Kein besonders heimeliger Ort. Aber für Pendler, die aus Horb und Umgebung per Zug nach Tübingen fahren, ist der Bahnhof Eyach attraktiv. Jetzt gibt’s dort allerdings ein Parkplatzproblem. Foto: Hopp

Rathauschefs rütteln an Bahnhofs-Parkverbot in Eyach. Starzachs Bürgermeister Noé: "Ich finde das nicht gut".

Eutingen/Starzach/Horb-Mühringen - Jetzt macht die Politik Druck, um das Parkverbot am Bahnhof Eyach zu stoppen. Bürgermeister Noé will einen Teil der Schilder wieder weghaben. Heute plant er eine Rundfahrt mit dem Gemeinderat. Dabei hofft er auf eine große Unterstützung für dieses Vorhaben.

Viele Pendler aus der Gemeinde Eutingen, Mühringen oder Starzach nutzen den Parkplatz, um anschließend in den Zug zu steigen.

Noé wurde Ende Oktober vom Landkreis darüber informiert, dass am Bahnhof Eyach die Parkverbotsschilder aufgestellt werden sollen. Starzachs Bürgermeister: "Ich habe sofort Kontakt aufgenommen und gesagt, dass ich das nicht gut finde. Als der Landkreis das tatsächlich umgesetzt hat, hat mich das nicht begeistert." Für Noé ist klar: "Ein Teil der Parkverbotsschilder muss wieder weg."

In der Raumschaft Horb hat Starzachs Bürgermeister jedenfalls Unterstützer. Mühringens Ortsvorsteherin Monika Fuhl will eine Flugblatt-Aktion starten: "Inzwischen habe ich die ersten Beschwerden von Mühringern, die einen Strafzettel bekommen haben. 15 Euro Bußgeld als Dank dafür, dass man den öffentlichen Nahverkehr benutzt."

Sie lässt jetzt Flugzettel drucken, die sie ab Montag bei allen Parkenden am Bahnhof Eyach verteilen will. Fuhl: "Damit soll Druck aufgebaut werden, um eine bessere Lösung als das Parkverbot rund um den Bahnhof zu finden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Parken nur auf einer Seite groß den Verkehr behindern würde."

Apropos Verkehr: Die Gemeinde Starzach hatte auf Anweisung des Landkreis Tübingen dort Halteverbotsschilder aufgestellt. Das Argument, so Klaus Knöller, Sachgebietsleiter Verkehrsrecht vom Landkreis: "Jedes Jahr hat die Straßenmeisterei dort Probleme gemeldet, weil der Winterdienst von den Parkenden behindert wurde." (wir berichteten) Rechtliches Argument: Auf Vorfahrtsstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften ist das Parken verboten.

Doch mit den jetzigen Parkverbotsschildern, so bestätigt uns ein Bahn-Mitarbeiter, wird dem öffentlichen Nahverkehr ein Bärendienst erwiesen. Der Mann: "Es fahren immer mehr Fahrgäste von Eyach Richtung Tübingen. Weil die Bahnhöfe oft weit weg sind, muss man dazu aber mit dem Auto anfahren. Wenn man da die Parkplätze künstlich begrenzt, dann dürfte dieser positive Trend nicht lange anhalten."

Fuhl, die selbst in einem Architektur-Büro in Tübingen arbeitet, sagt, warum der Bahnhof Eyach so im Kommen war: "Wenn ich mit dem Auto nach Tübingen fahre, benötige ich eine Stunde. Mit dem Zug bin ich in 25 Minuten dort am Hauptbahnhof. Dazu ist das Zugticket von Eyach fast halb so teuer wie vom Mühlener Bahnhof." Das stimmt. Mühlen Bahnhof-Tübingen kostet 6,20 Euro, von Eyach (eine Station näher an Tübingen) sind nur 3,20 Euro für einen Weg fällig.

Den Preisunterschied erklärt Anne Lohmüller, Sprecherin des Verkehrsverbundes Naldo: "Eyach gehört zum naldo-Kerngebiet. Beim Bahnhof Mühlen überlappen sich die Tarifgebiete und damit die politische Verantwortung der Landkreise Freudenstadt und Tübingen."

Naldo habe aber auf die Parkplatzsituation an den einzelnen Stationen keinen Einfluss. Und die Pendler rund um den Bahnhof Eyach sind auf die Parkplätze angewiesen. Und die legalen werden immer knapper. Fuhl: "Die Busverbindung von Mühringen ist keine Alternative." Und angesichts des fehlenden Schnees wirkt das Park-Verbot-Argument mit dem Winterdienst für die, die schon die ersten Knöllchen kassiert haben, wohl eher wie ein Hohn.

Auf der Facebook-Seite des Schwarzwälder Boten machen sich die Betroffenen Luft. Jana K. aus Mühringen: "Gäbe es eine Alternative, mein Auto anderswo zu parken, würde ich diese sicherlich nutzen. Aber so ist man gezwungen, sein Auto im Parkverbot abzustellen. Ziemlich verärgert war ich deshalb heute über den ersten Strafzettel – der wohl nicht der letzte bleibt. Noch dazu kommt, dass es nahezu unmöglich ist, von Mühringen mit dem Bus nach Eyach zu kommen: Ein Bus pro Tag, um 6.40 Uhr! Für mich als Studentin ist das nicht gerade ein Schnäppchen: Erst ist es unumgänglich, in ein Auto zu investieren, welches man dann wiederum nicht parken darf. Ernsthaft?"

Das mit den Bussen stimmt: Auf dem Fahrplan am Bahnhof Eyach ist die bittere Wahrheit zu lesen: Täglich fahren genau zwei Busse von Mühringen nach Eyach – einmal um 6.46 Uhr ab Tankstelle und um 16.54 Uhr. Zurück gibt es immerhin drei Busverbindungen: 6.52, 13.42 und 17.02 Uhr. Und Michael W. schreibt: "Bahnhof ohne Parkplätze? Dann doch gleich den Bahnhof mit schließen..."

Starzachs Bürgermeister Noé will genau das Gegenteil: Der Bahnhof Eyach soll wieder zum Schmuckstück werden. Er sagt: "Wir haben versucht, dort Flächen aufzukaufen. Einen Teil des Hauses, um Unterstände für Radfahrer und Reisende zu bekommen. Doch alles ist bisher gescheitert. Mein politisches Ziel ist aber, trotz aller Widrigkeiten, spätestens im Rahmen der Elektrifizierung zwischen Horb-Tübingen und Rottenburg die Situation für Reisende und Pendler am Bahnhof Eyach wieder attraktiv zu machen."