Bürgermeister Tilman Petters nimmt die Auszeichnung von Umweltministerin Thekla Walker entgegen. Foto: KEA-BW / Martin Stollberg

Zum dritten Mal darf sich das Lahrer Rathaus über die Auszeichnung mit dem European Energy Award (EEA) freuen. Dieses Siegel bescheinigt der Verwaltung gute Arbeit auf dem Weg zur Klimaneutralität. Es zeigt aber auch auf, wo es noch Nachholbedarf gibt.

„Die Bewertung der Stadt Lahr zeigt, dass in allen Maßnahmenbereichen seit Jahren, teilweise seit Jahrzehnten aktiv im Klimaschutz gearbeitet wird und sich nicht nur auf einzelne Themenbereiche fokussiert wird“, heißt es im Audit-Bericht zum European Energy Award (EEA).

 

„Wir sind in Lahr auf einem guten Weg, aber der Klimaschutz und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels bleiben weiterhin eine große Herausforderung“, kommentiert OB Markus Ibert in einer Pressemitteilung der Stadt die Auszeichnung. „Wichtig ist deshalb, dass wir am Ball bleiben und weiter vorankommen. Die kommunale Wärmeplanung läuft, es gibt vielversprechende Ideen für großflächige Photovoltaik-Anlagen beispielsweise auf dem Flughafenareal oder auf dem Waldmattensee, und wir werden dieses Jahr große energetische Gebäudesanierungen an mehreren städtischen Schulen abschließen.“ Ebenso halte die Stadt an ihrem Verkehrsentwicklungsplan fest. Auch wenn es bei der Radverkehrsinfrastruktur mit der Ablehnung zweier Fahrradstraßen durch den Gemeinderat einen Dämpfer gegeben habe, bleibe das Ziel, umweltfreundliche Mobilität zu fördern und attraktiv zu gestalten.

Im Dezember 2021 hat der Gemeinderat beschlossen, dass die Stadt Lahr bis 2040 eine klimaneutrale Kommune werden soll. Die Verwaltung soll als gutes Beispiel vorangehen und schon bis 2035 Klimaneutralität erreichen. „Wir freuen uns sehr über die erneute Auszeichnung mit dem EEA. Sie belegt, dass wir in unserer kommunalen Klimaschutzarbeit inhaltlich breit aufgestellt sind und unser Energieteam sehr gute Arbeit leistet“, sagt Bürgermeister Tilman Petters. „Die Ergebnisse des Audit-Berichts werden nun in die Erarbeitung eines neuen Arbeitsprogramms für den Klimaschutz einfließen.“

Der Bericht stellt einige Leistungen der vergangenen Jahre heraus. Dazu zählt der Ausbau der interkommunalen Mobilität im Rahmen des Mobilitätsnetzwerks Ortenau mit dem gemeinsamen Ausbau der Radinfrastruktur oder der Elektromobilität.

Bericht lobt Kampagnen der Verwaltung

Ebenfalls hervorgehoben werden die jährliche Kampagne „Gut beraten – gut saniert!“, die Bürgern unter anderem kostenfreie Beratungen zum Thema Energieeffizienz bietet, und das Bürgerbudget „Stadtgulden“, das die Umsetzung konkreter Projektideen aus der Bürgerschaft ermöglicht. Besonders weit sei die Stadt dem Bericht zufolge in den Bereichen „interne Organisation“ und „Mobilität“. Die größten Potenziale sieht der Bericht in den Bereichen „Entwicklungsplanung und Raumordnung“ sowie „Versorgung und Entsorgung“.

Um diese künftig besser auszuschöpfen, hat die Stadt schon einige Maßnahmen vorgesehen, wie es in der Mitteilung heißt. So will sie Bau- und Bauerwartungsland erwerben, damit sie als Grundstückseigentümerin Vorgaben zum Klimaschutz – etwa hinsichtlich des Energiestandards oder der Energieversorgung der Gebäude – festschreiben und mit weiteren Solardächern auf öffentlichen Gebäuden die regenerative Stromerzeugung ausbauen kann. Schon jetzt sei gewährleistet, dass alle kommunalen Gebäude zu 100 Prozent mit zertifiziertem Ökostrom versorgt werden.

Über die Auszeichnung

Im Rahmen einer Evaluierung von mehr als 500 kommunalen Energiekonzepten, erkannten Architekt und Wirtschaftsingenieur Armand Dütz und sein Team Ende der 1990er-Jahre den Bedarf nach einem ganzheitlichen Managementsystem für kommunale Energiearbeit. Daraus entstand der European Energy Award, an dem mehr als 1500 Kommunen in 16 Ländern teilnehmen.