Wie viel Strom und Wasser würde ein Surfpark in Lahr tatsächlich benötigen? Die Lokale Agenda-21-Gruppe „Energie“ befürchtet, dass die Zahlen nicht mit dem Ziel der Nachhaltigkeit übereinstimmen – und dieses Versprechen nicht eingehalten werden kann.
Ein Surfpark in Lahr soll zu einem „Leuchtturmprojekt“ werden. Das wünscht sich die Stadtverwaltung. Anfang Oktober ist daher eine Delegation nach Bristol gereist, um dort anhand eines bestehenden und dem im Lahr geplanten Modell ähnelnden Surfparks wichtige Erkenntnisse, vor allem zur derzeit laufenden Standortsuche, zu erlangen. So begeistert sich die Vertreter des Gemeinderats und der Verwaltung auch zeigten: Das Projekt „Surfield“ ist in Lahr nicht unumstritten. Naturschutzorganisatoren haben in der Vergangenheit bereits Kritik geäußert, nun mahnt auch die Lokale Agenda-21-Gruppe „Energie“ (siehe Info) das Projekt an.
Die Gruppe, die unregelmäßig zu verschieden den Klimaschutz betreffenden Themen in der Stadt Stellung bezieht, sieht den von den Surfield-Initiatoren hervorgehobenen Aspekt der Nachhaltigkeit als nicht gegeben an. Konkret stellt die Gruppe dies in einer Pressemitteilung anhand des potenziellen Wasser- und Stromverbrauchs dar.
Regenwassernutzung soll die Verdunstung nicht ausgleichen können
Die Park-Betreiber würden behaupten, so die Gruppe, dass zu Beginn des Projekts nur einmal eine Wasserfüllung vorzunehmen sei. Danach bliebe der Wasserpegel über das Jahr in etwa gleich hoch. Verdunstung und Regen würden sich die Waage halten, laute die Begründung der Park-Betreiber. Dass dies funktioniert, zweifelt die Agenda-Gruppe jedoch an – und bezieht sich dabei auf Untersuchungen des Deutschen Wetterdiensts. Die Gruppe rechnet vor, dass die Surfpark-Betreiber in Lahr jährlich 10 000 Kubikmeter Wasser nachfüllen müssten. Das entspreche dem Verbrauch von 60 Vier-Personen-Haushalten. Die Planer von „Surfield“ erklären zur Wasserbeschaffung, dass man Regenwasser priorisiere, das auf den eigenen und umliegenden Gebäuden abgefangen und in Zisternen gespeichert wird. Dadurch werde die Abhängigkeit von Grundwasser und Frischwasser minimiert.
Auch beim Stromverbrauch, kritisiert die Gruppe, könne „von einer Nachhaltigkeit keine Rede sein“. Die Mitglieder glauben nicht, dass die erwartete Deckung von 90 Prozent durch eine eigene Agri-PV-Anlage erreicht werden kann. Im Sommer, so befürchten sie, könne der Surfpark gar nicht die ganze erzeugte Energie nutzen und müsse den Überschuss ins Netz einspeisen. Im Winter wiederum könne die Sonnenenergie den Bedarf nicht decken – und man müsse Strom aus dem Netz beziehen. „Der wertvolle Ökostrom sollte vorzugsweise den Wärmepumpen, Elektro-Autos und dem ausufernden Internetstromverbrauch dienen und nicht dem Freizeitvergnügen“, so die Gruppe. Für Freizeitvergnügen gebe es in der Region bereits den Europa-Park, der immer mehr Wasser und Strom verbrauche.
Investor kündigt Reaktion an
Das Fazit der Gruppe: Mit dem Strom- und dem Wasserverbrauch erfüllen „zwei der sechs Punkte des Kriterien-Katalogs nicht die geforderte Nachhaltigkeit“. Die Mitglieder fordern, mutig zu sein und auch „einmal Nein zu sagen“, wenn nicht alle Kriterien erfüllt sind. Ein Surfpark in Lahr, so die Agenda-Gruppe, habe nur einen geringen Nutzen für die Allgemeinheit.
Investor Mario Gerlach, die treibende Kraft hinter dem Vorhaben, erklärte am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion, dass es in der Mitteilung „einige Punkte gibt, auf die man reagieren muss“. Er kündigte für die kommenden Tage eine Darstellung seiner Sicht der Dinge an, sobald er sich ausführlicher mit den Vorwürfen der Lokalen Agenda 21-Gruppe Energie auseinandergesetzt habe.
Info – die Gruppe
Die Lokale Agenda 21-Gruppe Energie in Lahr versteht sich als eine parteiübergreifende, lockere und ehrenamtlich arbeitende Bürgervereinigung, wie es auf ihrer Webseite heißt. Sie hat sich zum Ziel gesetzt hat, im Energiebereich nicht nur global zu denken, sondern auch lokal zu handeln. Sprecher der Gruppe aus Fachleuten und Laien ist Geophysiker Falk Auer, der als Fachmann für den Einsatz regenerativer Energien gilt. Zuletzt hatte die Gruppe im Juli 2023 Zweifel geäußert, dass die Stadt Lahr so klimafreundlich ist, wie die Zertifizierung mit dem „European Energy Award“ den Anschein erweckt.