Das Urteil gegen Google zeigt, dass der Gesetzgeber gewillt ist, die Regeln gegen die übermächtigen Internetgiganten anzuwenden, kommentiert unser Brüsseler Korrespondent Knut Krohn.
Die Welt im Internet hat sich in den vergangenen Jahren in einer atemberaubenden Geschwindigkeit verändert. Nicht alle Entwicklungen sind zum Wohle des Verbrauchers verlaufen. Aus diesem Grund hat sich die Europäische Union zum Ziel gesetzt, den großen Konzernen jene Zügel anzulegen, die einen fairen Wettbewerb ermöglichen sollen. So ist auch das aktuelle Urteil gegen Google zu sehen.
Diese Schritte waren längst überfällig, denn als Brüssel zuletzt umfassende Regeln für das Internet verabschiedete, war die Welt eine andere. Google war gerade gegründet und Amazon verkaufte hauptsächlich Bücher. Die grenzübergreifende Macht einiger Internetgiganten war nicht absehbar. Anfangs noch belächelt wird das Tun der Europäer in der ganzen Welt inzwischen mit großem Interesse verfolgt. Auch in den USA machen sich nun Gerichte daran, die Macht der Konzerne einzuschränken.
Zentrales Problem ist, dass der Gesetzgeber mit dem bestehenden Wettbewerbsrecht den Praktiken im Internet nicht mehr beikommt. Deshalb werden zum Beispiel den Unternehmen, die wie eine Art Türsteher den Zugang zu einer oder mehreren Plattformen kontrollieren, bestimmte Verhaltensweisen direkt verboten. Auf der schwarzen Liste stehen unter anderem, eigene Angebote bei Rankings besserzustellen oder die Daten von Geschäftskunden zu nutzen, um dann mit ihnen in Wettbewerb zu treten.
Doch der Kampf für mehr fairen Wettbewerb ist ein Marathon, die Internetgiganten werden immer wieder nach Schlupflöchern suchen. Das Urteil gegen Google zeigt aber, dass die Richter gewillt sind, die von der EU vorgegebenen Regeln anzuwenden und auch gegen die scheinbar allmächtigen Internetgiganten umzusetzen. Das ist eine sehr gute Nachricht für die Verbraucher.