Juri Angermann musste mit seiner Familie in der Lobby seines Dubaier Hotels Schutz suchen. Nicht weit entfernt stürzten Reste einer Rakete zu Boden. Foto: privat

Juri Angermann bangt um seine Ausreise: Er ist in Dubai im Urlaub – doch der Rückflug nach Frankfurt wackelt. Einen Angriff hat er fast aus nächster Nähe erlebt.

Blauer Himmel, ebenso blaues, ruhiges Wasser, im Vordergrund Palmen, im Hintergrund die Skyline von Dubai. Es ist die Kulisse für einen Traumurlaub. Zu hören ist nur ein leises Rauschen des Windes und das Gezwitscher der Vögel. Und dann zerreißt ein gewaltiger Knall die Idylle.

 

Juri Angermann aus Lahr bekommt die militärische Eskalation im Nahen Osten aktuell hautnah zu spüren. Am 22. Februar ist der Gründer der Kippenheimer Firma Kleever mit Frau und Tochter in die Vereinigten Arabische Emirate gereist. Zum Teil, um dort Urlaub zu machen, zum Teil um Termine mit Bekannten und Freunden wahrzunehmen, die in Dubai leben und von dort aus arbeiten. Am Samstag ist der Rückflug nach Frankfurt geplant – doch der Luftraum ist gesperrt. „Wir sind verwirrt, wir wissen nicht, wie es weitergeht“, erzählt Angermann.

Ihr Hotel hat die Familie auf der berühmten „Palme“, der künstlichen geschaffenen, Dubai vorgelagerten Insel. „Am Samstag waren wir am Pool und sind dann ins Zimmer. Da gab es einen Riesenschlag, bei dem zum ersten Mal die Scheibe hart gewackelt hat. Das haben wir ernst genommen und schon mal einen Rucksack gepackt – für alle Fälle.“ Am Abend war die Familie in einem Einkaufszentrum auf der Palme Abendessen – „dann gab es wieder einen Riesenschlag. Das war, als sie eine Rakete abgefangen haben und auf dem Fairmont-Hotel die Reste gelandet sind.“ Nur 300 Meter sei die Familie davon entfernt gewesen, berichtet Angermann. Mit dem Handy hat er die große, schwarze Wolke aufgenommen, die nur unweit von ihm in die Höhe stieg.

Wenig Schlaf in der Hotel-Lobby

„Dann sind wir mit anderen Leuten in die Tiefgarage und waren dort etwa vier Stunden“. Als sie dachten, alles sei vorbei, seien sie wieder ins Hotel gegangen. Doch dort, um 0.30 Uhr, kam dann der Notalarm aufs Handy, mit dem Hinweis, Schutz zu suchen. Also ging die Familie in die Lobby. „Da waren wir sicherlich bis vier Uhr morgens. Die Nacht war kurz, wenig geschlafen, hohes Adrenalin.“ Ein Bild zeigt, wie die drei sich notdürftig mit Kissen, Decken und Matten ein Schlaflager eingerichtet hatten. Ein anderes Bild zeigt, wie zwei Stühle so zusammengeschoben wurden, dass ein Kind einen Platz zum Liegen hatte.

Angermann berichtet von „ekligem“ Gefühl

Auch am Sonntag sei die Familie nicht zur Ruhe gekommen. „Das Gefühl, dass jederzeit von oben etwas herunterfliegen kann, ist einfach eklig.“ Die Verantwortlichen vor Ort würden zwar sagen, alles sei sicher, doch Angermann kann dieses Gefühl nicht ignorieren. Vor allem, da die Lage das alltägliche Leben beeinflusst: „Die Leute sind alle am Pool. Der Strand ist abgesperrt, auch die öffentlichen Räume sollen vermieden werden, sind abgesperrt.“

Die Nacht auf Montag sei ruhiger verlaufen, „aber wir haben natürlich wachsam geschlafen. Am Morgen gab es dreimal wieder einen Riesenknall, da war es wieder beunruhigend“.

Familie prüft, über den Oman auszureisen

Der Unternehmer berichtet, dass er mit Bekannten in Dubai in stetigem Kontakt sei, man sich austausche, was wo passiert und auch darüber, wie man die Region schnell wieder verlassen kann. „Wir machen uns seit zwei Tagen ernsthaft darüber Gedanken und schauen nach Lösungen.“ Aktuell prüft Angermann, mit dem Auto in Richtung Oman zu fahren, um von dort aus nach Deutschland zu fliegen. Der Luftraum des Oman ist derzeit nicht gesperrt.

Kann man unter diesen Umständen den Urlaub noch halbwegs genießen? Seit Montagnachmittag sei es „etwas entspannter, weil man nichts mehr hört. Aber klar, die Sorgen und die Unsicherheit sind noch da.“

30.000 sind betroffen

Der Deutsche Reiseverband beziffert die Zahl der deutschen Reisenden, die von der Luftraumschließung in der Golfregion betroffen sind, auf etwa 30 000. Ein Lichtblick: Außenminister Johann Wadephul (CDU) kündigte am Montag an, deutsche Urlaube so schnell wie möglich nach Hause bringen zu wollen.