Nur noch 14 von 24 Tiere hat der Schäfer Matthias Meerwarth noch. Foto: Zepf

Seit Dezember findet der Schäfer immer wieder Damwild in seinem Gehege im Eschachtal tot auf. Für ihn ist der Sachverhalt klar, der Wolf muss die Tiere gerissen haben. Doch ist das wirklich so?

Der Berufsschäfer und Damwildbesitzer Matthias Meerwarth ist mit seiner Weisheit am Ende. In den vergangenen Wochen findet er alle paar Tage eines seiner Tiere im Damwildgehege im Eschachtal in Rottweil tot auf. Von den Behörden fühlt er sich im Stich gelassen, wie er unserer Redaktion berichtet. Die Fotos zu dem Fall sind – Achtung – nichts für schwache Nerven.

 

Meerwarth ist Schäfer mit Leib und Seele. Seit Anfang 2024 ist er auch der Pächter des Wildgeheges der Stadt Rottweil im malerischen Eschachtal. Dort kümmert er sich um sein Damwild. Auch diese 24 Tiere liegen ihm am Herzen und umso schlimmer sei es für ihn, sie nun nach und nach blutig und leblos in ihrem Gehege zu entdecken.

Bei der Unteren Jagdbehörde und dem Veterinäramt in Rottweil hat der 42-Jährige nach Unterstützung gefragt. Von den Behörden seien dann Proben von den toten Tieren genommen worden. Aber erst nach dem siebten Riss seien das tote Damwild schließlich ins Labor geschickt worden, um sie komplett zu untersuchen.

Nur noch ein Skelett

Besonders schlimm sei der neunte Fall gewesen. Nur noch das Skelett des Tieres habe er gefunden, sagt der Pächter. Füchse hätten das Damwild möglicherweise gefressen, hätte die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) ihm mitgeteilt, so Meerwarth. Für ihn sei das ausgeschlossen, da Füchse keine Rudeltiere seien. Dementsprechend könne das Damwild nicht über Nacht bis auf die Knochen heruntergefressen worden sein.

Das neunte Tier wurde bis auf die Knochen abgenagt. Foto: Meerwarth

„Als Geschädigter wird man nicht ernst genommen“, meint der 42-Jährige und geht rastlos vor dem immer leerer werdenden Gehege auf und ab. Er ist fassungslos, als er das Ergebnis einer entnommenen Probe zurückerhält. Die DNA-Untersuchung der FVA habe Hunde-DNA (Canis familiaris) ergeben, informiert uns der Wanderschäfer.

Der Leidtragende vermutet, dass die Behörden die Anwesenheit eines Wolfes in der Region mit allen Mitteln ausschließen wollen, um das festgelegte Wolfsgebiet nicht erweitern zu müssen. „Es wird nicht mit offenen Karten gespielt“, klagt uns der passionierte Schäfer sein Leid.

Der opportunistische Jäger

Wolf ist Wolf“, bekundet Meerwarth, der opportunistische Jäger handele nur seiner Natur gemäß. Aber wenn die Behörden einem nicht sagen wollen, dass das Raubtier auch im Landkreis Rottweil vertreten sei, dann habe man keine Handhabe, so der Schäfer.

So könne er sich nicht auf die Anwesenheit eines Wolfes vorbereiten und sein Damwild nicht angemessen schützen. Beispielsweise brauche das Gehege einen neuen Zaun, aber die Förderung für einen Elektrozaun beziehungsweise die unterste Litze, die die Wölfe abwehren solle, bekäme man erst, wenn das Eschachtal zum Wolfsgebiet erklärt werde, so Meerwarth.

Auch mit seinen Schafen komme er im Sommer wieder von der Winterweide aus Offenburg nach Rottweil zurück. Herdenschutzhunde, die Angriffe von Wölfen abwehren können, seien allerdings mit einem extremen Mehraufwand verbunden. Über Jahre müssen die Hunde erst einmal trainiert und an die Schafe gewöhnt werden, so der ratlose Schäfer.

Meerwarth meint wütend: „Meine Arbeit habe ich immer gerne gemacht, bis jetzt“. Aber bald habe er überhaupt kein Wild mehr in seinem Gehege. Einen Sinn, die inzwischen zehn toten Tiere im Naherholungsgebiet Eschachtal zu ersetzen, sehe er so nicht.

Nachfrage bei den Behörden

Wir fragen beim städtischen Veterinäramt nach, was unternommen wurde, um herauszufinden, wie das Damwild im Eschachtal zu Tode gekommen ist und wie der Fall einzuordnen ist?

„Die Untere Jagdbehörde war sowohl im Dezember als auch im Januar mehrfach im Gehege, um an den toten Tieren DNA zu sichern“, teilt uns die Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landratsamts, Andrea Schmider, mit.

Insgesamt seien von zehn Tieren jeweils mehrere DNA-Proben genommen worden, die an die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt weitergeleitet wurden. Darüber hinaus seien drei der gerissenen Tiere zum CVUA, dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg, gebracht worden, so Schmider.

Möglicherweise geschwächtes Damwild?

„Dort werden weitere Untersuchungen gemacht, um festzustellen, ob die Tiere möglicherweise erkrankt, deshalb geschwächt und damit eine leichte Beute für kleinere Beutegreifer gewesen sein könnten“, führt die Pressesprecherin weiter aus.

Derzeit ließe sich nicht mit Bestimmtheit sagen, was das Wild gerissen haben könnte und genauso wenig, ob die Bissverletzungen tödlich gewesen oder postmortal, also erst nach dem Tod aufgetreten seien. Die pathologischen Untersuchungen der CVUA seien zudem noch nicht abgeschlossen, so dass sich zur potenziellen Todesursache ebenfalls noch keine finale Aussage treffen ließe, informiert Schmider.

Der Wolf als Täter?

Auch bei der Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg fragen wir nach: Könnte ein Wolf das Wild gerissen haben?

Ergebnisse der weiteren beziehungsweise finalen pathologischen Untersuchung zu dem toten Damwild im Eschachtal lägen noch nicht vor. Zum aktuellen Zeitpunkt sei der Fall daher noch in Bearbeitung und die Beteiligung eines Wolfes könne weder bestätigt noch gänzlich ausgeschlossen werden, heißt es aus dem Fachbereich Wolfmonitoring der FVA.

„Wir halten Wolf einen aufgrund der bisherigen Ergebnisse sowie nach fachlicher Einschätzung aber für unwahrscheinlich“, äußert sich die FVA in Bezug auf das bestätigte Ergebnis der Probe, die sich als Hunde-DNA herausstellte. Sofern sich die Beteiligung eines Wolfes wider Erwarten aber bestätigen würde, würde dies entsprechend über das Umweltministerium kommuniziert werden.

Weiteres Vorgehen

Auf unserer Nachfrage nach dem weiteren Vorgehen des Veterinäramts und der Unteren Jagdbehörde, bekommen wir folgende Antwort: „Um festzustellen, wer der oder die Angreifer sein könnten, wurde im Gehege nun eine Wildkamera installiert, um weitere Aufschlüsse zu bekommen“, erklärt Pressereferentin Andrea Schmider. Inzwischen stehe das Gehege zum Wohl der Tiere auch unter genauer Beobachtung durch das Veterinäramt.