommen. Das bedeutet somit, dass die Bürger, die näher am Bahnhaltepunkt Eutingen-Nord wohnen, trotzdem wieder zum Bahnhof fahren müssen.

Die zweite Fahrt, bei der die Fahrgäste in Eutingen-Nord stehen bleiben, ist nachmittags um 16.46 Uhr. Zu dieser Zeit hält der Zug wieder nur in Hochdorf, überspringt Eutingen-Nord und ist dann um 16.56 Uhr am Bahnhof Eutingen.

Grund dafür, dass gerade diese zwei Verbindungen nicht in Eutingen-Nord halten können, ist laut dem Bahnsprecher: "Eutingen-Nord wird grundsätzlich mit allen Zügen des Netzes bedient. Zwei Züge in Fahrtrichtung Stuttgart können leider nicht halten. Hintergrund dafür ist, dass zu diesen Zeiten die Trasse so eng mit Zügen belegt ist, dass der Halt nicht realisiert werden kann." Weil der Streckenabschnitt eingleisig ist, gebe es entsprechende Abhängigkeiten, die eingehalten werden müssen. Gemeint sind damit Züge der AVG und der Kulturbahn, die ebenfalls auf diesem Streckenabschnitt verkehren. Dass der Nicht-Halt zu diesen zwei Uhrzeiten in Eutingen-Nord für die Kunden nicht zufriedenstellend sei, könne die DB nachvollziehen.

Die Verwirrung

Für die Eutingen-Pendler heißt das letztlich, um 6.18 Uhr von Eutingen-Nord nach Herrenberg zu fahren und dort dann in die Straßenbahn umzusteigen. Allerdings sind Fahrgäste dann auch 18 Minuten länger unterwegs, als mit einer direkten Verbindung.

Laut Bürgermeister Armin Jöchle werde die Gemeinde Eutingen trotzdem noch mal das Gespräch suchen, ob es zumindest für die Verbindung morgens eine Möglichkeit gebe doch in Eutingen-Nord zu halten.

Das bedeutet also, die gedruckten Fahrpläne der AVG, die bei der Einweihung des Bahnhaltepunkts am vergangenen Wochenende verteilt wurden, sind fehlerhaft. Der Fahrplan, der über die Deutsche Bahn verfügbar und auch der an der Haltstelle ausgehängt ist, ist korrekt.

Selbst durch das Telefon wird die Entäuschung und der Ärger von Jöchle deutlich. "Wir müssen selbst erst einmal recherchieren, um überhaupt jemanden zu finden, der zuständig ist und uns weiterhelfen kann", sagt der Bürgermeister. Die Gemeinde habe nun eine Anfrage an die DB gestellt. "Es hat jetzt einfach lange gebraucht, bis die ganze Sache ins Rollen kam. Deswegen wollen wir natürlich, dass es jetzt endlich klappt", erklärt Jöchle.

Kommentar: Was lange währt

Es heißt, was lange währt, wird endlich gut. Das scheint allerdings nicht beim Bahnhaltepunkt Eutingen-Nord zu gelten. Etwa 17 Jahre hat es gedauert, bis der Bahnhof in Betrieb genommen werden konnte. Diese Tatsache alleine sorgte in der Vergangenheit schon für viel Unmut der Bürger. Schlimmer noch, dass jetzt, wo endlich Züge in Eutingen-Nord fahren, einfach nur ein großes Chaos herrscht. Weder bei den Fahrplänen, noch bei den Fahrpreisen steigt man als Fahrgast durch. Eine Fahrt von Eutingen-Nord nach Ergenzingen soll 21 Euro anstatt wie vom Eutinger Bahnhof 1,60 Euro kosten? Dass da etwas nicht stimmen kann, fällt jedem auf, liegen doch die Haltepunkt nur knapp drei Kilometer auseinander. Und die Deutsche Bahn erreicht man nur schwer für eine Stellungnahme. Zur Eröffnung wurden dann auch noch falsche Fahrpläne verteilt. Wie soll man da als Fahrgast noch durchblicken?