150 Jugendliche stürmen Fastfood-Restaurant. Einladungsexplosion dank Facebook.
Horb/Eutingen. Am Mittwochabend gab es eine Premiere – der erste private "Flashmob" Horbs stürmte die McDonalds-Filiale im Gewerbegebiet "Rauher Grund". Die Idee dazu hatten Matthias "Matze" Beuter und Kai Dürrenberger aus Eutingen. Sie saßen zusammen in Michael Gruidels Sportheim und sinnierten, was man denn im Freundeskreis gemeinsam unternehmen könne. "Wir waren schon lange nicht mehr zusammen schwimmen", so eine Überlegung. Ihr Aufruf über die Internet-Community "Facebook" zu der Aktion "Wir stürmen das Badkap" brachte jedoch gerade mal schlappe elf Zusagen und den beiden Aktionskünstlern die Erkenntnis, dass man mit einer Handvoll Leute kein Erlebnisbad stürmen kann.
Badkap-Aktion ins Trockene verlegt
Ihre weiteren Gedankengänge brachten sie schließlich auf das Naheliegenste. Da sie sowieso fast täglich in dem Fastfood-Restaurant auf dem Hohenberg einkehren, wurde die Badkap-Aktion ins Trockene verlegt und unter dem Motto: "Wir gehen zu McDonalds" ins Internet gestellt.
Und damit lagen sie genau richtig. Was als kleiner Gag, ohne irgendwelchen Hintergrund, im Freundeskreis angedacht war, wurde rasch zum Selbstläufer. "Die Aktion ist regelrecht explodiert", wunderte sich Matze Beuter im Nachhinein.
Am vergangenen Sonntag wurde der Aufruf bei "Facebook" eingestellt und in wenigen Stunden luden sich rund 1500 Personen gegenseitig zu diesem kurzen, scheinbar spontanen Menschenauflauf, den man neudeutsch als "Flashmob" bezeichnet, ein. Etwa 150 ausschließlich junge Leute, die alle im Umkreis von maximal 30 Kilometer vom Zielobjekt wohnen, wollten dann auch tatsächlich in den Genuss von BigMac und Co. kommen, ein wenig "unter Leut‘ sein und gemeinsam vespern" wie es einer der "Mobber" feinsinnig schwäbisch formulierte.
Aktion bei der Polizei angemeldet
Die Aktion war sauber durchgeplant und sogar bei der Polizei angemeldet, die zur "Mobbing-Zeit" Streife fuhr. Sie war durchweg friedlich und wäre ein wenig spektakulärer verlaufen, hätten sich alle Teilnehmer an die Vorgabe der Organisatoren gehalten und vor Betreten des Lokals zum geschlossenen Einmarsch versammelt. Bei der eisigen Kälte hatten aber viele keine Lust, im Freien auf den Startschuss zu warten und gingen schon mal vor, reservierten sich einen Platz und bestellten schon mal das Essen. So wurde das "Flashmob-Feeling" zwar entzerrt, der Spaß aber blieb. Auf beiden Seiten.
Für Filialleiterin Marzena Bräkau kam die Aktion nämlich nicht ganz so überraschend wie eigentlich von den Organisatoren gewünscht war. Bräkau und ihr Team waren vorbereitet, freuten sich auf den Ansturm und hofften sogar, dass sie den "Flashmob-Rekord" ihrer Freudenstädter Kollegen von vor zwei Jahren mit 1000 Cheeseburgern bei 600 Besuchern knacken könnten. Daraus wurde leider nichts. Innerhalb von 20 Minuten hatten die Mitarbeiter jede noch so ausgefallene Bestellung über den Tresen geschoben und hätten locker noch einmal die doppelte Menge abarbeiten können. "Da ist am Montagmittag nach Schulschluss viel mehr los", resümierte die Filialleiterin.
Der erste Horber "Flashmob" war also mehr ein "Möbble", bei dem wenigstens niemand verhungert ist. Aber das lässt die Organisatoren keineswegs an der Grundidee zweifeln. Sie wollen nun mit einer extra eingerichteten Fan-Page Anregungen für neue Aktionen sammeln und diese nach und nach umsetzen.
Wer im ersten Moment sozialkritische Inhalte vermutete, liegt also falsch. Im Vordergrund steht hier, ganz im Zeichen jugendlicher Popkultur, die pure Zerstreuung.