Mit jedem Stimmzettel landen im Brigachhaus am Wahlsonntag auch demografische Daten in der Wahlurne. (Symbolfoto) Foto: dpa/Deck

Wer am kommenden Sonntag, 9. Juni, im Brigachhaus seine Stimme bei der Europawahl abgibt, tut dabei ganz nebenbei auch noch etwas für die Statistik. Denn der Wahlbezirk ist Teil der Stichprobe für die repräsentative Wahlstatistik. Das steckt dahinter.

Ganz besonders spannend wird der anstehende Wahltag im Brigachhaus. Denn in dem St. Georgener Urnenwahlbezirk wird, wie die Stadtverwaltung mitteilt, „eine repräsentative Wahlstatistik durchgeführt“. Das bedeutet konkret: Mit jedem Stimmzettel, der hier in der Wahlurne landet, werden auch demografische Daten gesammelt. Sie fließen in die Wahlstatistik ein, die einen tieferen Einblick in das Verhalten der Wähler ermöglichen soll. Eine große Umstellung für diejenigen, die im Brigachhaus ihre Stimme abgeben, bedeutet das nicht. Eines sollten sie bei der Stimmabgabe aber beachten.

 

Was bringt die Wahlstatistik?

Die repräsentative Wahlstatistik zur Europawahl soll tieferen Einblick ins Ergebnis ermöglichen – denn mit ihrer Hilfe werden Rückschlüsse auf das Wählerverhalten verschiedener Geschlechter- und Altersgruppen möglich, informiert die Bundeswahlleiterin. Welche Altersgruppen haben sich wie stark an der Wahl beteiligt? Welches Geschlecht hat im Schnitt wie abgestimmt? Antworten auf all diese Fragen soll die Wahlstatistik liefern.

Wie viele Wähler fließen in die Stichprobe ein und wie werden die entsprechenden Wahlbezirke ausgewählt?

Wie aus dem Wahlstatistikgesetz – darin ist unter anderem die Durchführung der Wahlstatistik bei der Europawahl geregelt – hervorgeht, werden die Wahlbezirke, welche in die Statistik einfließen, im Einvernehmen mit den Landeswahlleitern und den statistischen Ämtern der Länder ausgewählt. Die ausgewählten Urnenwahlbezirke – also auch der Bezirk Brigachhaus – müssen dabei mindestens 400 Wahlberechtigte umfassen. Nach Angaben der Bundeswahlleiterin wurden von den bundesweit etwa 90 000 Urnen- und Briefwahlbezirken knapp 2350 Stichprobenwahlbezirke zufällig ausgewählt – das entspricht fast drei Prozent aller Wahlbezirke. Bei der vergangenen Europawahl 2019 umfasste die Stichprobe gut 2,1 Millionen der insgesamt 61,6 Millionen Wahlberechtigten.

Was ändert sich für Wähler im Brigachhaus?

Nicht viel – außer, dass ihr Stimmzettel für die Europawahl etwas anders aussieht als der in anderen Wahllokalen. Einzelheiten gehen aus einer Mitteilung der Stadtverwaltung hervor: „In diesem Wahllokal sind für wahlstatistische Auszählungen ausschließlich und verpflichtend Stimmzettel zu verwenden, auf denen Geschlecht und Geburtsjahr (in sechs Gruppen) vermerkt sind.“ Diese Kennzeichnung nennt sich Unterscheidungsaufdruck.

Welche Daten werden erhoben und ausgewertet?

Konkret werden die Wähler in zwei Geschlechtergruppen unterteilt: Weibliche Wähler bilden die eine Gruppe, männliche zusammen mit Wählern jedes anderen Geschlechts die andere. Darüber hinaus werden die Wähler in eine von sechs Altersgruppen eingeordnet. Bei der anstehenden Wahl handelt es sich um die folgenden Gruppen: unter 25 Jahre, 25 bis 34 Jahre, 35 bis 44 Jahre, 45 bis 59 Jahre, 60 bis 69 Jahre sowie 70 Jahre und älter.

Ausgewertet wird dann zum einen, wie groß der Anteil der Wähler einer demografischen Gruppe an den Wahlberechtigten derselben Gruppe ist. Zum anderen wird im Nachgang analysiert, welche demografischen Gruppen ihr Kreuz verstärkt bei welcher Partei gesetzt haben. Dazu werden nicht nur die abgegebenen Stimmzettel, sondern auch die Wählerverzeichnisse der entsprechenden Wahlbezirke ausgewertet.

Ist die Stimmabgabe im Brigachhaus noch anonym?

Ja, betont die Stadtverwaltung in ihrer Mitteilung: Auch beim Verwenden der Stimmzettel mit Unterscheidungsaufdruck „bleibt das Wahlgeheimnis gewahrt“. Dass das oberster Grundsatz ist, stellt auch die Bundeswahlleiterin heraus – unter anderem werden daher keine personenbezogenen Daten erfasst.

Können Wähler im Brigachhaus auch wählen, ohne sich and er Statistik zu beteiligen?

Nein. „Eine Wahl auf einem Stimmzettel ohne Unterscheidungsaufdruck ist in einem repräsentativen Wahlbezirk nicht möglich“, informiert die Bundeswahlleiterin. Wer das nicht möchte, hat lediglich die Möglichkeit, Briefwahl zu beantragen. Derjenige muss aber schnell sein: Wahlscheinanträge für die Briefwahl können nur noch bis Freitag, 7. Juni, 18 Uhr, beim Rathaus, Hauptstraße 9, Einwohnermeldeamt, Zimmer 002, gestellt werden.

Wann und wie sind die Ergebnisse verfügbar?

Im Nachgang der Europawahl am kommenden Sonntag werden die Daten für die repräsentative Wahlstatistik durch die betroffenen Kommunen sowie die statistischen Landesämter ausgezählt. „Die aus den Ländern gewonnenen Daten werden vom Statistischen Bundesamt hochgerechnet und als Bundes- und Länderergebnisse veröffentlicht“, informiert die Bundeswahlleiterin.

Voraussichtlich werden die Ergebnisse ab September dieses Jahres online unter www.bundeswahlleiterin.de abrufbar sein.