Die Bäume sind schon weg, im Sommer kommen dann auch der EBG-Altbau und das ehemalige Forstamt dran. An dieser Stelle soll ein großer Neubau entstehen, mit Aula und Fachklassenzimmern. Foto: Angelika Bachmann

Der Umbau des Rottenburger Eugen-Bolz-Gymnasiums soll im Sommer beginnen. Als Erstes wird die ehemalige Landwirtschaftsschule samt Forstamt abgerissen.

Mit geschätzten 48 Millionen Euro wird der geplante Umbau des Eugen-Bolz-Gymnasiums das größte und teuerste Rottenburger Bauprojekt aller Zeiten. Nur die Diözese kann einigermaßen mithalten: Ihr Neubau des Bischöflichen Ordinariats (2013 eingeweiht) und die Teil-Sanierung des Altbaus kosteten damals 39 Millionen Euro. In heutigen Preisen wäre das womöglich noch mehr.

 

Das absolut größte Projekt für die Stadtkasse Aber für die Stadtkasse wird der EBG-Umbau das absolut größte Projekt. „Das EBG wird uns die nächsten Jahre beschäftigen“, sagte Oberbürgermeister Stephan Neher am Dienstagabend im Gemeinderat. Dort wurden die aktualisierten Planungen und der Bauzeitenplan vorgestellt. Die Fertigstellung ist für 2032 vorgesehen. Dann stecken die heutigen Siebtklässler schon mitten im Abitur. Erfahrungsgemäß ziehen sich solche Großprojekte aber oft in die Länge. Wenn es schlecht läuft, dann werden die heutigen Fünfer fast ihre gesamte Gymnasiumszeit auf einer Baustelle verbringen.

Neubau beginnt 2027

In vier Bauabschnitten ans Ziel Geplant sind vier Bauabschnitte. In den kommenden Sommerferien werden der EBG-Altbau (die ehemalige Landwirtschaftsschule aus dem Jahr 1928) und das frühere Forstamt abgerissen, und Archäologen untersuchen den Baugrund nach römischen Spuren. An dieser Stelle wird ab April 2027 ein großer Neubau errichtet, mit Aula und Fachklassenzimmern. Er soll Anfang 2029 fertig sein. Anschließend wird das Hauptgebäude saniert. Und im letzten Bauabschnitt ist die Sanierung des Erweiterungsbaus dran.

Permanent gelüftet ohne dass die Fenster offen waren Der Altbau an der Eberhardstraße sei reif für den Abriss, sagte EBG-Rektor Andreas Greis am Dienstag. Nur in der Corona-Zeit habe er sich bewährt, ergänzte er scherzhaft: „Da wurde permanent gelüftet, ohne dass wir die Fenster aufgemacht haben.“ Aber auch die Sanierung der beiden neueren Schulgebäude (Baujahre 1960 und 1987) sei überfällig.

Grundrisse für Klassen-Cluster

Auch die Grundrisse werden verändert Dabei geht es nicht nur um Dinge wie eine zeitgemäße Außendämmung. Auch die Grundrisse werden verändert: Jede Klassenstufe bekommt ein eigenes „Cluster“ (Haufen). Die jeweils vier oder fünf Parallelklassen sind um einen großzügigen Flur gruppiert, mit vielen Sitzmöglichkeiten und Rückzugs-Ecken auch für kleine Gruppen. „Dahinter steckt ein pädagogisches Konzept“, sagte Greis: Klassen-Unterricht und individuelles Lernen wechseln sich ab. So ist es auch im Neubau der Josef-Eberle-Schule umgesetzt, der im vergangenen Sommer fertig wurde.

Der gelbe Altbau an der Eberhardstraße wird abgerissen und durch einen großen (rot eingezeichneten) Neubau ersetzt. Anschließend werden das Hauptgebäude (Mitte) und der Erweiterungsbau (links) saniert. Beide liegen an der Mechthildstraße. Foto: BJW Architekten / Stadt Rottenburg

Für viele Schüler ist der Übergang ein Kulturschock Dieses Clusterkonzept habe das EBG im aktuellen Schuljahr erstmals für die fünften Klassen angewendet, noch mit den bisherigen Grundrissen. „Unsere Fünfer sind noch nie so schnell in der neuen Schule angekommen“, sagte Greis. Für viele sei der Übergang von der Grundschule (einzügige Schulen bringen es meist nicht mal auf 100 Kinder) aufs Gymnasium (1000 Jugendliche) sowieso schon ein echter Kulturschock. Im halbwegs geschützten Cluster fühlen sich die Fünftklässler viel wohler, ist Greis überzeugt. „Das ergibt eine ganz andere Lern-Atmosphäre.“

Moderne Schulformen im alten Gebäudebestand CDU-Stadtrat Reinhold Baur war jedenfalls richtig begeistert von der Planung: „Dass wir im alten Gebäudebestand moderne Schulformen unterbringen, das hätte ich so nicht erwartet. Das wird eine Schule der Zukunft!“

