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Eutingen/Straßburg Todesangst an deutsch-französischer Grenze

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Deutsche Polizisten kontrollieren den Verkehr an der Europabrücke zwischen Straßburg und Kehl. Foto: Gollnow

Eutingen/Straßburg - Chaos an der deutsch-französischen Grenze: Nach dem Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt wurden die Kontrollen am Rhein verstärkt. Mittendrin: Klaus Schwarzer. Der Eutinger stand am Mittwoch sechseinhalb Stunden an der Grenze – und ist sauer auf die deutsche Polizei-Führung.

Einmal den schönen Weihnachtsmarkt im elsässischen Colmar besuchen – diesen Wunsch erfüllte sich am Mittwoch Klaus Schwarzer zusammen mit seiner Ehefrau Manuela. "Meine Frau hatte mal einen Beitrag über Colmar gesehen", sagt der 60-jährige Unternehmer, "dort gibt es gleich fünf Weihnachtsmärkte mit verschiedenen Themen."

Gelbwesten an den Kreiseln

Dass sich am Tag zuvor der Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt ereignete, brachte die Schwarzers nicht von ihrem Plan ab, über den Rhein zu fahren. Umso überraschter waren sie, wie unproblematisch auf dem Hinweg der Grenzübertritt war. "Wir sind gegen 11 Uhr in Breisach über Grenze gefahren. Da stand kein einziger Polizist. Weder ein deutscher noch ein französischer", wundert sich Schwarzer, dem lediglich die Gilets Jaunes auffielen: "Die einzigen, die da waren, waren die Gelbwesten. Die hatten in jedem Kreisverkehr ein kleines Lager."

Hier geht's zu unserem Liveblog nach dem Terroranschlag in Straßburg

Den Weihnachtsmarkt in Colmar konnte der 60-Jährige mit seiner Frau trotz des erhöhten Sicherheitsaufkommens genießen. Überall seien Maschinenpistolen zu sehen gewesen, beobachtete der Eutinger, zudem waren die Zufahrtsstraßen mit Müllwagen und Kleinbussen blockiert, um den Weihnachtsmarkt zu schützen. Beklemmend fand Schwarzer das nicht – im Gegenteil: "Wir haben uns dadurch sehr sicher gefühlt."

Vier Polizisten an der Grenze

Auf der Rückfahrt änderte sich das. Die Schwarzers wollten dieses Mal über die Europabrücke zwischen Straßburg und Kehl fahren – der meistbenutzte deutsch-französische Grenzübergang. Nach einem kurzen Einkauf in Straßburg starteten die beiden Eutinger gegen 16.30 Uhr – und standen eine halbe Ewigkeit an der Grenze. Schwarzer: "Nach drei Stunden sind wir dann umgedreht und wollten den Grenzübergang etwas weiter südlich in Richtung Offenburg nehmen. Doch da kamen wir vom Regen in die Traufe."

Denn: Auch am Grenzübergang Pont Pflimlin im Straßburger Süden wurde intensiv kontrolliert. Das Problem: von gerade einmal vier deutschen Polizisten. Das zog sich über Stunden hin. "Den vier Polizisten mache ich keinen Vorwurf. Die haben einen Super-Job gemacht", betont der Eutinger Unternehmer und kritisiert: "Wie kann ich als Führungsebene der Polizei da nur vier Jungs hinstellen?"

Doch auch an der Pont Pflimlin sah Schwarzer handwerkliche Fehler. Anstatt große Fahrzeuge auf den danebenliegenden Parkplatz zu leiten, habe man sie mitten auf der Fahrbahn durchsucht – ohne Schutz für die nachfolgenden Autos. Auch die Schwarzers standen in der Schlange hinter einem Lastwagen, dessen Ladefläche die Polizisten direkt vor ihrer Windschutzscheibe geöffnet hätten. "Wenn der Attentäter da drinsitzt, dann eröffnet der doch sofort das Feuer – und meine Frau und ich sind kaputt", schimpft Schwarzer. "Ich habe in dem Moment meine Frau angeschaut und sie mich. Wir waren schneeweiß im Gesicht. Wir hatten danach Todesangst."

Beschwerde in Stuttgart

Am Donnerstag nahm Schwarzer dann Kontakt mit Volker Schindler auf. Er ist Bürgerbeauftragte des Landes Baden-Württemberg und zuständig für den Kontakt zwischen Bürgern und der Polizei. "Ich habe ihn gefragt, warum da nur vier deutsche Polizisten an der Grenze stehen. Er meinte, so etwas würde mehr Vorbereitung brauchen. Ich habe gesagt: Falsch, da braucht man nur einen Anruf", ärgert sich Schwarzer. Er hätte sich gewünscht, dass zum Beispiel Nachwuchskräfte von der Hochschule der Polizei in Villingen-Schwenningen herangezogen werden. Auch Zollbeamte, die früher an der deutsch-französischen Grenze standen, hätten aus Schwarzers Sicht eingesetzt werden können. "Dann heißt es halt mal: Heute werden keine Steuern eingetrieben, heute werden Menschen geschützt", meint der Eutinger.

Für die Schwarzers wurde der Weihnachtsmarktbesuch in Colmar damit zu einer echten Odyssee. Drei Stunden Warten an der Kehler Europabrücke, dann noch einmal dreieinhalb Stunden an der Pont Pflimlin. Erst um 1 Uhr nachts waren sie wieder in Eutingen.

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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