Für den Mimimi-Club gab die Narrenzunft dem Bürgermeister Armin Jöchle und seinen Räten Prinzenpaar-Baby "Nele’s-Schnullis" aus. Foto: Schwarzwälder Bote

Fasnet: Die Eutinger Narren stürmen das Rathaus / Horst Niessner zum "Ehrenmitglied der Närrischen Sitzung" ernannt

Das noch immer nicht barrierefreie Eutinger Rathaus, die fehlende Frau im Bezirksbeirat und weitere Verfehlungen rieben die Eutinger Narren bei der närrischen Sitzung mit Rathausstürmung dem Bürgermeister und seinen Räten gestern unter die Nase.

Eutingen. Prinzessin Bianca und Prinz Pascal herrschen nun über den "Pilgerort", was Schultes Armin Jöchle missfiel. Doch nicht nur Kritik bekamen die Räte von Zunftmeister Thorsten Weiß zu hören, er ernannte auch den ehemaligen Gemeinderat Horst Niessner nach 30 Jahren zum "Ehrenmitglied der Närrischen Sitzung": "Ich sage mit Recht – aktiv und engagiert, da er in dieser Zeit stets mit seiner Gosch n’ Spruch zum Besten gegeben und dadurch auch die Närrische Sitzung zu dem gemacht hat, was sie ist." Die Prinzessin Bianca schmückte Niessner mit der Schelladralle-Kapp, die ihm aber nicht so gefiel, denn da würde er auch im Dunkeln auf dem Weg nach Göttelfingen auffallen. Der Horst dürfe nun weiter die närrischen Sitzungen am Schmotzigen Donnerstag besuchen, wobei sich die Narren von ihm Unterstützung erhoffen. Immerhin würden die Weitinger alles und die Eutinger nichts erhalten. So sei die Markthalle in Weitingen bereits mehrfach genutzt worden, der Eutinger Verbrauchermarkt nur ein Phantom.

Kindergartenbetreuung soll ins Rathaus verlegt werden

Zunftmeister Weiß forderte die Gemeindemitarbeiter auf, bei den Bürgern im Gäu nachzufragen, was sie bräuchten. Wenn sie dann von einem Teilort zum nächsten unterwegs seien, könnten sie den Einkaufsdienst erledigen. Von Umwegen sprach auch der Prinz, dem einiges aufgefallen war: "Weite Wege waren nötig – im letzten Jahr, denn die Großbaustelle Richtung Göttelfingen war da. Gesperrt war die Straße am Bahnhof Nord, endlich ist die Baustelle fort." Zwar sei laut der Prinzessin der Bahnhaltepunkt Nord feierlich eingeweiht worden, aber die kostenfreien Getränke und das Essen hätten nichts gebracht, wenn der Zug nicht immer halten würde. Weiß empfahl daher der Gemeinde, nächstes Mal der Bahn etwas zu spendieren, dann würde das mit der Zugverbindung auch klappen – oder, wie der Bürgermeister anmerkte, würde kein Zug mehr aufgrund des Alkoholpegels halten.

Da das barrierefreie Rathaus noch ewig nicht kommen werde, schlug der Zunftmeister vor, die Kindergartenbetreuung ins Rathaus zu verlegen: "Dann wäre im Rathaus auch endlich mal wieder Bewegung und die Verwaltung hätte mal was G’scheits zu tun." Der Bürgermeister bekam zu hören, dass er schon oft einen Kindergarten um sich habe. 

Ein wohlgehütetes Geheimnis zum Wohnort des Brauchtums-Papst Jakob sei gelüftet. "Wir sind Papst", freute sich Zunftmeister Stefan Rüth. Da Jakob in Eutingen lebe, soll die neuen Haltestelle "Eutingen Nord" in Haltestelle "Eutingen-Vatikan", seine Heimatstraße in "Papst-Jakob-Weg" und die Narrenhalle in "die Audienzhalle" umbenannt werden. Die Kosten würde die Kirche bezahlen, was Rat Martin mit seinem Kirchengemeinderatsbruder am Küchentisch klären solle. Einstimmig wurde der Antrag genehmigt und auch der Rest ging durch, denn die Räte hatten keine passenden Argumente. 

Einen Zwiebelrostbraten wünschten sich die Narren für die Sitzung, bevor man Geld wieder für so nützliche Dinge wie die Umzäunung eines Bolzplatzes in Rohrdorf oder das Millionen-Projekt Weitinger Halle ausgebe. "Den Zaun könnet ihr haben, den wollten wir au net", wusste Ratsmitglied Gerhard Schweizer. Damit auch die Narren bei den Gemeindeprojekten, wie der Weitinger Halle, mitanpacken, bekam jeder eine Arbeitsweste. Ein Stück Breitbandkabel gab es als Symbol für das "gute Internet" in der Gemeinde Eutingen. 

Aufatmen wollte der Schultes schon, als der Prinz auf das närrische Treiben vor dem Rathaus mit Hexentanz hinwies. Doch die Narren hatten auch dieses Jahr das versprochene Grillfest nicht vergessen und drohten ansonsten mit schlechter Bewertung von der Aufsichtsbehörde. Aus den Reimen des Schultes Armin Jöchle sollte herausgehen, dass alle was vom "Rathaus wellet", aber woher soll das Geld kommen: "Frogscht d’ Ortschafts- ond Gemeinderat – no guckscht du manchmol ganz sche bled, denn mancher möcht, wia’s halt so goht – Bei sich a Superangebot." Dabei hätte es eine schöne Straße nach Bethlehem mit Beleuchtung gegeben, nur blöd, dass Horst Niessner diese nicht mehr zum Heimlaufen bräuchte. Auch am Bahnhaltepunkt würde so mancher Zug halten und für den Edeka gabs ja schon den Spatenstich. Um so manche Baustelle müsste sich jetzt das Prinzenpaar kümmern. "D’ Festhall, des ka au net sei, dia stuft ma bald als Denkmal ei. D’ Ortsdurchfahrt ist nemme schee, do send die Stroßaeiläuf he." Wenn jetzt noch das KVT nach Horb kommen würde, wär die Straße komplett sanierungsbedürftig.

Doch seine Ausschweifungen brachten nichts, die Zunftmeister und das Prinzenpaar sowie die Narren eroberten das Rathaus, hissten die Narrenfahne und übernahmen ganz offiziell die Regentschaft – und der Schultes konnte seinen Wunsch erfüllen und in die Eutinger Festhalle zur Fasnet schreiten, wenn auch in Fesseln.