Rohrdorf könnte sich schon bald selbst mit Wärme versorgen / Hausherren können dabei sparen und der Umwelt etwas Gutes tun
Von Martin Dold Eutingen-Rohrdorf. Der Weg zum Bioenergiedorf Rohrdorf erfolgt in Siebenmeilenstiefeln: Nach der Sommerpause wird das Nahwärmenetz erstellt, und schon im kommenden Winter kann im Bereich "Grund" mit Rohrdorfer Wärme geheizt werden. Johannes Schweizer und Werner Singer, die Gesellschafter der Bioenergie Rohrdorf GmbH treiben ihr Großprojekt mit Volldampf voran. Am Freitag, 1. Juli, wird es daher ab 19 Uhr in der Gemeindehalle eine Bürgerinformation geben, um alle Rohrdorfer Bürger auf den gleichen Wissensstand zu bringen. "Das Ganze kann nur funktionieren, wenn viele mitmachen", betonte Bürgermeister Armin Jöchle beim gestrigen Pressegespräch. Es sei die Frage, wie weit die Dorfgemeinschaft zusammen halte. Die Nachfrage sei sehr gut, so die Gesellschafter, das Interesse der Menschen vorhanden. Die Kapazität der Biogasanlage und der noch zu erstellenden Biomassenheizanlage beim Anwesen Singer reiche sogar aus, wenn alle 196 Rohrdorfer Häuser mit Wärme der Bioenergie beheizt werden. Die Heizanlage wird mit Holzhackschnitzeln oder Miscanthus (auch Riesen-Chinaschilf), der vor Ort angebaut wird, befeuert. Rund 15 Hektar Fläche, schätzt Werner Singer, werden mit Miscanthus angebaut – und das wohl nicht in Ortsnähe. Der Miscanthus muss einmal pro Jahr gehäckselt werden.
Dieses Jahr winken noch Fördermittel
Fördermittelberater Michael Schahl hatte einige Argumente parat, warum sich ein Anschluss an das Nahwärmenetz lohne: So gibt es hierfür dieses Jahr noch Fördermittel von 1800 Euro. Man finde in Rohrdorf eine hervorragende Ausgangslage vor, da die Biogasanlage ortsnah liege. Die Investoren seien mit dem Ort verbunden. Zudem seien die Bezugspreise stabil und nicht wie beim Öl von Spekulanten abhängig. Man erhalte Wärme aus gewachsener Landwirtschaft der Region. Die Installation eines nachträglichen Hausanschlusses, so Schahl, sei zwar möglich, aber relativ teuer. Daher empfiehlt er einen sofortigen Einbau, die Umstellung auf die Nutzung der Nahwärme sei auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich – beispielsweise wenn der alte Brennkessel den Geist aufgebe.
Nicht zuletzt, so Johannes Schweizer, könne ein Haushalt Kosten von bis zu 1000 Euro pro Jahr gegenüber beispielsweise einer Ölheizung einsparen.
Los geht es im Gebiet "Grund", doch schon im Frühjahr 2012 soll es in den übrigen Teilen von Rohrdorf mit dem Ausbau des Wärmenetzes weiter gehen, so dass im folgenden Winter auch dort mit "Rohrdorfer Wärme" geheizt werden kann. Das Wärmenetz finanzieren die Investoren, die Hausbesitzer müssen dann für den jeweiligen Hausanschluss aufkommen, der über einen Wärmetauscher erstellt wird.
Nach 20 Jahren soll noch nicht Schluss sein
"Ein kleines Jahrhundertprojekt für Rohrdorf", lautete die Einschätzung von Jöchle für das Großprojekt. Die Anlagen seien zunächst einmal auf 20 Jahre Betriebsdauer ausgelegt, doch dann soll noch längst nicht Schluss sein. Ein Hinweis darauf ist die Dauer des Gestattungsvertrages über die Nutzung der öffentlichen Verkehrswege für die Verlegung von Leitungen des Wärmeversorgungsnetzes der Bioenergie Rohrdorf – dieses läuft über 30 Jahre. Heute Abend entscheidet der Gemeinderat über die Zustimmung zu diesem Vertrag.
Zusätzliche Sicherheit für die Bürger verleihe auch die Tatsache, dass die Gemeinde mit im Boot sei, so Jöchle. Diese sei für die Interessen der Bürger da. Komme das Projekt voran, sei dies ein weiterer Schritt in Richtung erneuerbarer Energien, der von der Gemeinde gewünscht sei.