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Eutingen Donauschwäbische Traditionen bewahrt

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Josef Bernwallner feiert heute seinen 90. Geburtstag im engsten Familienkreis.Foto: Nesch Foto: Schwarzwälder Bote

Der Weitinger Josef Bernwallner kann heute noch ziemlich rüstig seinen 90. Geburtstag feiern. Das große Fest muss coronabedingt ausfallen.

Eutingen-Weitingen. Geboren im ungarischen Sar, in der Nähe von Budapest, als einziger Sohn einer Kleinbauern- und Handwerkerfamilie, blickt Josef Bernwallner auf ein bewegtes Leben mit vielen Schicksalsschlägen zurück. Dass es ihn nach Deutschland und ins Gäu verschlagen hat, darüber ist er aber längst glücklich und zufrieden.

Seine Vorfahren aus dem Schwarzwald siedelten sich schon zu Zeiten der habsburgischen Kaiserin Maria Theresia in Ungarn an. Mit knapp 14 Jahren verlor er seinen Vater, der 1944 von der russischen Front nicht zurückkehrte. An Heiligabend desselben Jahres musste er mit seiner Mutter und der schwerkranken Großmutter fluchtartig die Heimat verlassen.

Strapaziöse Flucht über Breslau und Österreich

Mit einem Kuhfuhrwerk und mit den auf einem Leiterwagen geladenen Habseligkeiten ging es zum nächsten Bahnhof. Dort musste der dreiköpfige Rest der Familie sein Kuhgespann zurücklassen. Sie waren jedoch glücklich, den anrückenden Russen entkommen zu sein.

Josef Bernwallner sind die Bilder noch genau in Erinnerung. Sie ziehen wie ein Film aus schrecklichen Zeiten immer wieder vor seinem inneren Auge vorbei.

Mit der Eisenbahn ging es dann bis nach Breslau in Schlesien. Als aber die Russen über Polen anmarschierten, floh die Familie nach Österreich. Während dieser erneuten Flucht wurden die Züge von russischen Flugzeugen beschossen. Dabei hatten die Bernwallners Glück im Unglück, als sie des Nachts in einem Bahnhof Unterschlupf finden konnten, während Lokomotive und Waggons von Granaten getroffen und zerstört wurden.

Den Winter verbrachten sie dann in einem Lager in Wien und, nachdem eine Rückkehr nach Ungarn scheiterte, brachte sie im Frühjahr 1945 ein Flüchtlingstransport zurück nach Oberösterreich. Zuvor musste auch der Verlust der Großmutter verschmerzt werden.

Schließlich landeten Mutter und Sohn in Bondorf im Gäu. "Hier", so erzählt Josef Bernwallner, "begann für mich am 16. April 1946 ein neues Leben." Der Donauschwabe musste erst einmal richtig Deutsch lernen, absolvierte eine Schreinerlehre und war bis 1955 in seinem erlernten Handwerk tätig. Dann wechselte er zu Daimler nach Sindelfingen, arbeitete dort zunächst als Schreiner und war zuletzt als Kolonnen- und Gruppenführer eingesetzt.

Im Jahr 1955 heiratete er seine Frau Luise, geborene Michel, und baute mit ihr zusammen in Ergenzingen ein Haus. Die Ehe blieb kinderlos und nur ein halbes Jahr vor der Goldenen Hochzeit musste er den Tod seiner Frau nach schwerer Krankheit, da sie in den letzten zehn Jahren ihres Lebens ein Pflegefall gewesen war, verschmerzen.

Feier nur im engsten Familienkreis

In "Klein-Paris" integrierte er sich schnell durch seine aktive Mitgliedschaft beim TuS Ergenzingen und im Harmonika-Club als aktiver Akkordeonspieler. Als Alleinunterhalter spielte er noch bis vor ein paar Jahren bei geselligen Veranstaltungen und an der Fasnet auf. Zudem leitete er 15 Jahre lang als Vorsitzender die Ergenzinger Donauschwaben. Viele von ihnen hatten sich nach dem Zweiten Weltkrieg als Heimatvertriebene dort niedergelassen und eine neue Heimat gefunden.

Seine Führungstätigkeit brachte ihm auch den Beinamen "Donau-Sepp" ein, unter den ihn heute fast jeder kennt. Zu verdanken hat er ihn Anna Vees, einer Weitingerin des unternehmungslustigen Jahrgangs 1932, als es in einer fröhlichen Runde um die Unterscheidung der vielen Josefs, Seppers und Sepple gegangen ist.

Zum Jahrgang 1932 kam Bernwallner durch seine Lebensgefährtin Theresia Fischer, deren früh verstorbener Ehemann Theo Fischer ebenfalls ein 1932er war. Gefeiert wird corona-bedingt nur im engsten Familienkreis. Aber "ein paar vermummte Gratulanten" werden schon vorbeischauen.

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