Das Final Four der Basketball Euroleague geht ab Freitag ohne deutschen Verein in Köln über die Bühne – dafür aber mit einem deutschen Hoffnungsträger und drei weiteren Stars, die für Basketball auf Weltklasse-Niveau stehen.
Köln - Die Basketballer von Bayern München haben zwar als erste deutsche Mannschaft die K.-o.-Runde der Euroleague erreicht, nicht aber das Final Four, das von Freitag bis Sonntag in Köln ausgetragen wird. Los geht es mit den Halbfinals zwischen ZSKA Moskau und Anadolu Istanbul (18 Uhr) sowie FC Barcelona und Olimpia Mailand (21 Uhr). Also ohne deutsche Beteiligung – aber mit interessanten Typen in jedem der vier Teams. Werden die Stars auch noch zu Helden?
Shane Larkin (Anadolu Istanbul) Eigentlich ist der türkische Präsident Recep Erdogan als Fan der Fußballer von Istanbul Basaksehir bekannt, doch offensichtlich hat er auch ein Herz für Basketball. Jedenfalls bot er dem Star von Anadolu Efes, dem gebürtigen US-Amerikaner Shane Larkin, einen türkischen Pass an – und dieser nahm dankend an, weil er somit die große Chance auf Olympia hat, während das mit den USA bei der Megakonkurrenz im Team nahezu unmöglich geworden wäre. Vorausgesetzt, die Türkei schafft die Qualifikation. Mit seinem Verein Anadolu aus Istanbul hat sich der 28-Jährige (gegen Real Madrid) jedenfalls fürs Final Four qualifiziert, wo das Team bei Experten als Top-Favorit gilt. Bayern-Coach Andrea Trinchieri sagte jedenfalls: „Der Weg zum Titel führt nur über Anadolu“ – und somit über deren Star und Publikumsliebling, der einst auch kurz mit Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks gespielt hatte. Doch inzwischen bevorzugt er die Euroleague, erst Baskonia, jetzt Istanbul. Als Jugendlicher wurde bei ihm eine Zwangsstörung diagnostiziert: „Ich wusste nicht, was los war. Ich konnte bestimmte Dinge nicht berühren. Ich musste bestimmte Dinge zählen. Ich konnte nicht auf bestimmte Linien treten.“ Er nahm Medikamente, setzte die aber wieder ab, weil sie zu entspannend wirkten. Inzwischen hat er die Probleme im Griff, besser als die Gegner ihn. Das zeigen schon seine Statistiken: In der Euroleague erzielte er im November 2019 in einem Spiel 49 Punkte! Ein Rekord für die Ewigkeit?
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Kyle Hines (Olimpia Mailand) Die graue Eminenz bei Olimpia Mailand ist Modezar Giorgio Armani, der bald 87 Jahre wird, aber wenn möglich noch immer bei jedem Spiel im „Forum“ sitzt, erste Reihe. So auch beim dramatischen Viertelfinalsieg im fünften Spiel gegen Bayern München. Der Dank danach galt speziell Kyle Hines, der nun zum neunten Mal nacheinander im Final Four steht, mit dem dritten Verein nach Olympiakos Piräus sowie ZSKA Moskau. Rekord! Noch am Morgen des entscheidenden Spiels hatten ihn seine Kinder zu Hause motiviert, da kam seine Sohn mit einem Final-Four-T-Shirt, und der US-Amerikaner wusste: „Das ist Schicksal.“ Mit einem Happy End. Hines (1,98 Meter, 115 Kilo) war der Turm in der Schlacht am Korb. Er ist ein Profi vor dem Herrn, „stets mannschaftsdienlich“, lobt der ehemalige Bayern-Profi Anton Gavel, der den 34- Jährigen noch aus gemeinsamen Bamberger Zeiten kennt. Lang, lang ist’s her. Noch weiter liegt die letzte Teilnahme der Italiener beim Final Four zurück – 29 Jahre.
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Pau Gasol (FC Barcelona) Immerhin schon 40 Jahre alt ist Pau Gasol, die lebende spanische NBA-Legende (1226 Partien), die es auf die alten Tage zurück zu den Wurzeln gezogen hat, dem FC Barcelona. Dort schmückt er den illusteren Kader, dessen reiner Personaletat laut „AS“ stolze 28 Millionen Euro betragen soll; demgegenüber steht ein Verlust von 25 Million für die laufende Saison. Gasol aber gilt als Schnäppchen, der Profi, der in der NBA in einem Jahr mehr als sieben Millionen Euro verdient hatte, soll in Spanien für den Mindestlohn auflaufen – 60 000 Euro im Jahr. Im alles entscheidenden fünften Viertelfinale gegen St. Petersburg trumpfte er mit vier Blocks auf – was für eine Ansage. Bestwert in den Play-offs. „Das war ein guter Schritt nach vorne für mich“, sagte er danach. „Ich will daran anknüpfen und noch mehr zu unserem Spiel beitragen.“ Das klingt fast wie ein Drohung für die Gegner. Aber Gasol will den Euroleague-Titel holen, der dem NBA-Champion und All Star, dem Welt- und Europameister noch fehlt – in seiner einzigartigen Sammlung.
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Johannes Voigtmann (ZSKA Moskau) Nach dem Aus der Bayern verkörpert Nationalspieler Johannes Voigtmann von ZSKA Moskau so etwas wie das deutsche Element beim Final-Turnier in Köln. Der Center gehört zum festen Stamm des Titelverteidigers (im Vorjahr wurde wegen Corona kein Final Four ausgetragen), der zuvor bei Baskonia in Spanien ebenfalls schon zu den Leistungsträgern gezählt hatte. Neben dem russischen Serienmeister hatten im vergangenen Sommer auch die Washington Wizards Interesse an dem 28-Jährigen gezeigt. Doch der Deutsche zeigte die kalte Schulter: „Na ja, nur NBA zu spielen, um NBA zu spielen, macht ja auch keinen Sinn“, sagte er dem „Münchner Merkur“. „Ich bin in meiner Karriere gut damit gefahren, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Und da war unter allen Angeboten, die ich hatte, Moskau für mich der logische nächste Schritt.“ Voigtmanns Team trifft im Halbfinale auf das starke Anadolu Istanbul. Sollten die favorisierten Türken gewinnen, müsste eben Timo Pleiß für Lokalkolorit sorgen, auch wenn der bei Istanbul nicht ganz so viele Spielanteile genießt wie Voigtmann. Aber ein deutscher Profi steht somit sicher im Endspiel von Köln.
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