Rund 4000 Menschen demonstrierten im Februar in Lahr gegen Rechtsextremismus. Am Samstag wird es nun eine Kundgebung in Ettenheim geben. Foto: Baublies

In Ettenheim soll am Samstag, 4. Mai, ein deutliches Zeichen für die Demokratie gesetzt werden. Mit einer Kundgebung ab 11.30 Uhr auf dem Rathausplatz können sich die Ortenauer menschenrechtsfeindlichen Strömungen in Deutschland entgegengestellen.

„Wir müssen uns für die Demokratie stark machen. Es ist an der Zeit, ein wenig lauter zu werden“, erklärt Organisatorin Dagmar Abt unserer Redaktion. Als Vorsitzende des Fördervereins „Ehemalige Synagoge heute Kunsthalle Altdorf“ weiß sie nur zu gut: „Wir sollten aus der Geschichte gelernt haben, dass es gefährlich werden kann, wenn die Mehrheit zu lange schweigt. Ich wollte mir nicht irgendwann vorwerfen müssen, keinen Versuch unternommen zu haben, einer menschenrechtsfeindlichen Politik in Deutschland entgegenzustehen“, erklärt sie.

 

Das Netzwerk Correctiv hatte von einem Treffen hochrangiger AfD-Politiker mit Rechtsextremen im November berichtet. Bei diesem war die Vertreibung von Millionen Menschen aus Deutschland aufgrund rassistischer Kriterien diskutiert worden – egal, ob diese Menschen einen deutschen Pass besitzen oder nicht. Aufgrund dieser „Remigrationspläne“ war es zu Jahresanfang zu zahlreichen Protesten in ganz Deutschland gekommen. Auch in Lahr demonstrierten am 3. Februar rund 4000 Bürger der Ortenau für Toleranz, Respekt und Vielfalt – und somit auch gegen die AfD.

Auch in Ettenheim sei die Bereitschaft groß gewesen, etwas zu tun, ein Zeichen zu setzen. Aber so wirklich hatte es niemand in die Hand genommen, schildert Abt, die selbst bezüglich einer solchen Kundgebung angefragt hatte. Also hatte sie schließlich die Organisation in die Hand genommen. „Solange wir die Mittel noch haben, solange extremistische Haltungen noch keinen wesentlichen politischen Einfluss haben, ist es noch verhältnismäßig leicht, sich solchen Strömungen entgegenzustellen. Die Mitbürger aufzufordern, sich Gedanken zu machen, zu was sie gerade verführt werden sollen“, so Abt. Es sei wichtig, die Menschen zu informieren, denn auch die andere Seite sei mit ihren – zum Teil suggestiven – Informationskampagnen alles andere als zimperlich. „Am Ende sind wir es in einer Demokratie immer selbst, die bestimmen, was passiert“, betont sie. Deshalb sei es ihr wichtig gewesen, die Kundgebung noch vor der Kommunalwahl und vor allem vor der Europawahl zu machen.

Abt erfuhr für ihr Vorhaben große Unterstützung

Dass sie mit dieser Meinung und ihrem Einsatz für die Demokratie nicht allein ist, habe sie ganz schnell bemerkt, als es an die Organisation ging: „Die ersten Telefonate haben mir Aufwind gegeben. Niemand, den ich angefragt habe, hat mir eine Absage erteilt. Jeder hat mich ermuntert und mitgeholfen“, schildert sie. Die Liste derer, die die Kundgebung unterstützen, ist lang, wie auch das gut einstündige Programm zeigt: So werden unter anderen Vertreter der Vereine „Ehemalige Synagoge Kippenheim“, „Willkommensinitiative Neustart“ und die Initiative „Eine Welt“ sprechen. Auch Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde Ettenheim sowie die Schülermitverwaltungen aller weiterführenden Schulen Ettenheims werden sich zu Wort melden. Die inklusive Tanzwerkstatt Ettenheim wird eine Vorführung zeigen, die Sängerin Julia Lavé und die Band Kid-O werden auftreten und und Poetry Slam wird es ebenfalls geben. „Wir bieten ein Programm, das so vielfältig ist, wie die Vielfalt und die Demokratie, für die wir einstehen“, so Abt. Auch Bürgermeister Bruno Metz wird bei der Veranstaltung eine Rede halten. Er hatte bereits im Gemeinderat betont, dass er es gut finde, dass bei der Kundgebung alle Fraktionen des Gemeinderats vertreten sein werden.

Ettenheim will mit der Demonstration ein starkes Zeichen für die Demokratie setzen. „Im Februar waren viele Ettenheimer in Lahr. Nun hoffen wir, dass auch Menschen aus der gesamten Ortenau am 4. Mai nach Ettenheim kommen“, betont sie. „Wir sind gut vorbereitet, auch auf viele Teilnehmer“, erklärt sie.

Die Innenstadt rund um das Rathaus ist wegen der Kundgebung für den motorisierten Verkehr gesperrt. Parkmöglichkeiten gibt es in der Schwarzwaldstraße und „Auf den Espen“.

Bündnis für Demokratie und Menschenrechte Baden-Württemberg

I m Rahmen der Vorbereitung der Ettenheimer Kundgebung am Samstag, 4. Mai, haben die Organisatoren auch Kontakt zu dem Bündnis für Demokratie und Menschenrechte Baden-Württemberg aufgenommen und planen diesem beizutreten. Das Bündnis will ein Schulterschluss aller Demokraten gegen Extremismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Menschenfeindlichkeit sein. Es geht es dabei vor allem um die Signalwirkung, die von einem solchen Zusammenschluss ausgeht. „Wenn viele Vereine, Firmen und andere Organisationen sich aktiv gegen Extremismus stellen, hat das auch Signalwirkung auf andere“, ist Dagmar Abt fest überzeugt.