Gespräche über Verkehrsprojekt am Bahnhof / Gemeinderäte sind über Gedankenspiel informiert
Von Lena Müssigmann Eutingen. Der Bahnhof Eutingen könnte sich zu einem großen Warenumschlagplatz der Region mausern. Ein Gesprächskreis aus Experten und Politikern diskutiert bereits, ob sich das Projekt finanziell lohnen würde. Die Bevölkerung war über die Idee bislang nicht informiert. Bisher fahren Güterzüge am Bahnhof Eutingen nur vorbei. Bald könnten sie im Gäu Halt machen, um be- oder entladen zu werden. Bereits seit dem vergangenem Jahr ist der Bau eines Güterbahnhofs im Gespräch, an dem Ware von der Straße auf die Schiene und andersherum verladen wird, wie bei einem Vortrag von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) in Horb bekannt wurde. "Die Gemeinde ist noch nicht an die Öffentlichkeit gegangen, weil das Projekt noch auf Eis liegt", sagt Winfried Seele, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde. "Sobald das Ganze spruchreif wird, binden wir die Bevölkerung in die Entscheidung ein."
Ein Gesprächskreis aus Vertretern der Gemeinde Eutingen, der Bahn, Wirtschaft, Landesregierung und der IHK hat sich bereits über das Thema beraten und will demnächst nach Angaben eines Bahnsprechers eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, die zeigen soll, ob ein solcher Umschlagplatz in Eutingen zu realisieren wäre und ob er sich lohnen würde.
Was ein solches Vorhaben für die Gemeinde Eutingen bedeuten würde, kann bislang nur erahnt werden. "In Sachen Lärmbelästigung und Verkehrsaufkommen weiß man nicht, wie sich das Projekt in der Gemeinde auswirken würde", sagt Seele. Seine Erfahrung hat gezeigt, dass die Eutinger das Wort Bürgerbeteiligung mit Leben füllen: "Wir rechnen damit, dass Widerstand aus der Bevölkerung kommt. Wie bei der letzten Ansiedelung." Der Plan, eine Gleisschotter- und Mineralaufbereitungsanlage anzusiedeln, wurde vom Gemeinderat nach Protesten verworfen. Die Ratsmitglieder wurden laut Seele über die Gespräche zur Güterumladestation bereits in nichtöffentlicher Sitzung informiert.
Die Bahn sei mit der Idee auf die Gemeinde zugekommen, sagt Seele. Die Bahn besitze am Bahnhof ausreichende Flächen, auf denen Schienen verlegt werden könnten. Außerdem müssten vermutlich Kräne sowie Zufahrten gebaut werden. Der Platz, auf den sich Seele bezieht, liege nördlich der Bahnsteige in Richtung Gewerbegebiet.
Kurt Plathe, Inhaber der Spedition Kußmaul aus Nagold, war als Experte für Schienentransport am Gesprächskreis beteiligt. Er betreibt nach eigenen Angaben am Nagolder Bahnhof das einzige Verlade-Terminal für Holz in den Landkreisen Calw und Freudenstadt. Wohlgemerkt privat. "Das reicht für meine Verkehre aus", sagt Plathe.
Weitere Warenströme könne das Nagolder Terminal eher nicht aufnehmen. Dass im Eutinger Terminal genügend Gütermenge zusammen käme, um die Anlage rentabel zu betreiben, bezweifelt er.
Die Verlagerung von Verkehr auf die Schiene befürwortet Plathe aber generell. "Wir haben einen Facharbeitermangel, finden kaum Fahrer – um dem zu entgegnen und sich zukunftsorientiert aufzustellen, müssen Güter auf die Schiene." Worüber er sich ärgert, ist die Haltung vieler Bürger: "Ich brauche zwar viel Ware, aber die soll nicht durch meine Gemeinde transportiert werden."
Daran, dass die Eutinger allzu schnell vor vollendete Tatsachen gestellt werden, zweifelt Plathe allerdings: "Bis die Bahn eine Machbarkeitsstudie auflegt, kann man lange warten. Das kostet ja alles Geld." Auch Thomas Walter von der IHK Nordschwarzwald, die sich das Güterterminal für die Region wünscht, klingt wenig optimistisch, wenn er davon spricht, dass man mit der Bahn einen "schwierigen Projektpartner mit im Boot" habe. Außerdem dürfe durch zusätzlichen Güterverkehr der Personenverkehr nicht gestört werden. Ob Fahrpläne so gelegt werden könnten, sei bislang fraglich.
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