Die Espan-Klinik, auf deren Initiative hin die erste Selbsthilfegruppe für Long-Covid-Patienten deutschlandweit gegründet wurde, geht für die Rehaaufenthalte dieser Patienten erfolgreich eigene Wege. Man fordert zudem auch umfangreiche Forschungsarbeit.
Zu Beginn der Rehaphase bedarf es einer systematischen und strukturierten Abfrage von Symptomen bei den Patienten.
Hierzu entwickelte man selbst einen Fragebogen bei dem der Zustand in 19 verschiedenen Punkten abgefragt wird. Besondere Aufmerksamkeit hat hier der Erschöpfungszustand. Denn dieser, so führt Chefarzt Peter Hannemann aus, kann auch erst Stunden später oder gar am Folgetag auftreten und werde unter Umständen gar nicht ursächlich miteinander in Verbindung gebracht. Deswegen wird detailliert abgefragt, wann der Erschöpfungszustand beginnt, was den Erschöpfungszustand auslöst und wie lange dieser anhält.
Umfangreiche Abfrage
Weitere Punkte sind Luftnot bei Belastung wie beispielsweise beim Treppensteigen, nach wie vielen Stufen oder Etagen diese eintritt. In Stufen von eins (wenig schlimm) bis zehn (extrem stark) sind weitere Punkte Konzentrationsstörungen, Wortfindungsstörungen, Brustschmerzen, Herzklopfen, Geruchs- und Geschmacksstörung, Beeinträchtigung bei Gleichgewicht und Feinmotorik, Depression und Angstzustände oder auch Muskel- und Gelenkschmerzen wie Überempfindlichkeit gegen Licht, Geräusche, Gerüche und Berührung.
Dies alles soll eine bestmögliche Einschätzung des Patientenzustandes geben, um dann gezielt die einzelnen Maßnahmen während des Aufenthalts abzuleiten. Zusätzlich gibt es auch ein Post-Covid-Tagebuch. In diesem können die Patienten mit Datum und Uhrzeit ihre Beschwerden notieren.
Geringes Wisse über Post-Covid
Long-Covid muss nicht direkt nach einer Coronaerkrankung auftreten und es ist auch nicht abhängig von dem Krankheitsverlauf. Insgesamt weiß man nicht viel über die Ursachen der Long-Covid-Erkrankungen. Aber: Diskutiert werden verbleibende Viren sowie Schädigung des Nervensystems und des Gewebes.
Fachstudie mit 1,2 Millionen Patienten
Im Oktober 2022 veröffentlichte die Fachzeitschrift JAMA eine internationale Studie, bei der 1,2 Millionen Covid-Patienten befragt wurden. Aus dieser geht hervor, dass etwa 6,2 Prozent der Patienten auch drei Monate nach Erkrankungsbeginn noch Beschwerden hatten. 3,7 Prozent leiden unter Luftnot bei Belastung – obwohl das Röntgenbild und die Lungenfunktion häufig völlig unauffällig sind. 3,2 Prozent klagen über schwere Erschöpfungszustände und etwa 2,7 Prozent unter Konzentrations-, Gedächtnis- und Wortfindungsstörungen.
„Da jedoch die Ursache der Erkrankung noch nicht geklärt ist, gibt es auch keine Therapie, die das Übel bei der Wurzel packen würde“, informiert die Espan Klinik in ihrem Informationsflyer. Stattdessen zielt die Behandlung darauf ab, die Symptome bei den Patienten zu lindern.