Wie weit darf Humor gehen? Ein kurzes Internet-Video der JU im Kreis Calw sorgt nun für Kritik. Foto: dpa/Jan Woitas

Die Junge Union im Kreis Calw will ihre Präsenz in sozialen Medien ausbauen. Ein Video sorgt dort nun für Aufsehen; ein Leser nennt es geschmacklos. Die JU sieht das anders.

Manche Videoschnipsel verbreiten sich im Internet wie ein Lauffeuer – und finden vielerlei Verwendung.

 

Ein Beispiel dafür dürfte eine Szene sein, in der ein Mann mit schwarzer Hautfarbe mit den Zähnen an der Rinde eines Baumes schabt. Der Mann scheint einem Naturvolk anzugehören.

„Du hast den richtigen Biss?“

Diesen Videoschnipsel verwendet derzeit unter anderem auch der Calwer Kreisverband der Jungen Union in einem sogenannten Reel, einem kurzen Hochkant-Video.

Nach der Einblendung des Mannes wechselt das Bild und der Kreisvorsitzende Julian Däuble ist zu sehen.

Er blickt in die Kamera und sagt: „Du hast den richtigen Biss, bist hartnäckig und möchtest Themen voranbringen? Dann komm zur Jungen Union – dort, wo Leistung sich wieder lohnt, Grenzen gesichert werden und NGOs kein unnötiges Geld kriegen. Komm zur JU, jetzt Mitglied werden.“

Es ist humorvoll gemeint. Einer unserer Leser findet das Ganze jedoch gar nicht zum Lachen. Es handle sich vielmehr um ein „geschmackloses, rassistisches Reel“.

JU-Kreisvorsitzender Däuble sieht das anders. „Wir verwenden derzeit für unsere Social-Media-Aktivitäten mehrere ‚Aufmacher', die durchweg von diversen Accounts in den sozialen Medien genutzt werden“, erklärt er. Mit „Aufmacher“ ist in diesem Fall die Eingangssequenz des Videos gemeint.

Einige solcher Aufmacher – wie in diesem Fall – würden auch von einem anderen Account verwendet, von dem sich die JU mit inspirieren lasse.

„Auch davon lebt Social Media: Emotionen“

„Es geht in Social Media immer darum, Aufmerksamkeit binnen weniger Sekunden zu generieren“, sagt Däuble. Genau dafür seien diese Aufmacher auch gedacht. „Das ist kein Vorgehen, das nur die JU Calw so verwendet, sondern durchaus üblich.“

Wenn die Kritik des Lesers dazu führe, „dass unsere Social-Media-Klicks nach oben gehen, ging unsere Strategie offenbar voll auf. Auch davon lebt Social Media: Emotionen“, so der JU-Kreisvorsitzende.

Auf die Frage unserer Redaktion, ob der Kontext bekannt ist, in dem das kritisierte Video entstand, ging Däuble nicht ein. Auch nicht auf die Frage, ob er es für passend halte, in einem Beitrag, der unter anderem sichere Grenzen thematisiert, das Video eines Menschen mit schwarzer Hautfarbe einzubinden.

In einer längeren Version des Videos, das auf dem Online-Videoportal Youtube zu finden ist, wird das Verhalten des Mannes übrigens damit erklärt, dass er zu einem seit Jahrhunderten bestehenden Stamm gehöre.

In dieser Gemeinschaft würden kranke Menschen bei bestimmten Bäumen die Rinde abschaben, um den Pflanzensaft zu trinken, dem heilende Wirkung zugeschrieben werde.

Arbeitsauftrag der JU: noch stärker in sozialen Netzwerken werben

Ob das der tatsächliche Hintergrund ist, lässt sich indes nicht zweifelsfrei feststellen oder überprüfen.

Fest steht dagegen, dass die Junge Union im Kreisverband Calw noch stärker für Politik in sozialen Netzwerken werben und neue Mitglieder gewinnen möchte.

Laut einer Pressemitteilung der JU sei das ein Arbeitsauftrag des neuen Vorstands, der unlängst im Gasthof Rössle in Altensteig-Berneck gewählt wurde.

Der neue Kreisvorstand mit dem Bezirksvorsitzenden Lennart Christ (rechts) und dem Kreisvorsitzenden Julian Däuble (Mitte) Foto: Lea Ulmer

„Wir werden unseren Social-Media-Auftritt noch weiter ausbauen. Wir sind schon stark unterwegs im Vergleich zu anderen. Aber wir müssen den Desinformationen von AfD und Linke im Netz noch mehr entgegenhalten", so der Kreisvorsitzende.

Däuble berichtete dabei demnach auch von zahlreichen Aktionen in den vergangenen anderthalb Jahren, etwa einer sozialen Spendenaktion für die Tafel in der Weihnachtszeit.

Wahlen bei der JU

Bei den Wahlen
im Rahmen der Mitgliederversammlung der JU wurde Julian Däuble zum dritten Mal einstimmig zum Kreisvorsitzenden gewählt. Damit bleibt der 26-Jährige an der Spitze der nach Angaben der JU größten politischen Jugendorganisation im Kreis Calw

Auch seine drei Stellvertreter Felix Gaiser (Haiterbach), Alexander Hammer (Nagold) und Simon Kappel (Bad Wildbad) wurden wiedergewählt. Finanzreferent Jonas Schanz (Ebhausen) wurde im Amt ebenso bestätigt wie Schriftführer Fabian Neufang (Calw) und Geschäftsführer Tino Miandoabi (Schömberg).

Bewegung gab es bei den Beisitzern. Diese sind: Mathis Gutekunst (Haiterbach), Lukas Hölzlberger (Haiterbach), Noa Friedel (Bad Liebenzell), Robin Kasparian (Altensteig), Lennard Maier (Hochdorf) und Daniel Bushak (Ebhausen). Luisa Koch (Höfen) ist als Ehrenvorsitzende und Beisitzerin im Landesvorstand außerdem kooptiert.