Es gibt viel zu tun am Eutinger Bahnhof: Das Unternehmen Deutsche Bahn will bereits Ende März mit den Sanierungsmaßnahmen beginnen. Foto: Morlok

Arbeiten sollen schon Ende März beginnen. Ergenzinger müssen noch weiter Geduld haben. Kosten belaufen sich auf 3,6 Millionen Euro.

Eutingen - Bahnhöfe sind seit jeher wichtige Knotenpunkte für Reisende, die sich für die Schiene entscheiden. Doch seit Jahren häufen sich die Klagen, dass diese wichtigen Haltepunkte immer mehr verwahrlosen.

Es sind nicht nur die Bahnhofsgebäude selbst, die zu Schandflecken verkommen und von der Bahn aufgegeben und an private Investoren verkauft werden, sondern die gesamte Infrastruktur der Bahnanlagen, also Bahnsteige, Sicherheitseinrichtungen sowie Ein- und Umsteigemöglichkeiten für Rollstuhlfahrer oder andere Menschen, darunter viele ältere Bahnreisenden, die ihre Gleise nur sehr mühsam oder gar nicht erreichen können. Viele der ländlichen Bahnhöfe sind schon lange nicht mehr auf dem Stand der Technik. So auch die beiden Anlagen in Eutingen und Ergenzingen.

Bahnsteigkanten oder Gleisbetten passten vielleicht noch zu Dampfzugszeiten zusammen, bei den heutigen Zügen passt aber auf vielen Bahnhöfen gar nichts mehr. Zwischen Schienenoberkante und Bahnsteig bestehenden teilweise exorbitante Höhendifferenzen, so dass man schon beim Ein- und Aussteigen auf gar keinen Fall von einer behindertengerechten Barrierefreiheit sprechen kann. Aus diesem Grund wurde mit dem Land Baden-Württemberg ein Bahnhofsmodernisierungsprogramm vereinbart. In diesem sind die Bahnhöfe beziehungsweise deren Gleisanlagen im Land benannt, die sukzessive barrierefrei umgebaut werden. 21 Knotenbahnhöfe werden so gesamthaft modernisiert und erhalten barrierefreie Zugangsmöglichkeiten.

Einer der wichtigsten Parameter für die Entscheidung, welche Bahnanlage modernisiert wird ist das tägliche Fahrgastaufkommen. Hier nimmt Eutingen mit einer täglichen Fahrgastfrequenz von mehr als 2000 Fahrgästen eine Spitzenstellung ein. Kein Wunder, liegt dieser Kontenpunkt in der Mitte der beiden Hauptverkehrsstrecken Karlsruhe und Bodensee und dient vielen Pendlern als Zustiegs- und Umsteigebahnhof.

Vor gut einem Jahr wurde während einer Gemeinderatsitzung bekannt gegeben, dass die Baugenehmigungen für den Umbau der Eutinger Bahnanlage vorliegt, Baubeginn oder Ausführung jedoch in der Hand der Eigentümer, in diesem Falle der Deutschen Bahn, liegt. Wann die mit den Modernisierungsmaßnahmen beginnen, wisse man allein bei der Bahn und daher könne man dazu gar nichts sagen, hörte man damals aus dem Eutinger Rathaus.

Das man nun noch im März dieses Jahres laut einer Pressemitteilung aus dem Stuttgarter Regionalbüro Kommunikation (GKK /S) der DB Mobility Logistics AG mit den Modernisierungsmaßnahmen beginnen wird, überraschte sogar die Eutinger Verwaltung.

Wie ein Mitarbeiter des Regionalbüros auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten erklärte, war eigentlich vorgesehen, das Rathaus zeitnah zu informieren, was jedoch noch nicht geschehen sei. Warum in Eutingen der Umbau nun so rasch begonnen wird, begründete der Bahnsprecher damit, dass eine Entscheidung für den Eutinger Bahnhof aufgrund der internen Ersatzinvestitionslogik von DB Station & Service getroffen wurde.

Diese basiert auf zahlreichen Parametern, unter anderem Alter und Zustand der Bestandsanlagen. Der Beginn der Vorarbeiten an der Oberleitungs- und Signaltechnik ist am 23. März 2015, die Arbeiten an den Bahnsteigen sollen am 30. März 2015 beginnen. Die geplante Fertigstellung der Baumaßnahmen ist auf August 2016 terminiert. Diese relativ lange Bauphase ist dem Umstand geschuldet, dass der Bahnbetrieb auch während der Umbauphase reibungslos weiterlaufen muss. Die Kosten für die Gesamtmaßnahme belaufen sich auf 3,6 Millionen Euro. Dazu gehört die Erhöhung der Bahnsteige auf eine Länge von mehr als 200 Meter, sowie der Einbau von zwei Aufzügen sowie die Verbesserung der Bahnsteigausstattung mit rutschfestem Belag und einem optimierten Blindenleitsystem.

Die Ergenzinger müssen auf solch umfangreiche Sanierungsmaßnahmen sicher noch einige Jahre warten. "Auch der Bahnhof Ergenzingen ist bei uns in die Planungen einbezogen. Jedoch ist die Finanzierung der Maßnahme noch nicht abschließend geklärt, ein voraussichtlicher Planungsbeginn ist für 2016 terminiert", teilte das Regionalbüro auf unserer Anfrage schriftlich mit.

In Ergenzingen zählt man weniger als 500 Bahnreisende täglich, und daher hat die Rottenburger Teilgemeinde höchstens dann Chancen ihren ungeliebten "Klotz", wie sie die Überbrückungskonstruktion seit Jahren nennen, wegzubekommen, wenn es gelingt diese Bahnanlage entgegen der ursprünglichen Vorgabe, die besagt, dass nur Bahnhöfe mit einem täglichen Besucheraufkommen von 1000 Personen oder höher barrierefrei auszustatten werden, ins Leistungs- und Finanzierungskonzept reinzubekommen. "Bisher ist lediglich der Planung dieses Vorhabens finanziert – mehr auch nicht", betonte der Bahnsprecher abschließend.