Im Europa-Park ist das „Eatrenalin“ vorgestellt worden, in dem die Gäste in selbstfahrenden Sitzen durch das Restaurant gleiten. Lohnt sich das teure Menü?
An Attraktionen und Superlativen mangelt es dem Europa-Park wahrlich nicht. Er ist der größte Freizeitpark in Deutschland, der im letzten „normalen“ Jahr 2019 an die 5,8 Millionen Besucher anziehen konnte. Zu den 100 Attraktionen auf 100 Hektar Fläche ist nun eine neue hinzugekommen. Sie heißt Eatrenalin und soll nichts weniger als das „Restaurant der Zukunft“ sein.
Dass man im Europa-Park nicht nur die Massen bespaßt, sondern ebenso Gourmets anspricht, ist so neu nicht, kann man sich doch auch der weltweit einzige Freizeitpark mit einem Sternerestaurant nennen. Zwei Michelin-Sterne sogar hat Ammolite – The Lighthouse Restaurant im Erlebnishotel Bell Rock. Auch das Eatrenalin befindet sich außerhalb des eigentlichen Parkgeländes neben dem Hotel Krønasår bei der Wasserwelt Rulantica. Nach fünf Jahren Entwicklungszeit ist das Restaurant am Mittwoch der Öffentlichkeit vorgestellt worden.
Selbstfahrende Stühle bewegen die Gäste synchron
Schon der Name dieser Erlebnisgastronomie 4.0 zeigt, wohin die Reise geht. Es dreht sich mit „Eat“ eben nicht nur ums Essen, sondern auch um Adrenalin, das alle Sinne schärfen soll, ein bisschen vergleichbar mit dem „Holistic Dining“ im Kopenhagener Sternerestaurant Alchemist. Traditionalisten könnten sagen, dass nichts ablenken sollte von einem guten Essen, das doch ohnehin schon viele Sinne berührt. Im Eatrenalin nun werden alle Sinne so potenziert gereizt, dass man sich manchmal fragen kann: Schmeckst du noch, oder fühlst du schon?
Nach dem Eintritt in den von außen puristisch anmutenden Bau geht es mit einem Aperitif und Fingerfood in der Lounge erst einmal recht konventionell los. Sobald die Gäste aber Platz genommen haben, ist alles anders. Die „Floating Chairs“ (zu Deutsch: schwebende Stühle) sind zwar mit 320 Kilogramm sehr schwer, gleiten aber dennoch in immer wieder neuen Konstellationen durch Raum und Zeit. Das Mack-Rides-Team des Europa-Parks hat lange getüftelt, um die Ledersessel samt Beistelltischen mit viel technischem Aufwand synchron durch die Räume und den „Medien-Content“ von Mack Animation bewegen zu können. Und schließlich müssen auch die einzelnen Gänge passgenau durch dieses Flying Dinner der anderen Art dirigiert werden.
Spanischer Küchenchef verantwortet mehrgängiges Menü
Verantwortlich für das Menü ist ein internationales Team um Küchenchef Pablo Montoro. Der Spanier war einige Jahre beim avantgardistischen Spitzenkoch Ferran Adrià in der legendären katalonischen Pilgerstätte El Bulli. Auch im futuristischen Setting des Eatrenalin wird mit allerlei Texturen, etwa mit Sphären und Sponges, gespielt. Nach einer simulierten Mondlandung gibt es im „Universe“-Raum mit Blick auf den Blauen Planeten zum Rinderfilet in silbernem Esspapier unter anderem eine mit Kohle geschwärzte Monolith-Brioche.
Im „Taste“-Raum werden umringt von Hunderten bunten Gewürzgläsern die vier Geschmacksrichtungen süß, sauer, bitter und salzig mit Miniaturen durchgespielt. Der alles umfassende „Umami“-Geschmack wird einen Raum weiter mit sehr guter japanischer Küche inszeniert. Dagegen gehen die Meeresfrüchte in der knallbunten Unterwasserwelt mit anschließendem Auftauchen schon fast ein bisschen unter. Zur „süßen Verwandlung“ im Raum „Incarnation“ schwebt schließlich ein runder Konferenztisch zu den Gästen herunter.
Nach ein paar finalen filmischen Gags im Aufzug landet man in der Bar und kann dort die Eindrücke verarbeiten. Thomas Mack, Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens Europa-Park, berichtet, „auch Sterneköche waren nach dem Probeessen begeistert“. Die Idee dazu sei auf einem gemeinsamen Flug mit Oliver Altherr, dem Chef des Schweizer Unternehmens Marché International, entstanden. Auf einem Flug im „Voletarium“, der fliegenden Theaterattraktion des Europa-Parks, versteht sich.
Europa-Park will Konzept weiterverkaufen
Für Eatrenalin haben die beiden ein Joint Venture gegründet. Dafür und für elf Hotelsuiten wurden 20 Millionen Euro investiert. Als Zielgruppe für den nicht gerade günstigen Restaurantspaß – der Einstiegspreis beginnt bei 195 Euro – hat man laut Altherr Leute im Visier, „die gerne gut essen und bereit sind, neue Wege zu gehen“.
Wenn alles nach Plan läuft, könnte das Eatrenalin im Gegensatz zum Ammolite aber bald seine Einzigartigkeit verlieren, denn das Konzept aus Rust soll weiterverkauft werden. Altherr scherzt, dass man weniger an seine schwäbische Heimatstadt Backnang denke, sondern eher an Metropolen wie London, Paris oder Shanghai. Man wird sehen, wohin die Reise noch geht.