Die Baufirma Seele hat ihr Baustellendepot aufgelöst – sie hat sich buchstäblich vom Acker gemacht. Foto: Morlok

Rohrdorfer GmbH mit Problemen. Geplanter zweiter Bauabschnitt wird verworfen.

Eutingen-Rohrdorf - Die weitere Entwicklung der "Bioenergie-Rohrdorf GmbH" steht schon wenige Monate nach ihrem vielversprechenden Start vor dem Aus.Ein Projekt, das auf Nachhaltigkeit ausgelegt war, ist damit bereits in der ersten Umsetzungsphase steckengeblieben.

 

Nicht nur viele Anzeichen und Gerüchte, die in Rohrdorf die Runde machen, sondern harte Tatsachen sprechen dafür. Allein schon, dass die Baufirma Seele und der Rohrlieferant Schäfer ihr "Lager" an der Ecke Grundweg/Horber Weg geräumt haben, spricht eine eigene Sprache.

Von den beiden Geschäftsführern der "Bioenergie-Rohrdorf" war dazu bisher leider keine Stellungnahme zu erhalten. Selbst Bürgermeister Armin Jöchle wartet noch auf Antworten zu seinen Fragen, die er schriftlich stellte.

Fakt ist, dass die GmbH auf eine Verlegung ihres Nahwärmeversorgungsnetzes im Sanierungsgebiet "Eichenberg" verzichtet, was auch bereits im Gemeinderat zur Sprache kam. In einer Versammlung wurden darüber die Anlieger informiert, die Vorverträge mit der "Bioenergie Rohrdorf" abgeschlossen hatten.

Die ursprüngliche Planung dieses zweiten Bauabschnittes sah vor, dass die Arbeiten im Zuge der aktuell laufenden Sanierungs- und Erdarbeiten realisiert werden. Betroffen sind von dieser Entscheidung etwa 50 Hauseigentümer, darunter auch der Mitinitiator dieser Energieversorgungsidee, Hans-Peter Baur, und Ortsvorsteher Rolf Walddörfer. Diesen trifft es besonders hart, wie er in einem Telefonat sagte. Seine Heizungsanlage sei fällig und er hänge nun in der Luft. "Mache ich nichts, kann sein, dass ich bald keine Heizung und kein Warmwasser mehr habe – lasse ich eine neue Heizung einbauen und die ›Bioenergie-Rohrdorf‹ macht – vielleicht in anderer Konstellation – doch weiter, ärgere ich mich, dass ich mich für eine teurere Energie entschieden habe."

Weiterhin steht fest, dass Mit-Geschäftsführer Werner Singer zumindest derzeit keine Hackschnitzelverbrennungsanlage auf seinem Hof bauen wird. Die Investition von 350 000 Euro sei zu hoch, erfuhren die Interessenten während der "Geheim"-Besprechung zum Baugebiet II, zu der weder Gemeinde- noch Ortsverwaltung eingeladen war. Auch sind die Bioenergiebetreiber mit dem ersten Betriebsergebnis, das sie im Bauabschnitt I, der Wohnsiedlung "Im Grund" eingefahren haben, alles andere als zufrieden. Mit einer jährlichen Abnahme von 2500 kW habe man gerechnet, tatsächlich seien aber je Abnehmer hochgerechnet im Schnitt nur 1600 kW abgerufen worden.

Bedarf an Energie oft schon anderweitig gedeckt

Die vielen Solaranlagen auf den Dächern der Wohnanlage und die Holzvorräte für den Kamin oder Kachelofen zeigen, dass der Bedarf an Energie oft schon anderweitig gedeckt ist.

Trotzdem wird man die Nahwärmeversorgung im Wohngebiet "Im Grund" aufrechterhalten, beruhigte Walddörfer. "Die Bioenergiemasse vom Hof Schweizer reicht dafür aus und zudem hat man dort als Sicherheitspuffer immer noch einen Ölvorrat, mit dem man eventuellen Spitzen abdecken kann".

In einem zusätzlichen, ultimativen Schritt haben sich die GmbH-Geschäftsführer Werner Singer und Johannes Schweizer zum Jahresende 2011 von ihren Beratern Michael Schahl, der nach eigener Aussage mit viel Herzblut das Nahwärmeprojekt in Rohrdorf vorantrieb, und Markus Heß, dem Geschäftsführer der Bioenergie Hoffenheim, getrennt. Sie könnten nun sehr gut allein weitermachen, teilten die Geschäftsführer den beiden mit und entbanden sie so von weiteren Aufgaben, so Schahl in einem Telefonat.

Was wird nun aus dem Titel "Bioenergiedorf Rohrdorf" und den damit verbundenen Fördergeldern von 100 000 Euro? Eine Frage, die sich die beiden Verantwortlichen bereits stellten und deshalb die zuständige Stelle im Wirtschaftsministerium kontaktierte und sie von der Einstellung ihrer weiteren Aktivitäten informierte. Konrad Raab, der zuständige Mann im Ministerium, sagte auf Anfrage unserer Zeitung, dass er abschließend dazu noch nichts sagen könne. Es gebe jedoch zwei Möglichkeiten. Entweder Titel und Fördergelder seien weg oder die Auszeichnung bleibe und die Gelder würden anteilig ausbezahlt. Darüber sei noch keine Entscheidung gefallen.

Eine pikante Note bleibt bei dieser Vorgehensweise. Das Amt im fernen Stuttgart wird informiert – die Ämter und die Menschen im Ort nicht.