Zuschnitte können nachträglich geändert werden Grünen-Stadtrat Joachim Bischof blickte gleich „nochmal 20 oder 30 Jahre“ weiter. Niemand könne vorhersagen, welche pädagogischen Konzepte dann angesagt sein werden. Ob denn die neuen Grundrisse flexibel genug seien? Ja, bekräftigte Architekt Ralf Thom vom Büro BJW aus Zimmern ob Rottweil. Die Zimmerwände seien „nicht alle tragend“, daher könne man die Zuschnitte auch nachträglich noch ändern. Die ursprünglichen Pläne, mit denen sich BJW vor zwei Jahren am Architektenwettbewerb beteiligte, wurden mittlerweile überarbeitet.

Eine Aula für Alle

Vorfreude auf die große Aula Beim Neubau an der Eberhardstraße freut sich Greis vor allem auf die große Aula: „Wir bekommen endlich einen Platz, wo wir uns alle versammeln können.“ Aber auch die Fachklassenräume (zum Beispiel für Chemie oder Biologie) am EBG seien nicht mehr zeitgemäß. Sie werden ebenfalls im Neubau untergebracht, mit dem aktuellen Stand der Technik. Und: Der Neubau wird sogar eine Dachterrasse bekommen – ein gewisser Ausgleich für den beengten Schulhof.

Neben der Baustelle geht der Unterricht weiter Die ganzen Baumaßnahmen sollen im laufenden Betrieb ablaufen: Nebenan geht also der Unterricht weiter. Viele Eltern und Lehrkräfte hätten einen kompletten Neubau oben auf dem Hohenberg-Campus hinter der Festhalle bevorzugt. Das wäre aber noch teurer geworden. Mittlerweile haben sich aber alle für das Umbau-Konzept begeistert, sagte Greis. Selbst Kollegen, die 2032 schon in Pension sein werden, arbeiten intensiv an der Vorbereitung mit.

Gesamtkosten von 47,7 Millionen Euro Die Kosten sind seit der letzten Schätzung nicht weiter gestiegen. BJW-Geschäftsführer Thom legte eine Tabelle vor. Demnach rechnet das Architekturbüro aktuell mit Gesamtkosten von 47,7 Millionen Euro, inklusive Innenausstattung, Nebenkosten und Mehrwertsteuer.

Aktuell sinken die Baukosten wiederIn den vergangenen Jahren sind die Baukosten bekanntlich noch schneller gestiegen als die allgemeine Inflation. Aktuell sinken sie aber wieder. Dem Gemeinderat lagen am Dienstagabend auch noch mehrere andere Auftragsvergaben vor, sowohl für das Jeckel-Areal am Marktplatz (das aktuell zweitgrößte städtische Bauprojekt) als auch für die Erschließung des Dettinger Neubaugebiets „Steigäcker“. Alle lagen unter der ursprünglichen Kostenschätzung.

Der Unterrichtsbetrieb während der Bauzeit

Die mehrfache Rochade
beginnt noch vor den Sommerferien. Der erste Schritt geschieht noch innerhalb des jetzigen Schulgeländes: Voraussichtlich im Juni ziehen die Klassen aus dem Altbau rüber in die beiden Hauptgebäude.

Nach den Sommerferien
wird der Unterrichtsbetrieb dann an zwei Standorten laufen. Die Oberstufenklassen (10 bis K2) ziehen dann in die „Interimsschule“ an der Tübinger Straße, wo zuletzt die Josef-Eberle-Schule untergebracht war. Die dortigen Klassenzimmer-Container seien allerdings nicht gut geeignet für den (naturwissenschaftlichen) Fachunterricht, sagte Greis. Deswegen werden die Oberstufenklassen ihren Chemie-, Physik- und Bio-Unterricht tageweise am EBG-Hauptstandort erhalten.

Da wird man auch manches improvisieren müssen
in den kommenden Jahren. Und mit dem Baustellen-Lärm klarkommen müssen. „Ich werde niemandem erzählen, dass es nicht laut wird“, sagte Greis im Gemeinderat.

Wie die ganze Baustellenlogistik
in dem eng bebauten Wohngebiet zwischen Eberhard- und Mechthildstraße organisiert wird, ist auch noch nicht bekannt. Hochbauamt und Ordnungsamt seien derzeit im Gespräch, wie sich der Schulverkehr (Elterntaxis, Fahrräder!) und der Baustellenverkehr klar voneinander trennen lassen, teilte die städtische Pressestelle am Mittwoch auf Nachfrage mit.

Man suche Lösungen
für „absehbare Interessenkonflikte im engen innerstädtischen Kontext“. Die Anwohner würden jeweils rechtzeitig über die Baumaßnahmen informiert.