Eschbronns Bürgermeister Franz Moser rügt in seinem Jahresrückblick die ausufernde Bürokratie, die etwa für den Ausbau der Grundschule in Locherhof lange Vorlaufzeiten verursachte. Foto: Herzog

Eschbronn hat 2022 einiges auf den Weg gebracht, findet Bürgermeister Franz Moser. ER kritisiert jedoch die Bundespolitik

Eschbronn - Das Jahr 2022 hätten sich wohl viele ganz anders vorgestellt, sagte Bürgermeister Franz Moser im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Hoffnung, dass die Corona-Pandemie bald ein Ende haben werde, sei groß gewesen. Doch dann sei die Welt durch den Angriff Russlands auf die Ukraine endgültig aus den Fugen geraten, habe inzwischen Zehntausende Tote gefordert und unsägliches Leid in viele Familien gebracht.

Der Krieg wirke sich auf ganz Europa aus, betont Moser, er stelle eine Gratwanderung zwischen entschiedenem Entgegenwirken gegen die Aggression und kein Öl ins Feuer gießen dar, die nicht immer glücke.

Am gesunden Menschenverstand orientieren

Deutschland befinde sich in einer Energiekrise, die die Versorgungssicherheit infrage stelle. Es sei an der Zeit, bisher geleistete Standards und Bürokratie zu überdenken. "Es wäre schön, wenn das von Kanzler Olaf Scholz erwähnte Deutschlandtempo bei unserem Umbau der Grundschule Locherhof zur Unterbringung des Kindergartens keine Vorlaufzeit von vier Jahren braucht und Planungs- und Genehmigungsverfahren nur in Wochen angegeben wird", rügte der Bürgermeister die gängige Praxis der Behörden. Er sprach gar vom "Dreifach-Wumms", wenn der Gesetzgeber sich an der Wirklichkeit und am gesunden Menschenverstand orientieren würde.

Bei der Neuregelung des Umsatzsteuergesetzes würden Strukturen zerschlagen und Ehrenamtlichen in Feuerwehr, Schule und Kindergarten jegliche Motivation genommen. Des Weiteren nehme die Politik in Kauf, dass eine erhebliche Zahl an Kindern keinen Betreuungsplatz bekomme, nur weil an Standards festgehalten werde.

Strategische Entscheidungen notwendig

Zu den erfolgreich umgesetzten oder zumindest begonnenen Maßnahmen zählte der Bürgermeister den Radwegbau Eschbronn-Sulgen, die Errichtung eines Naturkindergartens beim Gelände des Obst- und Gartenbauvereins und Erweiterung des Bebauungsplans "Gewerbegebiet Ob Heckenwald".

"Die Zeit, in der Baugesuche im halben Dutzend im Gemeinderat vorgestellt wurden, ist zwar vorerst vorbei. Wir haben uns in 2022 aber auf einem guten Niveau bewegt. Für 2023 werden wir strategische Entscheidungen treffen müssen", blickte der Rathauschef voraus.

Auch im Innenbereich habe sich einiges getan. Über das Förderprogramm Entwicklung Ländlicher Raum (ELR) habe es Zuschüsse in Höhe von 32 000 Euro gegeben, die allein im Wohnungsbau Investitionen von 800 000 Euro auslösten.

Seit nunmehr sieben Jahren werde das Projekt Gas und Glas vorangetrieben, das in 2022 aus verschiedenen Gründen leider etwas zäher gelaufen sei. Dennoch seien wieder einige Straßenzüge erschlossen worden. Mit 75 Prozent Gas- und Glasfaseranschlüssen von Wohn- und Betriebsgebäuden sei ein beachtlicher Umfang erreicht worden.

Partnergemeinde besucht

Auch die Stromversorger hätten bei dieser Gelegenheit das Stromnetz ausgebaut. Mit dem Einbau von Lüftungsanlagen in die Klassenzimmer sei nun die Umbaumaßnahme in der Grundschule Eschbronn in Mariazell abgeschlossen, und sie verfüge inzwischen über eine vorbildliche Ausstattung, hob der Bürgermeister hervor.

Weitreichend sei der Beschluss der Versammlung des Zweckverbands Abwasserbeseitigung Eschachtal mit Investitionen von zehn Millionen Euro zur Erweiterung und Neugestaltung der Kläranlage in Horgen gewesen.

Erfreut habe er, Moser, verfolgt, wie in 2022 das gewohnte gesellschaftliche Leben nach Corona Stück für Stück zurückgekehrt sei und Vereinsaktivitäten, Veranstaltungen und Feste wieder stattgefunden hätten. Die französische Partnergemeinde Le Tholonet habe wieder besucht werden können, so habe man auch deren neue Akteure in der Kommunalpolitik kennengelernt. Der Gegenbesuch in Eschbronn sei über die Fasnet 2023 vorgesehen.

An Michail Gorbatschow erinnert

Die Gemeinde lebe sehr stark vom bürgerschaftlichen und ehrenamtlichen Engagement, wofür sich Moser herzlich bedankt. Sein Dank gelte ebenso den Mitgliedern des Gemeinderats für die sachorientierte Zusammenarbeit und das angenehme menschliche Miteinander, erklärte Moser.

Für 2023 wünscht sich der Eschbronner Bürgermeister vor allem Frieden in der Welt und zitiert dabei gerne den am 30. August 2022 verstorbenen früheren sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow: "An den Frieden denken heißt, an die Kinder denken.".