Ein Bild aus guten Zeiten: 2014 feierte die "Muettersproch-Gruppe Rund um dr’ Kahleberg" vor vollem Haus ihr 30-jähriges Bestehen. Gratuliert hat damals auch Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz. Nun ist die Zukunft des Vereins ungewiss. Foto: Archivfoto: Decoux-Kone

Vereinsleben: Christel Mösch gibt Vorsitz nach 37 Jahren auf / Nachfolger hat sich noch nicht gefuden

Ettenheim - Ein schwerer Schlag für die "Muettersproch-Gruppe Rund um dr’ Kahleberg": Nach 37 Jahren als Vorsitzende hört Christel Mösch auf. Damit ist die Zukunft des Vereins erst einmal ungewiss.

Corona setzt den Muettersprochlern zu 

Großer Abstand, keine Veranstaltungen: Corona setzt auch den Ettenheimer "Muettersprochlern" zu, die wie der Großteil der Vereine ihre Aktivitäten seit mehr als einem Jahr eingestellt haben. Nun kommt es noch dicker: Christel Mösch, von Anbeginn die "Lokomotive" der Gruppe, wird den Vorsitz niederlegen.

Die 86-Jähriger nimmt die Einladung ihrer Tochter Annette an und verlässt Ettenheim Richtung Bayern. Ein Entschluss, der ihr nicht leichtgefallen ist, wie sie im Gespräch mit der LZ erklärt: "Aber was soll ich machen? Hier bin ich allein auf mich gestellt, alle meine Pläne für spannende und unterhaltsame Stammtische sind undurchführbar."

Seit nunmehr 37 Jahren steht Mösch an der Spitze der Muettersproch-Gruppe in Ettenheim, sie wurde dafür vielfach geehrt und ausgezeichnet, vom Landkreis, von der Stadt und auch mit der selten vergebenen Heimatmedaille des Landes Baden-Württemberg.

An den regelmäßigen Stammtischen nahmen zwischen 70 und 100 Gäste teil, da war die Muettersproch-Gruppe immer voll "unter Dampf" und wurde mit großer Begeisterung von Christel Mösch zu immer neuen Zielen geführt – menschen- und völkerverbindend, denn auch aus dem Elsass kamen regelmäßig Gäste als Vortragende wie als Stammtisch-Teilnehmer. Auch bei den regelmäßigen Ausflügen ging es mitunter über die Grenze, etwa ins elsässische Mundarttheater in der Opéra in Straßburg.

Vorsitzende sucht nach Nachfolger 

"Ja, und jetzt? Seit Monaten keine Veranstaltungen, keine Treffen, kaum Hoffnung", konstatiert Mösch. Dabei habe sie weiter viele Autoren "an der Hand" und würde gerne schon morgen wieder loslegen, wenn es die Pandemie erlauben würde. Die Gesundheit der Menschen geht aber vor, das weiß die Ettenheimerin. Die Lokomotive ohne Fahrauftrag muss den "Muettersproch"-Zug auf dem Abstellgleis lassen. "Ich werde auch nicht jünger", sagt Mösch. So hat sie nun nach vielen Monaten schweren Herzens beschlossen, ihren Lebensmittelpunkt von ihrer geliebten Heimatstadt ins Bayerische zu verlegen. Auch ihre Tätigkeit in der medizinischen Fußpflege, der sie bis jetzt nachging, wird sie beenden.

Wie geht es nun weiter mit der Muettersproch-Gruppe? "Das ist meine große Sorge, viele habe ich schon gefragt, niemand will an meine Stelle treten", bedauert Christel Mösch. Sie hofft, dass sich doch noch jemand findet, um aus Freude an der Muettersproch die Gruppe weiterzuführen. Mösch würde gerne noch "ein Bündel" an Wissen und Informationen an ihren Nachfolger weitergeben, ebenso wie die lange Liste an Autoren, die angesprochen werden könnten. Für den Anfang würde auch eine "kleinere Lokomotive" reichen.

Eine von 17 Muettersprochler-Gruppen 

Die Regionalgruppe "Rund um dr’ Kahleberg" gehört als eine von 17 zwischen Konstanz, Lörrach und Offenburg zur "Muettersproch-Gsellschaft". Der Sprachverein zur Erhaltung der alemannischen Mundart wurde 1966 in Freiburg gegründet und hat mehr als 2000 Mitglieder aus dem alemannischen Sprachraum, dem Elsass, der Schweiz, Vorarlberg und aus Südbaden. Auch Alemannen aus ganz Europa und Übersee sind dabei, ebenso wie die meisten Autoren und Liedermacher, die Alemannisch schreiben.

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