Familie Leder hat ein eigens Spiel entwickelt. Unser Bild zeigt sie beim Spieletag im Gemeindehaus. Foto: Sabine Zoller

Ihre Leidenschaft für Brettspiele entdeckte Familie Leder während der Corona-Pandemie. Sie griffen nicht nur ins Spieleregal, sie entwickelten eigene Spiele. Wie geht „Corona“?

Es begann mit dem Klassiker schlechthin: „Mensch ärgere dich nicht“. Ein Spiel, das den Frust schon im Namen trägt bot genau das, was Familie Leder just in einer Zeit des Stillstands brauchte, ein Ventil. Inspiriert von den Schicksalsschlägen aus „Das Spiel des Lebens“ und dem taktischen Feilschen bei „Monopoly“, kehrten die Familie aus Bad Herrenalb nach fast 15 Jahren Abstinenz an den Spieltisch zurück. „Eigentlich war es die ‚Arbeit‘ an der Pandemie, die uns aus der Brettspielpause riss. Wir wollten wissen: Was spielt die Welt da draußen eigentlich heute? Was ist in Mode, während drinnen die Zeit stillsteht“, erklärt Vater Martin.

 

Vergangenheitsbewältigung Und mittlerweile rollen die Würfel in seinem Zuhause nicht nur zum Zeitvertreib. Hier treffen Strategie,schwarzer Humor und eine ungewöhnliche Art der Vergangenheitsbewältigung aufeinander. Ihre Leidenschaft für Brettspiele entdeckte die Familie ausgerechnet während der Corona-Pandemie, als die Welt stillstand. Doch sie griffen nicht bloß ins Spieleregal, sie entwickelten eigene Spiele.

Geistesblitz beim Dauer-Zocken Die Geburtsstunde von „Corona“, so der schlichte wie treffende Name des Brettspiels, schlug in einer Phase der Isolation. „Miriam hatte die spontane Idee beim Spielen“, erinnert sich Mutter Marion, „während unser Sohn Andreas zum gefühlt 100. Mal ‚Mensch ärgere dich nicht‘ spielen wollte“. Die damals Zehnjährige hatte genug von den Klassikern und schlug vor, die allgegenwärtige Pandemie einfach selbst aufs Brett zu bringen.

Was als Zeitvertreib gegen den Lagerkoller begann, entwickelte sich schnell zu einem echten Familienprojekt. Die Rollenverteilung war dabei klar definiert: Andreas und Miriam legten das Fundament der Regeln fest, während Vater Martin und Mutter Marion den Feinschliff übernahmen.

„Die Kinder waren mit so viel Enthusiasmus dabei, dass wir sie bei den Aktionskarten manchmal bremsen mussten, damit das Spiel ausbalanciert bleibt“, betont Martin Leder.

Anstecken statt Rauswerfen Das Spielprinzip ist so simpel wie genial und zudem herrlich fies. Wer an „Mensch ärgere dich nicht“ denkt, liegt zwar bei der Grundstruktur richtig, doch der Clou ist die „Infektion“. Anstatt gegnerische Figuren nach Hause zu schicken, werden sie angesteckt und wechseln die Farbe. „Man macht die Gegner zu seinen eigenen Spielfiguren“, erklären die jungen Experten Miriam und Andreas. Ziel ist es, entweder das eigene „Krankenhaus“ zu füllen oder alle anderen auf dem Feld zu infizieren.

Für Zündstoff gesorgt

Zudem sorgen die Aktionskarten für Zündstoff und schwelgen in den Absurditäten der Krisenjahre: Von Klopapiermangel bis hin zur „Fake News“-Karte, einer Anspielung auf Donald Trump, die das gesamte Spielgeschehen im Uhrzeigersinn rotieren lässt und sicher geglaubte Siege in letzter Sekunde zunichtemacht. Wer den Prototyp sieht, glaubt nicht, dass hier eine Familie am Werk war.

Mutter Marion gestaltete das Spielbrett von Hand mit Acrylfarben auf Karton, bevor das Design am Computer finalisiert und bei einer Spezialfirma professionell gedruckt wurde. Das grafische Herzstück: Ein Würfel-Weg, der an die Struktur des Virus erinnert.

Wichtige Lektion Für die Kinder war das Projekt weit mehr als nur Basteln. In einer Zeit der Schulschließungen und Kontaktverbote half ihnen das Erfinden des Spiels, Ängste und Isolation spielerisch zu überwinden.

Wer heute bei den Leders eine Runde mitspielt, lernt eine wichtige Lektion der Pandemie auf die harte Tour: „Wer zu Hause bleibt, steckt weniger an und wird seltener infiziert.“ Wenn man dann doch durch eine „Fake-News“-Karte alles verliert, bleibt am Ende zumindest die Gewissheit: Gemeinsam spielt es sich am besten durch jede Krise.

„Wald & Würfel“

Trotz des professionellen Looks und des positiven Feedbacks bei Freunden gibt es derzeit keine Pläne für eine Massenproduktion.

Geplant ist es das Spiel bei „Wald & Würfel“ am Prototypen-Tisch vorzustellen. Das dreitägige „Wald & Würfel“-Event wird veranstaltet von den „Brettspielsuchties“ in Karlsbad-Spielberg – Tagestickets ab zehn Euro.