Die Gäste im Prinzengarten genossen den ersten Kulturabend 2021 in Ettenheim sichtlich. Foto: Decoux-Kone

Kulturkeller: Kabarettistin Eva Eiselt tritt in Ettenheim erstmals wieder vor Publikum auf

Ettenheim - Nur glückliche Gesichter waren bei den Kulturkeller-Verantwortlichen auszumachen: Nach langer Corona-Zwangspause konnten sie endlich ihr Jahresprogramm starten – mit der Kabarettistin Eva Eiselt auf der Prinzengarten-Wiese.

Sommersonne und erfrischender Wind spielten beim Jahresprogramm-Start des KKW (Kulturkeller in der Winterschule) prächtig mit: Mehr als 100 Gäste nahmen ihre abstandsgerecht aufgestellten Sitze im Prinzengarten ein.

KKW-Vorsitzender Achim Schwab dankte dem Prinzengarten-Verein für seine Gastfreundschaft und begrüßte alle "zum ersten Kulturabend 2021" und frohlockte: "Ettenheim ist wieder offen!" Auch die aus Köln angereiste Kabarettistin, Schauspielerin und Wortakrobatin Eiselt stand nach unfreiwillig siebenmonatiger Nur-Internet-Auftrittspräsenz mit großer Freude erstmals wieder vor realem Publikum. Die 47jährige, ungebrochen quirlige Eiselt wuchs zwar in der verwunschenen Eifel auf, "einer Pampa mit Traktoren, Kühen und Inzest". Längst ist sie dennoch sogar fernsehbekannt, gastierte erst vorige Woche beim Bayrischen Rundfunk, dort leider noch ohne Saalpublikum. Mitgebracht nach Ettenheim hatte sie ihr neues, mittlerweile fünftes Soloprogramm: "Wenn Schubladen denken könnten".

Aus Schubladen sollten Regale werden

Alles hat an seinem Platz zu sein? Das Leben ist eine Riesen-Schrankwand mit Brettern vor dem Kopf? "Gedacht wird jedenfalls gerne in Schubladen!", stellte Eiselt fest. Ohne Vorurteile käme Kabarett gar nicht aus Oder ohne Spott wie über die niedersächsische "Eisschleckverordnung", laut der schnell schmelzendes Speiseeis zwar gekauft, aber tropfend erst nach 50 Metern Fußmarsch erstmals abgeschleckt werden durfte.

Hintergründig hingegen war ihre poetisch-märchenhafte Fabel über Kranich Jürgen, der nicht mehr im Pulk in langweiliger V-Formation mit fliegen wollte und schließlich vereinsamt zum federlosen, bepelzten Wolf mutierte. Später heiratete er übrigens die sibirische Wildgans Liuba und flog dann mit ihr in Herzform über die Welt spazieren. Eiselts Fazit daraus: "Jeder fliegt so, wie er will!"

Natürlich nahm sie auch die Corona-Einschränkungen auf die Schippe: Home-Schooling als Distanzunterricht? Hatte ja gut geklappt, sofern nicht manche Schüler die Segnung der Stumm-Taste entdeckten. Das W-Lan hatte sich vielerorts aufgehängt? Offenbar eine Suizidwelle.

Ob als mit Messer im Bau endende erziehungsüberforderte Mutter oder als eine schmerzhafte Wohlfühl-Heil-Heizmassage überstehende Frau: Eiselt begeisterte mit wechselndem Ausdruck in allen Schubladen – sogar als Veganerin, die über Sojawurst und Mangold am Tellerrand und dem leckeren Agavendicksaft im Rock-Refrain sang.

Viele Zuschauer dankten der Künstlerin persönlich

Mit bajuwarischem "Schuhfledler-Lied" gab Eisel die hintergründige Erkenntnis zum Besten: "Mensch bleibt Mensch, Frau bleibt Frau!" Überhaupt: Welcher Mann versteht Letztere? Da führet eine versehentlich Östrogen-Pilleneinnahme immerhin beim Gatten zu Brustspannung und schleichender Vorliebe für Stöckelschuhe und Blümchen für den Kneipen-Stammtisch.

Schließlich lallte sich Eiselt als betrunkene Braut zur Erkenntnis, statt eines weiteren Mannes lieber doch gleich die ganze Erde samt Bodenkuss heiraten zu wollen, obwohl die auch ganz schön herunter gekommen ist. Ihre hintergründige Kabarett-Schlussbotschaft lautete: Aus Schubladen sollen Regale werden, damit alles offener wird!

Viele der Prinzengarten-Zuschauer dankten der Kabarettistin über herzliche Appläuse hinaus nach zwei Open-Air-Bühnenstunden anschließend noch persönlich: Endlich habe man mal wieder herzlich lachen können. Eiselt gab die Komplimente zurück: Sie habe hier sehr nette, tolle Menschen wahrgenommen. Und das trotz des erzwungenen weitem Abstands im hellen Freien bei ihrem bislang eher ungewohnt frühen Auftritt. Jedoch: "Schön, dass wenigstens das wieder möglich ist!" Gerne hätte sie den noch immer coronagesperrten Gewölbekeller des KKW kennen gelernt, verriet sie noch: "Da ist halt eine hautnähere Atmosphäre möglich, für Künstler und Publikum."

Mit dem Jahresprogramm des KKW geht es am Samstag, 17. Juli, um 19 Uhr im Prinzengarten oder notfalls bei schlechten Wetter der Stadthalle weiter. Dann wird Stefan Eichner "Reinhard Mey: Version 2.0" musikalisch zum besten geben. Wenn alles pandemiemäßig weiter klappt, wird bis dahin lediglich Maskenpflicht bis zum eigenen abstandsgerechten Sitzplatz herrschen.

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