Am Bahnhof in Hochdorf herrschen ähnliche Zustände wie in Eutingen. Foto: Hopp

Jöchle nimmt wegen unhygienischer Zustände an Bahnhöfen Kontakt mit DB Station & Service AG auf.

Eutingen - Rohrdorfs Gemeinderat Arne Linau machte unlängst Bürgermeister Armin Jöchle auf die unhaltbaren hygienischen Zustände rings um den Eutinger Bahnhof aufmerksam, die teils so weit führen, dass wildfremde Leute beim Schreiner Peffer läuten und fragen, ob sie bei ihm mal auf die Toilette dürften.

Für Jöchle war dies Grund genug, der Sache nachzugehen, wie er in der jüngsten Gemeinderatssitzung bekannt gab. Das Ergebnis seiner Recherche – die auch auf den Bahnhof Hochdorf zutrifft, der ebenfalls auf der Gemarkung Eutingen liegt – haben ihn veranlasst, mit der DB Station & Service AG Bahnhofsmanagement mit Sitz in Karlsruhe am 14. Februar schriftlichen Kontakt aufzunehmen, um dort auf die schlimmen Zustände auf den beiden Eutinger Bahnhöfen hinzuweisen.

Armin Jöchle schrieb unter anderem: "In letzter Zeit häufen sich wieder die Klagen der Anwohner und Fahrgäste der DB AG über eine fehlende Toilettenanlage am Bahnhof in Eutingen. Als Betreiber des Bahnhofes sind Sie, auch aus Sicht der Fahrgäste und der Anlieger des Bahnhofes, für die unhygienischen Zustände rund um den Bahnhof in Eutingen verantwortlich."

Jöchle weiter: "Nach uns vorliegenden Aussagen und Berichten müssen viele Fahrgäste oft eine Stunde und länger auf ihre Anschlusszüge warten. Die im Bahnhof ›gestrandeten‹ Fahrgäste haben in Ihrem Bahnhof keine Möglichkeit, eine Toilette aufzusuchen. Viele Ihrer Fahr­gäste verrichten ihre Notdurft daher im Freien, zwischen den Autos, an Gebäuden und dergleich. Ne­ben diesen unhygienischen Zuständen ist es in einem modernen und zivilisierten Staat, auch für die Kunden Ihres Unternehmens, mehr als unbefriedigend und beschämend, sich so ver­halten zu müssen."

In einem weiteren Passus seines Schreibens stellt der Schultes klare Forderungen. "Als Betreiber des Umsteigebahnhofs und damit Verursacher dieses hygiene- und men­schenunwürdigen Zustandes bitte ich Sie im Interesse Ihrer Fahrgäste und dem Ansehen der DB AG und der Umwelt, hier Abhilfe zu schaffen.

Als Ordnungsbehörde fordern wir Sie dazu zusätzlich noch auf." Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, schrieb er, dass er das Schreiben auch an Hans-Joachim Fuchtel, Staatssekretär beim Ministerium für Arbeit und Soziales schicke, da von der ge­schilderten Problematik oftmals auch ältere und behinderte Menschen betroffen sind.#

Für Bürgermeister und Gemeinderat sind Interessen der Bürger im Fokus

Der Leiter der Sparte Bahnhofsmanagement, Leonhard Reiß schickte vier Tage später folgende Stellungnahme: "Als Betreiber der Personenbahnhöfe sehen wir uns immer wieder mit dem an die DB gerichteten Wunsch der Kommunen nach Vorhaltung von Toiletten an unseren Stationen konfrontiert. In den meisten Fällen haben sich die Kommunen aber selbst schon von diesen Thema zurückge­zogen.

Ihre Ansicht, die DB sei für das Fehlverhalten von Reisenden (und sicher auch Ihren Bürgern) verantwortlich, können wir allerdings nicht teilen. Wir sehen uns auch keineswegs als Verursa­cher irgendwelcher bedenklichen Hygienezustände an diesem Bahnhof. Zumindest in den Zü­gen der DB werden Toiletten vorgehalten, so dass durchaus eine Wartezeit am Bahnhof bis zum nächsten Zug überbrückt werden kann, ohne das Umfeld des Bahnhofs in Anspruch nehmen zu müssen."

Die verkehrliche Bedeutung von Eutingen mit knapp 2000 Ein- und Aussteigern, erachte Reiß als vergleichbar mit vielen anderen Stationen. Man könne deshalb sowohl aus wirtschaftlicher Sicht als auch wegen der fehlenden sozialen Kontrollen keine WC-Anlage realisieren. "Ihrem Wunsch nach Wiederinbe­triebnahme der ehemaligen Toiletten können wir leider nicht nachkommen", so der Bahnmanager.

Auch Jöchles Ankündigung, die Fahrgäste über einen medialen Aufruf aufzu­fordern, sich zu diesem Thema zu äußern, hielt Reiß für sehr befremdlich und wenig hilfreich in der Sache.

Der Eutinger Gemeinderat sieht das völlig anders. Zusammen mit dem Bürgermeister würde man sich sehr dafür interessieren, was die Bevölkerung zu diesem Thema denkt, und man sei gespannt auf diesbezügliche Rückmeldungen, ließ das Gremium verlauten.