Die Internationale Raumstation mit dem angedockten europäischen Wissenschaftslabor Columbus (Mitte unten links) Foto: NASA

In Luxemburg beschließen die Wirtschaftsminister der ESA-Staaten an diesem Dienstag, wie es mit der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA) weitergeht.

Die neue Rakete

Die Ariane-5 absolvierte seit 1996 mehr als 60 erfolgreiche Starts, hat bei kommerziellen Starts derzeit einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent und brachte Europa Gewinne in Höhe von gut 50 Milliarden Euro ein. „Damit ist die Ariane-5 die kommerziell erfolgreichste Rakete auf dem Weltmarkt“, betont Andreas Schütz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Private und vor allem preisgünstige Anbieter wie SpaceX und nicht zuletzt der Trend zu kleineren Satelliten erfordern nun jedoch die Entwicklung einer flexibel einsetzbaren Rakete. Es gehe darum, einen „eigenständigen, verlässlichen und erschwinglichen Zugang“ der Europäer zum Weltraum zu sichern, erklärt Schütz.

Deutschland bevorzugte bislang eine Weiterentwicklung der bestehenden Ariane-5 und setzte auf das Projekt Ariane-5ME, Frankreich plädierte dagegen für den Bau einer neuen Rakete, der Ariane-6. Der Kompromiss sieht nun den Bau der Ariane-6 in zwei Varianten vor, die ab 2020 mittelgroße und große Satelliten ins All bringen soll. Mit dem Kompromiss kann man auch auf deutscher Seite leben. „Zwar gibt es den Wermutstropfen, dass die Ariane-5ME wohl nicht mehr realisiert wird“, schreibt DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner in seinem Blog: „Das neue Konzept A62/64 ist aber überlegen und kann als eine optimierte A5ME gelten.“ Zudem soll die kleine Rakete Vega weiterentwickelt werden, um kleinere Satelliten zu transportieren. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 3,8 Milliarden Euro. Ob die Ariane-6 gebaut wird, stellt sich erst 2016 heraus.

Die Zukunft der Raumstation ISS

Nachdem Deutschland sich im Streit um die neue Rakete kompromissbereit gezeigt hat, hofft man in Sachen Internationaler Raumstation (ISS) nun auf ein Entgegenkommen der europäischen Partner – vor allem Frankreich und Italien sollen überzeugt werden, die ISS weiter zu finanzieren. Während des letzten Treffens der Wirtschaftsminister der Esa-Länder vor zwei Jahren in Neapel hatten beide Länder ihre Zuwendungen gekürzt – um die ISS zu retten, schraubte Deutschland daraufhin seinen Anteil an den europäischen Betriebskosten auf 50 Prozent hoch.

In Luxemburg soll nun die Finanzierung der ISS in zwei Etappen bis zum Jahr 2020 sichergestellt werden – dann sollen allerdings nur noch 37,5 Prozent der Kosten von Deutschland bezahlt werden. Mehr als ein „Kopfnicken“ aus Frankreich und Italien habe er allerdings noch nicht bekommen, erklärte DLR-Chef Wörner jüngst. „Da wird es sicherlich noch Diskussionen geben.“ Bis Ende 2017 belaufen sich die Kosten auf europäischer Seite auf 820 Millionen Euro. Die Bereitstellung der Mittel soll nach Angaben von DLR-Sprecher Andreas Schütz auch als politisches Signal verstanden werden: Wissenschaft sei ein Mittel der Völkerverständigung. „Wir stehen zu unseren Projekten“, sagt Schütz. Das müsse auch in Zeiten politischer Krisen und knapper Budgets gelten.

Die Rolle der Weltraumorganisation

Geht es nach der Europäischen Union, soll die Europäische Weltraumorganisation (Esa) ein „verlängerter Arm“ der EU werden – was bei Experten aber nur auf wenig Gegenliebe stößt. Die Minister seien aufgefordert, die Esa „als unabhängige zwischenstaatliche Weltraumorganisation“ beizubehalten und sie zum „bevorzugten Partner der EU“ zu machen, heißt es dazu von der Weltraumorganisation. „Die Esa muss eigenständig bleiben, getragen von den Mitgliedsländern“, fordert auch DLR-Sprecher Andreas Schütz. „Die EU soll die Esa nutzen, die Oberhoheit über die Realisierung und Umsetzung der Programme muss aber bei der Weltraumorganisation bleiben.“

Das hat nicht zuletzt finanzielle Gründe, wie DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner erläutert: „Beteiligt sich ein Land an der Finanzierung eines Esa-Projekts mit einem bestimmten Prozentsatz, dann fließen anteilig Mittel mit diesem Prozentsatz wieder an Einrichtungen des jeweiligen Landes zurück. Wir nennen das Geo-Return.“ Die EU würde Aufträge dagegen an den jeweils günstigsten Anbieter vergeben, ohne auf die Höhe der eingezahlten Beiträge zu achten. Des Weiteren soll die Industrie künftig stärker in die Entwicklung eingebunden werden – und somit auch die Risiken mittragen.

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