Die Stadt ist mit dem Ergebnis des Zensus 2022 unzufrieden. Foto: ©MQ-Illustrations - stock.adobe.com

Die Stadt Bad Liebenzell fühlt sich bei der Bevölkerungszählung benachteiligt. Es geht um viel Geld. Was der Gemeinderat nun beschlossen hat.

Wie viele Menschen wohnen in Bad Liebenzell? Fragt man die Stadt selbst, lebten dort vor vier Jahren 9693 Personen. Doch der Zensus 2022 kam auf 498 Menschen weniger.

 

Eine Million weniger

Für die Stadt hat das erhebliche Auswirkungen. Weniger Einwohner bedeuten nämlich weniger Geld. Beim interkommunalen Finanzausgleich ist die Größe einer Kommune entscheidend. Wegen des Zensus muss Bad Liebenzell künftig mit einer Million Euro weniger an Einnahmen pro Jahr rechnen.

Nicht erklärbar

Kein Wunder also, dass die Stadt mit dem Ergebnis des Zensus 2022 unzufrieden ist. Man könne sich den Einwohnerverlust nicht erklären, steht in einer Sitzungsvorlage des Gemeinderates.

Allein der Zuzug der Geflüchteten aus Nahost und der Ukraine habe zu einem Bevölkerungszuwachs geführt. Besonders stört die Liebenzeller aber eine Begebenheit. Denn sie teilen ihr Schicksal mit vielen anderen Kommunen im Kreis.

Oft Kritik

Eigentlich haben alle Orte laut Zensus Einwohner verloren – außer Calw und Nagold. In der Vergangenheit wurde deshalb oft Kritik laut. Calw und Nagold durften selbst zählen, in den anderen Gemeinden zählte das Land. Haben also, die die selbst zählen durften, einen Vorteil? Bad Liebenzell fühlt sich benachteiligt.

Die Stadt legte gegen das Ergebnis des Zensus bereits im Oktober 2024 beim statistischen Landesamt Widerspruch ein. Im November 2025 bekam die Stadt dann Unterlagen bezüglich der Zählung. Die seien aber nur „eingeschränkt aussagekräftig“ gewesen, steht in der Vorlage.

Die Verwaltung will nun den nächsten Schritt gehen und vor dem Verwaltungsgericht klagen. Allerdings sieht sie die Erfolgsaussichten „neutral bis gering“. Erfolgversprechender sei es vermutlich, gegen auf Basis des Zensus erstellten Finanzausgleichsbescheide vorzugehen, so die Vorlage. Den denen müsse eine „realitätsgerechte Betrachtung“ zugrunde liegen.

Anderer Weg

Der Gemeinderat stimmte mehrheitlich dafür, die Klage einzureichen und gegen die erste Abschlagszahlung aus dem Finanzausgleich Widerspruch einzulegen.

Damit geht Bad Liebenzell einen anderen Weg als beispielsweise Schömberg, das von einer Klage absieht. Beim Zensus 2011 gab es ähnliche Vorwürfe aus manchen Kommunen. Die Klagen scheiterten damals. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte letztlich die Rechtmäßigkeit des Zensus.