5478 Patienten im Raum Calw sind wegen Übergewicht in Behandlung. Weit mehr als ein ästhetisches Problem – es drohen schlimme Folgen für die Gesundheit.
Laut Robert Koch Institut ist rund ein Fünftel der Erwachsenen in Deutschland stark übergewichtig (adipös). Mit steigender Tendenz, wie eine Auswertung der AOK Baden-Württemberg zeigt.
Hinzu kommt ein aktueller Bericht des Kinderhilfswerks Unicef, demzufolge es weltweit erstmals mehr fettleibige als untergewichtige Kinder und Jugendliche gibt.
Weit mehr als ein ästhetisches Problem
Zwischen 2019 und 2023 nahm die Krankheitshäufigkeit jährlich um 0,24 Prozent zu. Zuletzt befanden sich landesweit 391 939 AOK-Versicherte wegen Adipositas in ärztlicher Behandlung – darunter 5478 im Raum Calw.
Bei Erwachsenen spricht man ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 von Übergewicht, ab einem BMI von 30 von starkem Übergewicht (Adipositas). Das ist weit mehr als ein ästhetisches Problem, denn Adipositas kann schwerwiegende Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit haben.
„Zu den wichtigsten internistischen Komplikationen der Adipositas gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2 und auch bestimmte Tumorerkrankungen“, erklärt Matthias Osswald, Arzt bei der AOK-Baden-Württemberg. „Außerdem ist Adipositas ein Risikofaktor für eine Fettlebererkrankung, für nächtliche Atemaussetzer, Gallensteine sowie Arthrose.“
Auch die Psyche leidet: Menschen mit Adipositas werden oft aufgrund ihres Gewichts stigmatisiert oder sogar diskriminiert – mit negativen Folgen für Körperbild und Selbstwertgefühl.
Ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und chronischer Stress
Zu den Risikofaktoren für Adipositas zählen eine ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und chronischer Stress. Auch depressive Verstimmungen, familiäre Veranlagung oder Nebenwirkungen bestimmter Medikamente können eine Rolle spielen. Die ständige Verfügbarkeit von kalorien- und fettreichen Nahrungsmitteln sowie zuckerhaltigen Getränken erschwert zusätzlich das Abnehmen und Halten eines gesunden Körpergewichts.
„Ernährungsbedingte Krankheiten sind ein zentraler Treiber der Krankheitslast in Deutschland“, betont Claus Bannert, Geschäftsführer der AOK Nordschwarzwald. „Die Politik ist gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die gesunde Lebensweisen unterstützen und ungesunde Gewohnheiten reduzieren.“
Eine Diät allein hilft bei Übergewicht nicht
Dazu gehört die Förderung von Wissen über gesunde Ernährung ebenso wie strukturelle Maßnahmen.
„Nur eine langfristige Veränderung des Verhaltens und Lebensstils bringt einen dauerhaften Erfolg – nicht jedoch eine Diät“, gibt Camilla Schneeweiß, Ernährungsfachkraft der AOK Nordschwarzwald, zu bedenken. „Es ist wichtig, das eigene Essverhalten kritisch zu hinterfragen. Häufig greifen Menschen aus Gewohnheit, Langeweile oder Stress zu Lebensmitteln und verlieren dabei zunehmend das natürliche Gespür für Hunger und Sättigung“.