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Eutingen Verstärkter Drang zum Studium

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Berthold und Elisabeth Schmid, die mit ihrem Betrieb das 25-jährige Jubiläum in Verbindung mit der erfolgreichen Meisterprüfung ihres Mitarbeiters Kevin Schwab (links) feiern wollten. Foto: Nesch Foto: Schwarzwälder Bote

Berthold Schmids Installationsbetrieb für Sanitärtechnik und Bauflaschnerei besteht seit mehr als 25 Jahren und kann mit Kevin Schwab einen neuen Meister präsentieren. Eigentlich zweifach Grund zum Feiern, wäre da nicht die Corona-Pandemie.

Eutingen-Weitingen/Rottenburg -Ergenzingen . "Fachhandwerker gesucht!" – dieser Hilferuf ist schon seit Jahren aus dem Mund von Handwerkerfirmen zu hören und er wird stetig erneuert. Es gelingt zwar immer wieder, sehr willige und engagierte, gute und – im buchstäblichen Sinne – sogar "ausgezeichnete" Gesellen und Meister hervorzubringen – wie genügend Beispiele aus der Umgebung belegen – doch es sind nach Aussagen der Betriebe immer noch zu wenig.

"Fachhandwerker gesucht! Vielfalt und Inspiration." – dieser Hilferuf steht daher auch an exponierter Stelle auf einem Werbeschild von Berthold Schmid in der Ortsmitte von Ergenzingen. Der gebürtige Weitinger und im Nachbarort verheiratete Handwerksmeister führt dort seit mehr als 25 Jahren erfolgreich einen Sanitärinstallationsbetrieb und Badeinrichtungen. Das Schild soll Aufmerksamkeit erzeugen und auf die Not der Handwerksbetriebe hinweisen.

Denn Schmid hat einen Gesellen verloren, doch glücklicherweise gleichzeitig einen frischgebackenen Meister gefunden: seinen Neffen und gleichzeitig sein "Patenkind" Kevin Schwab aus Weitingen, der nach dem Realschulabschluss in Horb vom September 2013 bis Februar 2017 bei ihm eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik absolvierte. Die Gesellenprüfung schloss er dann als dritter Handwerkskammersieger überaus erfolgreich ab (wir berichteten).

Schon damals hieß das Ziel, nach zwei Gesellenjahren und weiterer berufspraktischer Erfahrung auch den Meister in seinem Beruf anzustreben, für den er sich schon von Kindesbeinen interessierte. Motivation war nicht nur der Erfolg bei der Gesellenprüfung, sondern auch die eingangs genannte Vielfalt und Inspiration. So besuchte er von Februar 2019 bis Februar 2020 in Vollzeit die einjährige Robert-Mayer-Meisterschule, die Gewerbliche Schule für Industrie- und Metallbautechnik in Stuttgart, und schloss die Meisterprüfung erfolgreich ab.

Bei der fachpraktischen Prüfung hatte er als Arbeitsprobe von der Planung bis zur Inbetriebnahme die kompletten Abwicklung der Installation der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnik, einschließlich der dazugehörigen Pläne, des Materialbedarfs, der Gasdichtheitsprüfung, der Steuerungs- und Regelungstechnik und zusätzlich den Bad­einrichtungen für ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung mit betriebswirtschaftlicher Kalkulation zu erstellen.

Die Hauptprüfungen fanden am Donnerstag und Freitag gerade noch rechtzeitig vor dem Ringtreffen und Narrenverein-Jubiläum statt. Als aktiver Narr und Ausschussmitglied, der auch aktiv bei den Schützen und in der Feuerwehr ist, sei es manchmal schon recht schwer gewesen, sich zum Lernen zu überwinden, wenn man beim Endspurt mit aufbauen könnte, räumte Kevin Schwab ein. Sporadisch sei er beim Zeltaufbau dabei gewesen, um in einer Lernpause, den Kopf freizubekommen und rechtzeitig unbeschwert das große Jubiläum mitfeiern können.

Warum die Branche an Nachwuchskräften leidet, führt Berthold Schmid, wie viele andere seiner Handwerkerkollegen, die das gleiche Lied singen können, darauf zurück, dass viele junge Leute heutzutage nicht unbedingt einen Handwerksberuf in ihrer Lebensplanung haben, sondern aufgrund der höheren Schulbildung einen verstärkte Drang zum Studium zeigen.

Das Problem sei aber auch gesellschaftlich bedingt, denn viele Jugendliche sind der Meinung, im sozialen Umfeld mit einer handwerklichen Berufswahl nicht punkten zu können. Zudem stammten immer mehr Jugendliche aus Elternhäusern, die selbst keine Verbindung mehr zum Handwerk haben und von ihren Kindern das Abitur oder einen Hochschulabschluss erwarten. Doch alle wollten gute Handwerker haben, wenn man selbst Bedarf habe, aber wenige nur wollten es werden.

Also würden von der Kundschaft schon auch Ansprüche gestellt, auch zu Recht. Diese könne der Handwerker auch erfüllen, denn er müsse Gewerke übergreifend denken, planen und handeln können. Das entspreche der eingangs zitierten Vielfalt und Inspiration, zu der auch menschliche Qualitäten sowie Tugenden wie Zuverlässigkeit und Sauberkeit gehören. Dies verkörpere in besonderem Maße auch sein frischgebackener Meister.

Groß gefeiert werden kann allerdings nicht. Die Meisterfeier sollte zusammen mit dem 25-jährigen Betriebsjubiläum begangen werden, das im vergangenen Jahr unter anderem krankheitsbedingt ausfallen musste. Nun machte aktuell das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ein symbolischer kleiner Meisterbaum vor dem Betriebsgebäude kündet doch sichtbar vom "freudigen Ereignis".

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