Ilse (96) und Walter Fraude (95) verbringen ihren gemeinsamen Lebensabend im Seniorenheim St. Marien.Foto: Hiller Foto: Lahrer Zeitung

Gnadenhochzeit: Ilse und Walter Fraude feiern in Ettenheimmünster seltenen Jubeltag

Ettenheimmünster - In Hahnstetten bei Limburg an der Lahn lernten sie sich kennen, in Altdorf verbrachten sie ihren Ruhestand, in St. Marien in Ettenheimmünster durften sie gestern ihre Gnadenhochzeit feiern: Ilse (96) und Walter Fraude (95) sind seit sage und schreibe 70 Jahren verheiratet.

Die Eheleute leben erst seit kurzer Zeit in der Pflegeeinrichtung. Ihre Tochter Sylvia Götz besucht sie dort regelmäßig und kümmert sich um das Notwendige. Die Tochter, ein Sohn und drei Enkelkinder gratulierten zum Jubelfest. Ortsvorsteherin Rita Ohnemus schloss sich den Glückwünschen auch im Namen der Stadt Ettenheim und der Ortsverwaltung Ettenheimmünster an.

Beide Eheleute sind Jahrgang 1925 und haben Krieg und Nachkriegszeit erlebt. Walter Fraude wurde am 9. Oktober 1925 in Möhrin bei Königsburg in Brandenburg geboren und lernte nach der Schulzeit das Landmaschinenschlosserhandwerk. 1943 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Am 9. Mai 1945 geriet er in amerikanische und anschließend in französische Gefangenschaft. 1949 kehrte er zurück und fand bei seiner Schwester in Hahnstetten ein neues Zuhause.

Dort lernte er seine zukünftige Frau Ilse, geborene Hermann, beim Tanzen kennen. Sie wurde am 20. April 1925 geboren und absolvierte nach der Schulzeit ihr Pflichtjahr bei einem Baron in einem Schloss bei Nordheim im Harz. Danach kam sie zu ihrer Tante nach Niedersachsen und besuchte in Eltville eine Hauswirtschaftsschule. Anschließend war sie in der elterlichen Landwirtschaft tätig.

Vor 22 Jahren zog das Paar nach Altdorf

Im März 1951 war Verlobung, im Juni desselben Jahres folgte die Hochzeit. Elf Monate später kam die Tochter zur Welt, sechs Jahre später der Sohn. Beide Kinder zog es nach Südbaden, der Sohn nach Freiburg, die Tochter nach Ettenheim. So reifte der Gedanke, den Lebensabend in Altdorf zu verbringen. Vor 22 Jahren zogen die Eheleute in ihr eigenes Haus "Hinter dem Löwen" ein.

Ilse Fraude schloss sich den Altdorfer Landfrauen an und besuchte auch regelmäßig die Zusammenkünfte des evangelischen Frauenkreises. Walter Fraude, der bis zur Rente in der Energieversorgung tätig war, betrieb als Hobby eine Kaninchenzucht mit mehr als 100 Tieren in Hahnstetten. In Münchweier bewirtschaftete er einen Acker und baute Gemüse und Früchte an. Noch bis ins hohe Alter fuhr er mit dem Fahrrad durch die Stadt. Erst ein häuslicher Unfall zwang ihn zum langsamer machen.

Vor Kurzem wurden die Eheleute pflegebedürftig und werden nun im Seniorenheim St. Marien betreut.

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