Das Hofkonzert des Ettenheimer Stadtorchesters lockte hunderte Besucher in die Barockstadt. Obwohl vielen aufgrund der hohen Temperaturen der Schweiß auf der Stirn stand, überzeugten die Musiker auf ganzer Linie. Besonders der Nachwuchs begeisterte.
Schwül drückende Sommerhitze konnte hunderte Gäste des jährlichen Hofkonzertes der Stadtkapelle Ettenheim nicht davon abhalten, vor dem Rohan-Palais Schatten zu suchen und gleich drei Kapellen zu genießen. Der Vorrang gebührte dabei wie jedes Jahr der Ettenheimer Musikjugend.
So startete die eigene Jugendkapelle mit „The Witch and the Saint“ und der Animationsfilm-Melodie „How far I‘ll go“ sogleich mit vollem Elan, gefolgt von Johnnie Winsons orientalisch angehauchtem Film-Mix „Music from Aladin“ samt gehörigem Disney-Schwung. Nicht minder überzeugten die 27 jungen Instrumentalisten mit Elton Johns rührseligem Oldie-Schlager „Can you feel the night tonight“, sodann aber besonders flott mit irischem „Lord of the Dance“, gefolgt von „The Blues Brothers Revue“ als dynamischem Medley aus gleichnamigem Musical. Als Zugabe begeisterte schließlich ein herziges, dennoch ebenso flott präsentiertes Kinderlieder-Medley „Hurra,Hurra“ von Alpen-Heidi über Pippi Langstrumpf, Biene Maja und Pumuckl bis zu den Schlümpfen. Jugend-Dirigent Christian Sade hatte wieder mal das richtige Händchen bei der Stück-Auswahl gehabt und dabei offensichtlich nicht nur den Geschmack des Publikums, sondern auch der motivierten Nachwuchs-Instrumentalisten getroffen. Die Jüngsten waren darunter die zehnjährigen Juli Lohnert (Trompete) und Marlon Haack (Klarinette). Sie alle durften stolz auf ihre gezeigten musikalischen Leistungen sein: Ihre erwachsenen Kapellenkollegen hätten es kaum besser machen können.
Der Musikzug Orschweier war als Gastkapelle vor Ort
Als Gastkapelle war heuer der Musikzug Orschweier (MZO) eingeladen. Der hat seit vielen Jahrzehnten seine ersten Anfänge als Fanfarenzug der Hornig-Narrenzunft hinter sich gelassen und längst auch zahlreiche anspruchsvolle Stücke im Repertoire. Im Rohanhof präsentierte sich der MZO mit Dirigent Simon Ruf gleich nach schnellem „Military Escort“ und „Instant Concert“ mit gleich 30 nahezu im Sekundentakt eingearbeiteten Melodien etwa von Schubert, Dvorak über Wagner bis Gluck dann anschließend eher volkstümlich. Etwa mit einer „Bayrischen Solistenparade“, einem polkageprägtem „Halben Jahrhundert“ oder einer weiteren scheinböhmischen als „Klarinettenzauber“ mit den Solisten Alisa Witt und Fabian Bloch. Doch auch Schlager-Oldies standen auf dem MZO-Programm, etwa „Abba Gold“, „Sexbomb“ und vieles schlagermäßige mehr, dann auch wieder was zum Schunkeln aus Oberkrain oder Böhmen. Als Zugabe erklang das eher gemächlichere „Mood Romantic“ von Johan Nijs – denn der Musikzug kann auch anders als nur fröhlich.
Zum Abend füllte sich der Rohanhof dann doch noch komplett mit geschätzt knapp 300 Zuhörern. Da brachte die Erwachsenen-Stadtkapelle unter ihrem Dirigenten Jürgen Burmeister ihr ganz neu erarbeitetes Programm quasi als Uraufführung zu Gehör. Start mit marschmäßigem „Furchtlos und treu“, dann nach poppigen „Italo-Oldies“ von Azzuro bis Bambina gleich vom österreich-ungarischen „Alt-Starhemberg-Marsch“ fesch militärisch gefolgt, dann „Frenesi“ als gefälliger Unterhaltung-Tanzmusik, der monumentalen Rocky-Filmmelodie „Gonna Fly Now“ und – zur Abwechslung wieder – dem „Reitermarsch“.
Die Musiker wurden mit viel Applaus belohnt
Danach gab’s noch Michael Jacksons gefühlvolles „Heal the World“, dann in die nostalgischen Zwanziger zurück mit „Just a Gigolo“ im Bigband-Stil. Nochmals musikalisch vorbei geschaut ins alte Österreich, nun mit „Wien bleibt Wien“, gleich örtlich gewechselt mit „Around the Whiskey Jar“ nach Irland, „Copacabana“ nach Rio und dem karibisch-temperamentvollem „Cuban Sound“ auf die entsprechende Insel.
Der bunte, abwechslungsreiche Stil-Mix der Stadtkapelle demonstrierte trefflich ihre musikalische Spannbreite, das orchestral-souveräne Zusammenspiel samt Ausdruckskraft sowieso. Dies kam beim Abendpublikum erwartungsgemäß prächtig an. Belohnt wurde es dann als Zugaben noch fröhlich-militärisch mit dem hinreißenden „Deutschmeister-Regimentsmarsch“ sowie dem pfiffigen „Colonel Bogey-March“. Letzterer weltbekannt über die filmische „Riverkwai-Brücke“. Die nahezu vollständig spielenden 52 Abend-Instrumentalisten des Hauptorchesters samt Dirigent Burmeister hatten allen Grund, auf ihren neuerlichen Konzerterfolg stolz zu sein.
Info – MZO hat Grund zum Feiern
Der Musikzug Orschweier (MZO) unterstütze die Stadtkapelle Ettenheim, in dem die Musiker verschiedene Stücke präsentierten. Am kommenden Samstag wird der MZO ab 20 Uhr sein 50-jähriges Bestehen in der Orschweierer Mehrzweckhalle feiern und erwartet dazu viele Gäste.