Die Kopien der Götterköpfe Minerva (von links), Apollo und Mercurius II sowie die Eule sind nun im Rathaus angekommen. Foto: Feinler

Nachbildungen der Köpfe machen Geschichte lebendig. Künftig sind sie in einer Glasvitrine im Rathaus zu sehen.

Eutingen - Sie schlummern gut verpackt in Luftpolsterfolie und warten im Eutinger Rathaus auf ihren großen Moment: Die Abgüsse der Götterköpfe, die in der Nähe des Neuen Bahnhofs, nordöstlich von Rohrdorf gefunden wurden.

Im Zuge des potenziellen barrierefreien Eutinger Rathauses sollen sie in Glasvitrinen ausgestellt werden, so Bürgermeister Armin Jöchles Wunsch.

Mit dieser Positionierung will er den bemerkenswerten Funden die Aufmerksamkeit zukommen lassen, die sie verdienen. Immerhin sind die Teile der ehemaligen Götterstatuen »das einzig erhaltene Zeugnis einer großformatigen Statuen-Serie der Zwölfgötter aus dem Altertum«, schreibt Archäologe Ernst Künzl über die Zwölfgötter von Rohrdorf.

Götterhalle ein Teil der kaiserlichen Domäne

Nimmt man die Kopien der Originale in die Hände, ist der Mythos der alten Geschichte zu spüren. Experten halten es für wahrscheinlich, dass die aus dem Osten eingeschleppte Pest und der Markomannenkrieg Anlass zur »Stiftung des Rohrdorfer Heiligtums« gaben. Diese Götterhalle soll ein Teil der kaiserlichen Domäne gewesen sein, lag sie doch an der alten Römischen Straße, die von Rottenburg aus verlief. So wurden wohl zu spät- antoninischer Zeit unter Kaiser Marcus Aurelius um 166 nach Christus die größeren Figuren wie Apollo, Diana, Hercules, Iuno, Mars, Mercurius I und Venus geschaffen. Die anderen fünf Götter – Bacchus, Iupiter, Mercurius II, Minerva und Ceres – folgten in der severischen Zeit, 193 bis 217 nach Christus.

Weshalb das Heiligtum umgestaltet wurde, ist den Experten nicht bekannt. Sie haben jedoch festgestellt, dass die jüngeren Skulpturen nur noch lebensgroß und damit kleiner als die vorherigen sind.

Den Unterschied sieht man den Kopien der Götterköpfe erst auf den zweiten Blick an. Nebeneinander stehend fällt auf, dass der Kopf des Apollo den von Minerva und Mercurius II übertrumpft. Vom Gewicht her unterscheiden sich die aus Kunststein gefertigten Köpfe nicht groß. Sie sind alle ziemlich schwer, weshalb sie auch nur mit beiden Händen aus ihrer sicheren Verpackung befreit werden können.

Fundstelle östlich vom Neuen Bahnhof

Mit ihrer terracotta-braunen Farbe sehen sie den Originalen zum Verwechseln ähnlich. »Sie sind wirklich sehr gut geworden«, lobt Bürgermeister Armin Jöchle die Arbeit der Gipsformerei Weinreuter in Freiberg (Kreis Ludwigsburg). Die Originale, ein großer Torso des Gottes Mars, acht Götterköpfe, drei Dutzend größere sowie hundert kleine Skulpturen, wurden 2001/2002 östlich vom Neuen Bahnhof in Eutingen gefunden und zur Untersuchung ins Archäologische Landesmuseum nach Rastatt gegeben.

Nach der Freigabe machte das Unternehmen Weinreuter Silikonabgüsse. Anhand dieser wurden die Kopien aus Kunststein gefertigt. Jedoch können diese Nachbildungen nicht ohne Probleme aufgestellt werden, da sie wie die Originale nicht gerade abgeschnitten sind, sondern Ecken und Kanten aufweisen. Daher will die Gemeinde vorübergehend ein Gestell aufbauen, an das die Köpfe angebracht werden können.

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